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Blockchain Austria: Österreich soll zu Vorreiterland bei dezentralen Daten werden

Kryptowährungen - eine von vielen Anwendungen der Blockchain. © BTC Keychain (CC BY 2.0)
Kryptowährungen - eine von vielen Anwendungen der Blockchain. © BTC Keychain (CC BY 2.0)

Bitcoin und Ethereum sind derzeit in aller Munde, doch die Blockchain kann noch viel mehr: Mit der neuen, vom Wirtschaftsministerium lancierten Plattform Blockchain Austria soll die Technologie in Österreich größere Relevanz bekommen. Denn laut Schätzung des „World Economic Forum“ könnten bereits 2025 rund zehn Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts mit Hilfe der Blockchain-Technologie entstehen, die die dezentrale Speicherung von Daten ohne Mittelsmänner erlaubt.

In Schweden etwa wurde das Grundbuchregister mit Blockchain modernisiert und soll dort zu einer Kostenersparnis von rund 20 Milliarden Dollar beitragen; beim „Brooklyn Microgrid„-Projekt in New York wird die Blockchain verwendet, um zehn Häuser zu einem dezentralen Stromnetz zusammenzuschließen; und in Deutschland wird die Blockchain im Energiesektor getestet. Da soll Österreich, wo sich bereits Startups wie Cointed, BitPanda, Grid Singularity oder Minebox auf das Thema gestürzt haben, auch nicht fehlen.

Rechtssicherheit, aber keine Überregulierung

„Diese Technologie hat unglaubliches Potenzial und gehört zu den sichersten und transparentesten Systemen, um Daten zu verwalten und Werte auszutauschen“, sagt Wirtschaftsminister Harald Mahrer, der gemeinsam mit einer Reihe von Wissenschaftlern, Startup-Gründern und Unternehmensvertretern eine erste Version einer Roadmap ausgearbeitet hat, die Österreich zu einem Vorreiter bei der Technologie machen soll. Mahrer sieht Blockchain als zentral für die Innovationsfähigkeit des Landes, man dürfe im Innovationswettbewerb mit anderen Staaten „nicht zurückfallen“. In dem Neun-Punkte-Plan wurde folgendes vorgeschlagen, der nun der Umsetzung harrt:

  1. Durchführung von Pilotprojekten
  2. Förderung bestehender Aktivitäten der Zivilgesellschaft
  3. Interdisziplinäre Forschungseinrichtungen
  4. Ausbildung von Fachkräften
  5. zentrale Informations-Plattform
  6. Krypto-Report (periodisches Nachschlagewerk für Forscher, Unternehmer, etc.)
  7. Bürgerservice für Kryptowährungen
  8. Austrian Blockchain Cluster (Vernetzung aller Akteure)
  9. Institutionelle Taskforce (aus Bund, Ländern, Kammern, Interessenvertretungen, Firmen etc.)

In der erarbeiteten Roadmap heißt es auch, dass die Technologie breit diskutiert werden sollte, bevor der Regulator eingreift; Rechtssicherheit sei wichtig, aber der Markt dürfe nicht überreguliert werden, um die Technologie „bereits im Keim zu ersticken“. Auch sollte Blockchain nicht nur als Technologie für (sehr volatile) Kryptowährungen gesehen werden, sondern weitreichendere Anwendungsfälle aufgezeigt werden.

Mittelsmänner ausschalten

Beat Weber von der Österreichischen Nationalbank etwa sieht Blockchain als Möglichkeit, um ganze Organisationen zu reformieren. Vorstellbar ist auch, dass die erwähnten „Mittelsmänner“ ausgeschaltet werden – etwa dann, wenn Käufer und Verkäufer (von Immobilien bis hin zu Musik) Transaktionen direkt abwickeln und ohne Notar, Verwertungsgesellschaft und Co. auskommen.

„Datendemokratie statt Server-Monarchie“ – diesem Motto folgten bereits viele (eher erfolglose) Startups wie Diaspora oder App.net, um freie Alternativen zu Facebook und Twitter zu schaffen. Mit der Blockchain könnten auch solche Ansätze wieder aufleben.

„Globaler Wettlauf um Technologie“

Bei Blockchain Austria wirkt unter anderem der Blockchainhub Graz rund um Thomas Zeinzinger mit. „Global ist ein Wettlauf um die Technologie ausgebrochen. Jetzt können wir noch zu einem relativ frühen Zeitpunkt mitspielen“, sagt Zeinzinger, der außerdem mit dem lab10 collective an dezentralen Technologien und Privacy-Themen arbeitet. Am wichtigsten sei zu Beginn, wenn Startups in einer „Sandbox“ experimentieren könnten, ohne gleich von Behörden ins Kreuzfeuer genommen zu werden. „Wenn wir in Österreich etwas auf die Straße bringen wollen, dann brauchen wir eine gewisse Freiheit“, so Zeinzinger. In anderen Ländern wie Singapur, Schweiz oder Liechtenstein sei man schon weiter.

Dem Verein geht es darum, die Vision einer dezentralen P2P-Ökonomie und -Demokratie in die breite Masse hinauszutragen. Abwarten heißt es allerdings, wie und wann die Technologie reguliert werden wird. Die EU etwa hat eine Beobachtungsstelle eingerichtet, um Expertise in dem Gebiet aufzubauen und gegebenenfalls Regeln zu erlassen.

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