Gastkommentar

bluesource-Gründer Roland Sprengseis: „2016 werden Service-Apps Games vom Thron stoßen”

Jeder hat eins. © Fotolia/DigiClack
Jeder hat eins. © Fotolia/DigiClack

Dass die Anzahl der Apps in den gängigen App Stores seit Jahren kontinuierlich ansteigt, ist kein Geheimnis. So standen 2015 sowohl im Apple App Store als auch im Google Play Store jeweils mindestens 1,4 Millionen verschiedene Applikationen für den Nutzer zur Auswahl. Das Wachstum stagniert jedoch nicht – wird doch bis Jahresende ein regelrechter App-Boom erwartet. Anders als bisher werden aber nicht Unterhaltungs-Apps wie Spiele als Sieger hervortreten, sondern Service-Apps, die den Nutzer im alltäglichen Leben unterstützen. Das ist aber kein willkürlicher Trend, sondern dahinter stecken triftige Gründe wie App-Indexing, der Trend zu „Mobile only“, Wearables, Internet of Things und Augmented Reality.

Google’s App-Indexing

Was sind nun die Gründe für das boomende App-Geschäft? Ein nicht zu unterschätzender – vielleicht sogar der wichtigste – Faktor ist das 2015 von Google eingeführte App-Indexing. Seit kurzem werden in den gewöhnlichen SERP-Ergebnissen (also den organischen Auflistungen in der Search Engine Result Page) nicht nur Website-Inhalte angezeigt, sondern auch Content aus Apps, auch für jene, die die App noch nicht nutzen. Dies steigert nicht nur die Reichweite der App, sondern erhöht auch die Sichtbarkeit des Unternehmen bzw. der Marke in den organischen Suchergebnissen.

Derzeit ist App-Indexing nur etwa bei einem Viertel aller Android-Apps bzw. einem Zehntel aller iOS Apps verankert. Daraus ergibt sich enormes Potenzial, das noch ausgeschöpft werden kann. Unternehmen, die jetzt schnell reagieren und in eine neue oder bestehende App die Indexing-URLs einfügen, werden mit maßgeblichen Wettbewerbsvorteilen belohnt.

Von „Mobile first“ zu „Mobile only“

Damit einher geht auch die Tatsache, dass 2016 Mobile den Desktop dominieren wird und viele Unternehmen ihre Strategie von „Mobile fist“ auf „Mobile only“ neu ausrichten müssen. Im Klartext bedeutet dies, dass die Schaffung einer mobil optimierten Website oder einer eigenen App für Unternehmen höher zu priorisieren ist als die Erstellung einer klassischen Desktop-Website. Auch Google selbst bestätigt diese Annahme, dass eine „Mobile Only“ Website ohne Desktop-Lösung akzeptabel wäre.

Bei einem radikalen „Mobile only“ Ansatz wird gänzlich auf eine Desktop- und mobil optimierte Website verzichtet und dem Nutzer stattdessen lediglich eine App dargeboten. Solche Applikationen sind jedoch häufig einer Website nachempfunden.

Fraglich ist zum jetzigen Zeitpunkt, wie es um die Qualität solcher „Website-Apps“ stehen wird. Sind diese in schlechter Qualität umgesetzt und bieten keinen Mehrwert, leidet nicht nur die Reichweite der App darunter, sondern das gesamte Unternehmensimage. Vor allem beeinflussen mangelhafte Apps in diesem Stil die generelle Akzeptanz von „Website-Apps“ negativ. Dennoch gibt es interessante Szenarien, für die ein solcher radikaler „Mobile only“ Ansatz vorstellbare wäre: beispielsweise das Lesen einer Zeitung oder das Einkaufen via App.

Service vor Unterhaltung

Nutzer bevorzugen Apps mit wahrem Wert zur Unterstützung in den verschiedensten Lebensbereichen. Für 2016 gilt daher: Service vor Unterhaltung. Grundsätzlich ist in den App Stores keine allzu drastische Änderung zu erwarten: Gratis-Apps wie die meisten Spiele-Apps und Kommunikationsdienste wie WhatsApp werden die Download-Charts weiterhin anführen, da diese tendenziell impulsiver heruntergeladen werden als ihre kostenpflichtigen Pendants, zu denen Service-Apps oftmals gehören. Dennoch werden Applikationen mit Mehrwert eindeutig die Gewinner des Jahres 2016 sein.

Wearables, Internet of Things und Augmented Reality

Der Anstieg an verfügbaren Service-Apps im App Store birgt aber noch andere Gründe: Wearables, Internet of Things und Augmented Reality treiben die Downloads voran. Bereits im letzten Jahr waren Fitness-Armbänder oder die Apple Watch Vorboten davon, was noch auf uns zukommen wird. Fitness-Tracker, Smartwatches und sogar Schmuck werden jetzt nach und nach zu „Edugadgets“. Diese werden dahingehend optimiert, Gesundheitsdaten zu überwachen und mithilfe von In-App-Analysen bei der Optimierung des Gesundheitszustandes zu helfen.

Auch Internet of Things tritt seinen Siegeszug an, werden doch nach und nach mehr wertvolle Anwendungsmöglichkeiten geschaffen. Ein gutes Beispiels ist der Einsatz in Schulen: Mithilfe von Internet of Things kann etwa der Unterricht verbessert und die Wissensaufnahme vereinfacht werden. Augmented-Reality-Gadgets wie die Google Glass stehen ebenfalls in Verbindung mit Service-Apps: Die computergestützte Erweiterung der Realität, wie die visuelle Darstellung von Zusatzinformationen zu Sehenswürdigkeiten, setzt ebenfalls die Nutzung von Applikationen mit Servicecharakter voraus.

Der App-Boom ist vorprogrammiert

Zusammenfassend lässt sich sagen: Internet of Things ist auf dem Vormarsch und bis 2020 werden insgesamt etwa 40 Milliarden (Haushalts-) Geräte mit dem Internet verbunden und damit hauptsächlich über Apps verknüpft sein. Neben Service-Apps im Zusammenhang mit Augmented Reality und Wearables erkennen vor allem Unternehmen durch das neu eingeführte App-Indexing die Wichtigkeit von Applikationen. 2016 wird also DAS Jahr für den App-Markt – nicht zuletzt, da Mobile dem Desktop nun wirklich den Rang ablaufen wird.

Roland Sprengseis ist gemeinsam mit Wolfgang Stockner Geschäftsführer bei bluesource – mobile solutions. bluesource konzipiert, gestaltet, entwickelt und testet mobile Applikationen und arbeitet an Tools in den Bereichen Mobile Marketing, Mobile Payment, Mobile Commerce und Software-Entwicklung. Der Hauptsitz ist im oberösterreichischen „Silicon Valley“ in Hagenberg. Eine der bekanntesten von bluesource entwickelten Apps ist die Kundenkarten-App mobile-pocket.

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