BLUE POWER: Windkraft-Startup startet Security Token Offering.

Exklusiv: Herbert Gösweiner, CEO von BLUE POWER, und Paul Pöltner von CONDA sprechen im Live-Interview über die Pläne der oberösterreichischen Firma.

Gepostet von TrendingTopics.at am Dienstag, 4. Juni 2019
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Blue Power: Oberösterreichisches Windkraft-Startup startet Security Token Offering

Österreichische Firmen kommen langsam aber sicher auf den Geschmack von so genannten Security Token Offerings: Im Live-Talk bei Trending Topics hat heute das oberösterreichische Startup Blue Power, das sich auf kleine Windkraftanlagen  spezialisiert hat, angekündigt, gemeinsam mit der Wiener Crowdinvesting-Plattform Conda einen STO durchzuführen.

Bis zu 2 Millionen Euro angepeilt

Das Ziel: Blue Power rund um Geschäftsführer Herbert Gösweiner will mit dem Verkauf von Security Token in einem ersten Schritt 250.000 Euro, dann bis zu zwei Millionen Euro einsammeln. „Wir haben uns immer sehr innovativ finanziert“, sagt Gösweiner im Gespräch mit Trending Topics. Man habe bereits eine kleine Crowdfunding-Kampagne gemacht, doch jetzt sei der Kapitalbedarf größer.

Blue Power hat im letzten Jahr in Österreich und Norddeutschland zehn der kleinen Windkraftanlagen aufgebaut. „Wir haben Lagen, wo man bis zu 75 Prozent des Energiebedarfs eines Haushalts damit abdecken kann“, sagt Gösweiner. „Es kommt auf die Lage an, es kann auch weniger sein.“

Rund 5.000 Euro muss man für die „Blue One“ getaufte Anlage rechnen, die Preise sollen aber bald Richtung 3.000 Euro sinken. Errichtet werden kann sie auf Grundstücken auf einem Mast oder auf einem Hausdach. Im nächsten Jahr sei geplant, rund 100 der Windkraftwerke aufzustellen. Außerdem plane man, eine neue Version des Windkraftwerks mit Solarzellen zu kombinieren.

Ein Risikoinvestment

„Der Security Token ist eine Verbriefung des Genussrechts auf der Blockchain“, sagt Paul Pöltner von Conda, dessen Firma für die Umsetzung des STO im Hintergrund verantwortlich ist. Man könne die Token einfach an Wallets von Käufern transferieren, und es gebe durch die Blockchain mehr Transparenz. „Egal wo man sitzt, man sieht auf der Blockchain, wer gerade welche Anteile an der Firma hält“, so Pöltner. „Wir können so die Digitalisierung im Fundraising weiter vorantreiben.“ Investieren könne man in Euro oder mit den Krypto-Assets Bitcoin (BTC) und Ether (ETH), ab einem Wert von 100 Euro.

Blue Power-CEO Herbert Gösweiner und Paul Pöltner, Managing Partner Conda. © Trending Topics
Blue Power-CEO Herbert Gösweiner und Paul Pöltner, Managing Partner Conda. © Trending Topics

Wer bei Blue Power in den STO investiert, soll an der Unternehmenswertsteigerung beteiligt werden. In der Laufzeit von zehn Jahren ist eine Kündigung möglich, dann werde auf Basis der Unternehmensbewertung eine Rückzahlung erfolgen. „Es gibt außerdem eine Vorzugsdividende“, so Pöltner. „Sobald ein positiver Bilanzgewinn im Unternehmen da ist, werden 4,5 Prozent des eingezahlten Kapitals vorab an die Investoren ausgezahlt.“ Wer investieren möchte, sollte sich jedenfalls ein umfangreiches Bild des Unternehmens machen. „Es ist wie jede Unternehmensbeteiligung ein Risikoinvestment, das ist unbestritten“, so Pöltner.

„Enormer Nachholbedarf in Europa“

„Bei Wind haben wir in Europa enormen Nachholbedarf, Europa schläft im Gegensatz zu den USA oder China noch“, sagt Gösweiner. Er glaube, dass in den nächsten Jahren die Nachfrage stark steigen wird. Die Windkraftanlage sei nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen interessant. Vor allem in Norddeutschland oder den Benelux-Ländern sei die Gesellschaft schon sehr offen für das Thema.

Windkraft hat einen guten Ruf, aber auch seine Kritiker – denn Windräder greifen ins Ökosystem von Vögeln ein und sind nicht unbedingt eine Verschönerung der Landschaft. „Die Kritiker muss man fragen: wir wollen die Kernkraft nicht, wir wollen Kohle nicht, aber irgendwo müssen wir den Strom herstellen“, sagt Gösweiner. „Es ist immer ein Kompromiss, aber ich glaube, unser System bringt auf Linie, was der Naturschutz will, aber auch was die Energiewirtschaft will.“ In einigen Anlagen hätten sich sogar schon Jungvögel eingenistet.

Das erste Security Token Offering hat übrigens das Linzer Startup Blockpit im April diesen Jahres gestartet. Das Team rund um Gründer Florian Wimmer will bei dem STO bis zu fünf Millionen Euro einsammeln. Umgesetzt wird das Angebot ebenfalls mit der technischen Unterstützung von Conda (Trending Topics berichtete).

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