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Blockpit: Erstes Security Token Offering Österreichs soll bis zu 5 Mio. Euro bringen

Das Blockpit-Team. © Blockpit
Das Blockpit-Team. © Blockpit

Initial Coin Offerings haben durch viele Scams und Geldmacherei einen schlechten Ruf bekommen – sowohl bei Investoren als auch bei Behörden. So genannte Security Token Offerings (STOs) sollen Finanzierungen von Unternehmen mit Hilfe von Krypto-Assets wieder ins rechte Licht rücken. „Der Security Token löst die Probleme der ICOs, bei denen es viele Betrügereien und Geldmacherei gegeben hat“, sagt Florian Wimmer, der mit seinem Startup Blockpit jetzt den ersten österreichischen STO durchführt. „Wir wählen nicht das klassische Funding für die Finanzierung, sondern haben uns für einen STO entschieden.“

Blockpit ist ein oberösterreichisches Startup, das seinen Kunden ein Steuer- und Monitoring-Tool für Krypto-Trader anbietet. Mit dem STO, also eine neue Form der Unternehmensfinanzierung, will die Jungfirma dieses Jahr bis zu fünf Millionen Euro Finanzierung aufstellen. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat die so genannten TAX-Token, die sich Investoren kaufen können, als Wertpapier eingestuft, und damit grünes Licht für die Ansprache von Privatinvestoren gegeben. Ende Dezember 2018 hat Blockpit einen ersten Investor an Bord geholt (Trending Topics berichtete).

Neuer Finanzierungsweg für Startups

Beraten wird Blockpit bei dem STO von Stadler Völkel Rechtsanwälte (dort ist neuerdings Anwalt Oliver Stauber tätig) und von KPMG – jenem Beratungsunternehmen, bei dem Blockpit-Mitgründer Wimmer vor der Gründung seines Startups tätig war. Die technische Umsetzung liefert das auf Crowdfunding spezialisierte Wiener Unternehmen Conda, die ihrerseits bereits im Vorjahr die eigenen Aktien auf die Blockchain gelegt hat. Laut Pöltner von Conda seien solche STOs vor allem für kleine Unternehmen geeignet, die Finanzierungen zwischen einer und 20 Millionen Euro aufstellen wollen.

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Der TAX-Token ist ein Genussschein auf Basis einer Umsatzbeteiligung. Investoren, die sich die Token kaufen, haben also keine Firmenanteile, sondern bekommen einen Teil des Umsatzes, den Blockpit macht, ausgeschüttet. Noch darf Blockpit Investoren nur in Vier-Augen-Gesprächen ansprechen, ein Finanzmarktprospekt soll folgen. Derzeit darf Blockpit pro EU-Land maximal 149 Investoren ansprechen. Bezahlt werden die Token in Euro, Bitcoin (BTC) oder Ethereum (ETH). Die Umsatzbeteiligung bekommen Investoren in Ethereum ausgezahlt – wollen sie in Fiat wechseln, müssen sie sich selbst darum kümmern.

Spannend wird, ob der TAX-Token auch auf Börsen gelistet wird, um dort gehandelt werden zu können. Laut Wimmer sei es möglich, dass die Token noch dieses Jahr an Börsen in Gibraltar und Stuttgart gelistet werden könnte – also jenen Börsen, die in Sachen Krypto-Assets sehr offen sind. Für Token-Inhaber soll ein Vorteil sein, dass sie sich im Unterschied zu klassischen Wertpapieren die Gebühren für ein Depot sparen, und bei Transaktion müssten lediglich die Gebühren auf der Ethereum-Blockchain bezahlt werden. Wer die Token nicht traden, sondern lieber auf längere Zeit halten will, kann sie sich auch auf einer wallet wie jener der Staatsdruckerei speichern (mehr dazu hier).

Weitere STOs in Österreich in Planung

Blockpit ist damit das erste österreichische Unternehmen, das einen STO durchführt. Weitere sollen laut Pöltner von Conda folgen, er rechnet bis Ende 2019 mit zwei bis vier weiteren Security Token Offerings. Einer steht schon fest: Die Bluepower GmbH, die Windturbinen vertreibt, will dieses Jahr ebenfalls einen STO und Substanzgenussrecht auf die Blockchain bringen.

„Die meisten STOs gibt es in den USA, aber in Europa tut sich in dem Bereich auch sehr viel“, sagt Christoph Kletzer, Beirat der Digital Asset Association Austria (DAAA). „Mit STOs wird die Sache nach dem Goldrausch in vernünftige Bahnen gelenkt.“

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Liechtenstein vorne dabei

Den „ersten echten Security Token“ Europas will übrigens die Liechtensteiner edeXa AG im Jänner herausgebracht haben. Die Firma, ihrerseits ein Spin-off der io-market AG, hat sich auf Blockchain-Lösungen für Unternehmenskunden spezialisiert. Mit einem Verkauf von Security Tokens will es bis zu fünf Millionen Euro einsammeln. Mindestens muss ein Investor 500 Euro springen lassen, um dabei zu sein.

„edeXa hat zusammen mit den auf Token Sales spezialisierten Rechtsanwälten Nägele und der Liechtensteiner Finanzmarktaufsicht FMA einen echten Security Token herausgebracht. Die Unternehmensanteile der Aktiengesellschaft werden dabei tokenisiert“, heißt es seitens TimStockschläger der edeXa AG aus Liechtenstein. „Investoren erhalten einen tatsächlichen Anspruch auf die zugrundeliegenden Aktien und die daraus resultierenden Dividenden und natürlich Kurssteigerungen. Investoren werden in das Aktionärsbuch eingetragen, sodass es erstmals wirklich einen Rechtsanspruch auf die Anteile der Security Token gibt.“

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