Kommentar

Happy Birthday, Bitcoin!

Sagen wir einfach mal Danke, Bitcoin. © CCBY20_Patrizio Cuscito, flickr.com
Sagen wir einfach mal Danke, Bitcoin. © CCBY20_Patrizio Cuscito, flickr.com

“A purely peer-to-peer version of electronic cash would allow online payments to be sent directly from one party to another without going through a financial institution.”

Mit diesem Satz beginnt das Whitepaper, das heute vor 9 Jahren den Bitcoin ins Leben rief. Unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto wurde ein Dokument veröffentlicht, das uns heute einen neuen Blick auf die Art und Weise, wie wir das Internet und die Ökonomie denken, ermöglicht hat. Das Schreiben ist noch immer auf der selben Seite einsehbar wie am 31. Oktober 2008.

Unzählige Mythen ranken sich um dieses Pseudonym: Im März 2014 behauptete das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek in einer Titelgeschichte, den Kalifornier Dorian Satoshi Nakamoto als wahre Identität Nakamotos ermittelt zu haben. Zwei Jahre später beanspruchte der australische Unternehmer Craig Steven Wright unter der Berufung auf den japanischen Philosophen Tominaga Nakamoto das Whitepaper für sich. Auch Theorien, nachdem die NSA hinter all dem Trara um den Bitcoin stecken würde, blieben bislang im Dunklen.

Die Welt steht still…

Was festzuhalten bleibt, ist, dass die Erfindung des ominösen Pseudonyms neun Jahre nach seiner Entstehung die Regierungen der Welt zum Handeln auffordert und die Fantasie von über drei Millionen Anlegern anregt. In seinen hunderten Spielarten hat der Bitcoin neben seinen direkten Konkurrenten Bitcoin Cash, Gold und SegWit2x, auch Monero, ZCash und Ripple als seine direkten Gegenspieler und Katalysatoren ins Leben gerufen.

Auf der Ethereum-Blockchain werden täglich mehrere Dutzend ICOs gestartet, bei denen Menschen Unternehmen und Organisationen mit kleinen Happen an frischem Kapital ausstatten. Sie vertrauen ihre Ether Leuten an, deren Hände die Gründer nie geschüttelt haben und deren Gesichter sie nie gesehen haben. Fern der Kontrolle der Banken, Finanzämter und Regulierungsbehörden.

Bitcoin hat eine Demokratisierung der Finanzströme in Gang gesetzt, die zumindest für einen kurzen Moment in der Geschichte ein Gefühl aufflammen lässt, als dass doch nicht alles zementiert wäre. Als dass der Gedanke einer demokratischen Währung frei von Zinsen und Politik möglich wäre.

Es wird ihnen gelingen

Es wird anders kommen: Banken sind magisch von den kurzen Transaktionszeiten angezogen, Konzerne jedweder Herkunft suchen nach den passenden Anwendungsfällen, Regierungen hadern, ob sie die Kontrolle über ihr wichtigstes Instrument verlieren und fahnden nach Gesetzen, die ihnen helfen, die fantastischen Gewinne einer dezentralen Technologie unter zentrale Kontrolle zu bringen. IBM, Microsoft, Sony, Cisco, Mastercard, Russland, China, die USA – alle ringen nach einem Weg, die zugrundeliegende Technologie zu ihrem Nutzen zu verwenden. Und es wird ihnen gelingen.

Solange die Blase nicht platzt, ist es keine

Aber heute denken wir an die kleinen Anleger. Denn wir feiern Geburtstag. An den Taxifahrer aus Namibia, der sich die Möglichkeiten ausmalt, was passieren könnte, wenn Amazon Bitcoin akzeptiert und was dann mit den Wallets los ist, die er vor zwei Jahren aus Spaß seinen Kindern zu Weihnachten geschenkt hat. An die Hausfrau aus Phuket, den Gigolo aus Mosambik und die Witwe aus Usbekistan.

All die Leute, die in den Facebook-Gruppen „To the moon“ posten und sich in ihrer Meinung weder von JP Morgan-CEO Jamie Dimon, noch von IWF-Chefin Christine LaGarde beeindrucken lassen. Wie hat sich das Fernsehen entwickelt? Wie das Internet? Wie das Fax-Gerät? Richtig, exponentiell. Solange die Blase nicht platzt, ist es keine.

Der Geist der Macht

Für einen kurzen Moment in der Geschichte scheinen die Möglichkeiten grenzenlos. So wie in den 90ern als das Internet seinen Siegeszug antrat. So wie in den 70ern als die Hippies die Welt im Zeichen des Wassermann sahen und auf LSD die Revolution der Liebe ausriefen. So wie in den 30ern, als spanische Anarchisten den Schergen Francos in Barcelona die Stirn baten. Wie jeder dieser kollektiven Gedanken wird sich auch der Bitcoin dem Geist der Macht beugen müssen. Die Welle brandet und die Realität wird ihre unerbittliche Klinge in die Utopie der unkorrumpierbaren, transparenten und direkten Währung schlagen.

Allerdings wird der zugrundeliegende Gedanke seinen Anker setzen. Die Blockchain wird – unter welchem Namen und in welcher Entwicklungsstufe auch immer – der Weltwirtschaft in den kommenden Jahren ihren Stempel aufdrücken.

6.153,17 Dollar

Deshalb feiern wir diesen Geburtstag in Gedanken an all die Nerds, Misfits und Cyberpunks, die durch den Rausch der letzten Jahre wie aus dem Nichts zu Millionären wurden. All den Kriminellen, die im Darkweb ihren kurzen Triumph hatten, in dem sie ihre Überweisungen vor dem Staat verschleiern konnten. In Gedanken an all die Taxifahrer, Imbissbesitzerinnen und Putzmänner, die weltweit von Lamborghinis und vom Eigenheim träumen. Es begann 2008 mit ein paar Cent. Heute hält der Bitcoin nahe bei seinem Allzeithoch von 6153,17 Dollar.

A multi anni, Bitcoin.

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