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Österreichische Firma könnte chinesischem Payment-Giganten Alipay in Europa zum Durchbruch verhelfen

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Mit dem Strichcode am Handy bezahlen - in China ganz normal, in Europa noch nicht © Bluecode

Der Payment-Gigant Alipay ist derzeit mit 708 Millionen aktiven Nutzern Weltmarktführer beim Bezahlen mit dem Handy. Und das, obwohl er eigentlich nur chinesische Nutzer hat. Die wollen allerdings überall in der Welt mit ihrem System bezahlen und deshalb ist die Tochter des Online-Konzerns Alibaba auch in Europa höchst aktiv. Bei wievielen Händlern man in Europa schon mit Alipay bezahlen kann, wollte die DACH/CEE-Managerin Xiaoqiong Hu vor Journalisten am Donnerstag nicht verraten. Aber man sei in allen großen Märkten gut vertreten. Klar, die Händler, allen voran die Luxusindustrie reibt sich die Finger nach den zahlungskräftigen Touristen aus China. Diesen Aufwind will nun Bluecode, quasi das Alipay aus Österreich, nutzen, um sich in Europa als Marktführer zu etablieren.

Strichcode und Lastschrift

In Europa ist das System noch nicht so etabliert wie in China. Das Prinzip funktioniert so: Der Nutzer hat eine App auf sein Smartphone geladen und sie mit seinem Bankkonto verbunden. An der Kassa wird in der App ein einmalig gültiger Strichcode generiert. Der Scan löst im Falle von Bluecode ein Lastschriftverfahren aus. Derzeit hat Bluecode in Österreich und Deutschland aktive Nutzer im knapp siebenstelligen Bereich. Der Chef, Christian Pirkner, sieht aber eine Chance, endlich einen großen Payment-Player in Europa zu etablieren.

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Warnung vor US-Dominanz in Europa

Derzeit seien Bezahlsysteme in den Händen von US-Firmen, erklärte er am Donnerstag. Egal, ob es um Kredit- bzw. Bankomatkarten geht oder um Software/Web-Lösungen von PayPal, Google, Apple oder Amazon. Mit diesem Thema rennt Pirkner auch bei europäischen Politikern derzeit offene Türen ein. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat wiederholt vor einer US-Dominanz bei Bezahldiensten gewarnt. Kürzlich gab sich auch Yves Mersch, der Direktor der Europäischen Zentralbank, besorgt, dass sich diese Situation mit innovativen Lösungen weiter verschärfen könnte.

Alipay und SIX als Partner

Bluecode hat ein Zahlungsnetzwerk für Handy-Payments nach europäischen Datenschutzstandards entwickelt, erklärt Pirkner. Die Firma erfahre bei einer Transaktion beispielsweise weder den Namen noch das Bankkonto des Nutzers – diese Daten würden auf den sicheren Servern der Bank bleiben. Mit diesem System will man jetzt Händler in ganz Europa überzeugen – in Österreich sind es laut Pirkner schon mehr als 85 Prozent aller Lebensmittelhändler. Beim weiteren Roll-out sollen prominente Partner helfen, darunter die SIX-Gruppe, die die Kartenzahlungs-Abwicklung bei mehr als 200.000 Händlern in Europa organisiert und eben Alipay.

Das große chinesische Vorbild darf alle seine 708 Millionen Nutzer über die Bluecode-Infrastruktur bezahlen lassen. Das schafft auf der einen Seite Vertrauen bei den Händlern, die mit einem System aus Europa arbeiten dürfen und wird andererseits Bluecode dabei helfen, Händler von dem Nutzen ihres Systems zu überzeugen. Die Gefahr, dass seine Firma nur Steigbügelhalter für den Markteintritt des chinesischen Konzerns in Europa ist, sehen die beiden Firmen freilich nicht. „Europäer können Alipay derzeit nicht nutzen“, meinte Xiaoqiong Hu auf die Frage und Pirkner findet den Markt in Europa groß genug, dass man ihn gemeinsam erobern könne.

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