Österreich

Blockchain: “Wir sollten eine Regulierung haben, die etwas ermöglicht und nicht etwas abwürgt”

Harald Mahrer. © startup300
Harald Mahrer. © startup300

Es wäre ein gelungener „Marketing-Gag“ der estnischen Regierung während ihrer EU-Präsidentschaft, anzukündigen, eine eigene Kryptowährung einführen zu wollen. Nein, von einer eigenen digitale Währung für Österreich oder die EU hält Wirtschaftsminister Harald Mahrer (VP) derzeit noch nichts. Ihm geht es aktuell mehr darum, das Thema Blockchain-Technologie im Land auf stabile Beine zu stellen. “Das Internet hat die Kommunikationskosten dramatisch gesenkt. Bei Blockchain werden es die Transaktionskosten sein”, sagte Mahrer bei einer Pressekonferenz am Montag morgen in Wien. 

“Wir haben in Österreich rechtliche Rahmenbedingungen, die nicht so prickelnd sind”, so Mahrer weiter, der sich das Podium mit Michael Eisler vom Business-Angel-Netzwerk startup300, Paul Pöltner von der Crowdinvesting-Plattform Conda und Paul Polterauer von HEROcoin teilte. “Um so eine neue Technologie wachsen zu lassen, braucht es Sandkästen, damit man damit herumspielen kann.” Der Wirtschaftsminister hat vor einiger Zeit die Initiative „Blockchain Austria“ (mehr dazu hier) ins Leben gerufen, um Österreich zu einem Vorreiterland bei dem Trendthema zu machen. Er sieht Blockchain als nächste Entwicklungsstufe des Internet. “Das Internet hat die Kommunikationskosten dramatisch gesenkt. Bei Blockchain werden es die Transaktionskosten sein.”

Linz will zum Kompetenzzentrum werden

“Es gibt sicher solche, die sich für Bitcoin und Spekulationen interessieren, aber wir kommen aus einer anderen Richtung. Wir wollen über die Chancen der Blockchain aufklären”, sagte Michael Eisler von startup300. In der Tabakfabrik Linz finden deswegen demnächst gleich zwei Veranstaltungen zum Thema statt (Startup Live und die Konferenz „The Rise of ICO“) statt, um Interessierte näher ans Thema heranzuführen. “Wir wollen Linz als Kompetenzzentrum für Blockchain ausbauen”, so Eisler. Nicht zufällig hat das Wiener Startup Herosphere von Mitgründer und CEO Polterauer den ersten ICO Österreichs gestartet (Trending Topics berichtete). Auch das soll dabei helfen, Österreich sichtbar auf die internationale Landkarte zu setzen. Kein leichtes Unterfangen: Laut Polterauer werden weltweit täglich zwischen 40 und 60 ICOs gestartet.

Michael Eisler (startup300), Wirtschaftsminister Harald Mahrer, Paul Pöltner (Conda), Paul Polterauer (Herosphere) und Bernhard Lehner (startup300). © startup300
Michael Eisler (startup300), Wirtschaftsminister Harald Mahrer, Paul Pöltner (Conda), Paul Polterauer (Herosphere) und Bernhard Lehner (startup300). © startup300

Besonders wichtig für das Ziel, Linz zu einem führenden Hub zu machen: Es braucht die Talente, die mit der Technologie arbeiten. Gemeinsam mit der Linzer Software-Firma Catalysts will startup300 einen eigenen Talente-Hub aufbauen. Um junge Menschen an das Thema heranzuführen, findet dazu am 20. Oktober ein eigener Coding Contest statt, an dem voraussichtlich 3.000 Personen teilnehmen werden – mitunter ganze Schulklassen. Eisler: “Das Thema darf an Österreich nicht vorbeiziehen.”

Sandkästen zum Ausprobieren

Wie und was genau bei Blockchain und Kryptowährungen reguliert werden soll, das soll laut Mahrer nach der Wahl am 15. Oktober angegangen werden – wer dann das Sagen hat, bleibt abzuwarten. Von den neun Punkten, die im Zuge von Blockchain Austria formuliert wurden, hält er die „Sandboxes“ für am wichtigsten. Sie sollen es Startups ermöglichen, auf Zeit in einer Art rechtsfreiem Raum Blockchain-Technologien einzusetzen, ohne gleich sämtliche Regeln berücksichtigen zu müssen. Im Gegenzug müssten die Projekte den zuständigen Behörden (z.B. E-Control im Energiebereich, FMA im Finanzbereich) volle Einsicht geben. Vorbild zu diesem Modell ins Großbritannien, wo solche Sandboxes bereits eingeführt wurden.

Vorstellbar sind laut Mahrer Bereiche wie Melderegister oder Grundbuch, die auf Blockchain umgestellt werden könnten. Zu definieren sei, welches Pilotprojekt als erstes angegangen wird. Das Bundesrechenzentrum (BRZ) sei der richtige Partner, um die Technologie in die Praxis zu führen. Vorbild könnte Schweden sein: Dort wird das Grundbuch auf Blockchain umgestellt – das bringt zum einen Transparenz über Immobilienkauf- und verkauf, zum anderen sollen Verwaltungskosten so um viele Milliarden Euro gesenkt werden können. Auch die Stadt Wien erwartet sich durch Blockchain-Technologien die Möglichkeit, Bürokratie abbauen zu können (Trending Topics berichtete).

Forschungsschwerpunkt an der WU Wien

Damit bei dem Thema schnell viel weitergeht, unterstützt das Wissenschaftsministerium die WU Wien dabei, einen eigenen Forschungsschwerpunkt zum Thema „Krypto-Ökonomie“ einzurichten. 500.000 Euro werden dafür bereitgestellt. Die dafür zuständige, noch zu definierende Stelle solle dann auch gleich der Anknüpfungspunkt für all jene werden, die mit der Technologie arbeiten wollen. Von einem Verein hält Mahrer nichts, besser wäre, den Hub an einer wissenschaftlichen Einrichtung wie eben der WU Wien entstehen zu lassen.

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