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Bitiago: Welser Krypto-Firma musste nach Raubüberfall Konkurs anmelden

Andreas Eckhart und Amar Sayyed von der Crypto Consulting GmbH. © bitiago
Andreas Eckhart und Amar Sayyed von der Crypto Consulting GmbH. © bitiago

Es muss ein schreckliches Erlebnis für den Mitgründer der Crypto Consulting GmbH gewesen sein. Am 25. Juli diesen Jahres läuteten gegen 21 Uhr in Wels zwei Unbekannte an seiner Bürotür. „Als der 30-Jährige die Tür öffnete, drängten ihn die beiden Täter, die mit Tüchern maskiert und mit Gummiknüppel und einer Pistole bewaffnet waren, zurück“, heißt es im Bericht der Polizei. Unter Vorhalt der Pistole und durch Schläge mit dem Gummiknüppel forderten sie von ihrem Opfer in gebrochenem Deutsch die Herausgabe von Bargeld und Kryptowährungen.

„Das Opfer händigte daraufhin Bargeld an die Angreifer aus. Im Anschluss zwangen die Täter das Opfer zur Überweisung von Kryptowährungen an eine vorgegebene Adresse“, heißt es in dem Polizeibericht weiter. „Nachdem das Opfer diesen Forderungen nachgekommen war, wurde dieses mit Kabel und Klebeband gefesselt im Büro zurückgelassen. Das Opfer wurde durch den Angriff leicht verletzt und erlitt einen Schock.“

„Firma ist nicht mehr handlungsfähig“

Rund drei Wochen nach dem Überfall, zu dem die polizeilichen Ermittlungen noch in alle Richtungen laufen, musste die Crypto Consulting GmbH – auch unter dem Markennamen Bitiago bekannt – wie berichtet Konkurs anmelden. Eine „hohe Geldsumme“ sollen die beiden unbekannten Täter in Form von Bargeld und Kryptowährungen mitgehen haben lassen, bestätigt die Polizei.

„Man kann das Geschäft wegen dem Überfall nicht mehr weiterführen“, sagt Andreas Eckhart, der gemeinsam mit Amar Sayyed die Firma gründete, seit April aber nicht mehr operativ im Unternehmen tätig ist. Eckhart zufolge beläuft sich der Schaden auf einen kleinen sechsstelligen Betrag (weniger als 200.000 Euro). „Deswegen ist die Firma nicht mehr handlungsfähig und wir mussten Insolvenz anmelden“, so Eckhart.

Unter der Marke Bitiago sollten 20 Krypto-Automaten etwa in Einkaufszentren aufgestellt werden, außerdem wollte die Crypto Consulting GmbH eine Krypto-Börse zum Handeln von Bitcoin und Co aufmachen und ins Mining-Geschäft einsteigen. Um schneller bei den Plänen voran zu kommen, hatte die 2018 hatte die Crypto Consulting GmbH eine Crowdfunding-Kampagne bei Conda abgeschlossen und bei 115 Investoren insgesamt 140.000 Euro eingesammelt. Diese Investoren wurden nun kürzlich über die Insolvenz informiert.

Keine Ausschüttungen für Investoren

„Wir können leider nichts dafür. Wir unterstützen die Ermittlungen in alle Richtungen, damit die Gelder zurück kommen und die Investoren ihr Geld zurück bekommen“, sagt Eckhart. „Es gibt die Hoffnung, dass das Bitcoin und das Bargeld wieder gefunden wird.“ Theoretisch ist möglich, die gestohlenen Bitcoins zu identifizieren, wenn versucht wird, sie bei einer Krypto-Börse wieder in den Handel zu bringen. Die österreichische Polizei durchsucht die Blockchain auf der Jagd nach Bitcoin-Erpressern bereits seit Jahren (Trending Topics berichtete).

Die Investoren konnte man aber schon früher nicht zufriedenstellen, sie hatten noch keine Zinsen für ihr Investment (der Mindestzinssatz der Crowd-Kampagne belief sich auf 4,5 Prozent) bekommen. „Wir hatten große Probleme mit Steuerberatern, weil sie es nicht geschafft haben, den Jahresabschluss zu machen. Deswegen konnten wir keine Ausschüttungen machen“, so Eckhart weiter. Eigentlich hätte man die Investoren auszahlen und die Firma zusperren wollen. Doch dann kam alles anders.

Die unbekannten Täter jedenfalls dürften Wind davon bekommen haben, dass es bei der Crypto Consulting GmbH etwas zu holen gibt. Sie konnten neben Bitcoins im Wert laut Eckhart von mehr als hunderttausend Euro auch einiges an Bargeld mitgehen lassen. Die Summe im mittleren fünfstelligen Bereich hätte man unter anderem dafür gebraucht, um die Krypto-Automaten, an denen man Euro gegen Bitcoin tauschen kann, mit den nötigen Banknoten auszustatten. Nun steht die Firma vor dem Aus.

Hotspot Wels

Die oberösterreichische Stadt Wels ist ein Hotspot für Überfälle, bei denen Kryptowährungen gestohlen werden. Erst im Juni ist bekannt geworden, dass vier unbekannte Täter eine Familie zuhause überfielen, den Mann und die Frau fesselten und sie zwangen, den Zugang zu ihrem Krypto-Währungskonto herauszugeben. So konnten sie Kryptowährungen im Wert von ca. 216.000 Euro stehlen (futurezone.at berichtete).

Und im März diesen Jahres wurden fünf Personen mit hohen Haftstrafen belangt. Sie hatten zuvor eine Familie mit Baby in ihrer Welser Wohnung überfallen und dabei unter anderem 132.000 Euro an Kryptowährungen erbeutet. Der mutmaßliche Rädelsführer wurde zu 13 Jahren verurteilt, die anderen Angeklagten zu elf, zehn und vier Jahren sowie einer zu drei Jahren, davon zwei bedingt (futurezone.at berichtete).

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