Blockchain

SegWit2x-Fork: „Angriff auf das Bitcoin-Netzwerk“

Was wartet hinter der nächsten Bitcoin-Gabelung? @CCBY20_Traumteufel666_flickr.com
Was wartet hinter der nächsten Bitcoin-Gabelung? @CCBY20_Traumteufel666_flickr.com

Die digitale Währung Bitcoin ist nicht mehr als ein Code, der Datensätze (also Bitcoins) in definierten Mengen (Blöcke), die in Sequenzen (Blockchain) auf einem globalen Netzwerk aus hunderttausenden Computern gespeichert sind. Damit ist die Währung dezentralisiert. Niemand kann zusätzliche Bitcoins drucken oder ausgeben. Die Menschen, die die Bitcoin-Blockchain auf ihrem Rechner unterstützen, agieren alle nach den selben Regeln. Nur so kann das System aufrecht erhalten werden.

+++Update: SegWit2x wurde abgesagt. Hier der offene Brief von Mike Belshe+++

Die Bitcoin-Revolten

Aber diese Regeln passen bei weitem nicht allen. Seit Bitcoin zu einem globalen Phänomen geworden ist, reicht die Speicherkapazität nicht mehr aus. Aus der ursprünglichen Gruppierung (Core-Team), die sich mit der Programmierung der Bitcoin-Blockchain auseinandersetzt, brechen immer wieder Gruppen heraus, die andere Techniken bevorzugen, um die Geschwindigkeit der Transaktionen zu erhöhen.

In Fachforen diskutierten die Entwickler verschiedene Lösungsansätze. Volumina sollten durch „Segregated Witness“ oder das „Lightning Network“ (Litecoin hat es erfolgreich getestet) auf andere Blockchains verlegt werden. Revolten wie Bitcoin XT, Bitcoin Unlimited und Bitcoin Classic scheiterten an zu geringem Zuspruch der Miner, die die Abspaltungsversuche nicht unterstützten und so die Übernahme des Netzwerks verhinderten.

Die erfolgreichste Ausgliederung fand am 1. August statt, als Bitcoin Cash ins Leben gerufen wurde (Trending Topics berichtete). Mit einer Marktkapitalisierung von über 10 Milliarden Dollar und einer Blockgröße von bis zu 8 MB, die mehr und schnellere Transaktionen zulässt (allerdings die Zustimmung zu SegWit verweigerte), hat sich Bitcoin Cash zu einer Alternative entwickelt.

SegWit2x – Die große Unbekannte

Zwischen 15. und 17. November soll die nächste Revolte über die Bühne gehen. Das SegWit2x-Update, das im Mai beim New Yorker Agreement zwischen den wichtigsten Minern, Wallet-Anbietern und Börsen unter Federführung des Bitcoin-Pioniers Jeff Garzik vereinbart wurde, wird sich auf dem Block 494.784 manifestieren.

Insgesamt haben sich vor fünf Monaten 58 Firmen aus 22 Ländern, Miner, die mehr als 80 Prozent der bislang geschürften Blöcke rschaffen haben, und die Hüter von über 20 Millionen Bitcoin-Wallets zur Übernahme von SegWit2x verpflichtet. Für Anleger bedeutet das: Wieder wird eine neue Spielart des Bitcoin entstehen, wieder steht die Entscheidung an, welche Strömung sich durchsetzt.

Wer wird sich durchsetzen: Das Core-Entwickler-Team, das an der traditionellen, auf 1MB Speicherkapazität limitierten Blockchain festhält? Oder die Mining-Industrie, die sich durch SegWit2x eine Ausweitung ihres Geschäftsmodells verspricht? „Ich selbst stehe nicht hinter der Ideologie von 2x. Das Team hat die Chance verpasst, durch offene Kommunikation in den Foren genug Vertrauen aufzubauen. Generell würde ich aber die Verdopplung der Blockgröße begrüßen. Mich wundert aber, dass die großen Tauschbörsen die Initiative unterstützen“, sagt Max Tertinegg vom Grazer Bitcoin-Broker Coinfinity.

Bitcoin
– Ein Megabyte Blöcke
– Segregated witness

Bitcoin Cash
– Acht Megabyte Blöcke
– Keine segregated witness

SegWit2x/New York Agreement
– Zwei Megabyte Blöcke
– Segregated witness

„Angriff auf das Bitcoin-Netzwerk“

„Das größte Risiko für Bitcoin besteht darin, dass nach dem Fork zwei gleichbewertete Strömungen entstehen, die einen ähnlich starken Support haben“, sagt Johannes Grill von Bitcoin Austria. Die ersten 48 Stunden nach dem Hard Fork seien entscheidend für die Zukunft des Bitcoin. „Ich sehe dem Ganzen entspannt entgegen. Wir haben so viele Hard Forks erlebt, dass sich relativ rasch eine Stoßrichtung herauskristallisieren wird.“

Andere sehen das kritischer. Das Wiener Blockchain-Kollektivs RIAT sieht in der Abspaltung einen Angriff auf das Bitcoin-Netzwerk. „Es ist eine kleine, aber lautstarke Initiative. Operativ ist nur ein Entwickler involviert. Die größten Bedenken habe ich, dass die SegWit2x-Chain keine Replay-Protection hat. Es wird viel Geld verloren gehen.“

Fehlende Replay Protection

Die Replay Protection schützt eine Blockchain – wie der Name sagt –  vor Replay-Attacken. Diese Art von Hacker-Angriff gaukelt vor, dass ein Transaktions-Protokoll erfolgreich abgeschlossen wurde, obwohl durch wiederholte Fehlinformationen die Inhalte der Transaktion (sprich die Bitcoin) das entsprechende Ziel nicht erreichen. Durch den fehlenden Schutz wird Hackern Tür und Tor für Angriffe auf die abgespaltete SegWit2x-Chain geöffnet – mit unbestimmten Ausgang.

Deshalb könnte SegWit2x für Chaos an den Börsen sorgen. Viele Forscher und Beobachter kritisieren den Fork. Es stellt sich die Frage, was “BTC” in Zukunft sein wird. Die großen Börsen Bittrex und Bitfinex wollen die Chain beispielsweise ein bis zwei Tage beobachten und dann entscheiden, ob eine Abspaltung stattgefunden hat. „Dies könnte allerdings auch problematisch sein, da auch bei Bitcoin Cash die Hashrate vor der Umstellung stark angestiegen ist“, heißt es von RIAT. Das Wiener Research Institute for Arts and Technology befasst sich mit den technischen Komponenten der Blockchain. „Es entsteht auch das Problem, dass nach den vielen Forks das Vertrauen in Bitcoin geschwächt wird und der Markt sich weiter in Richtung der Altcoins bewegt.“

Tertinegg sieht es optimistischer: „Das Schöne an Bitcoin ist, dass die User letztlich entscheiden, welche technische Umsetzung sie bevorzugen. Es kann sein, dass wir in den kommenden Monaten noch vier oder fünf solcher Versuche sehen. Letztlich kann sich durch die Forks aber auch herausstellen, dass das originale Bitcoin-Netzwerk doch nicht so einfach zu gefährden ist.“

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