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Bitcoin-Investoren wollen CO2-Problem mit grünem Strom lösen

Bitcoin Mining. © Mirko Tobias Schäfer (CC BY 2.0)
Bitcoin Mining. © Mirko Tobias Schäfer (CC BY 2.0)

Irgendwas zwischen 45 und 494 Terrawattstunden Stromverbrauch pro Jahr. Irgendwas zwischen 20 und 70 Prozent Anteil an erneuerbaren Energien. Und Mining-Anlagen, die irgendwo verteilt auf der Welt stehen, die meisten vermutlich irgendwo in den chinesischen Provinzen Xinjiang und Sichuan.

Der Wert von Bitcoin lässt sich bis zur achten Nachkommastelle berechnen (0.00000001 BTC = 1 Satoshi), aber wie viel die Erzeugung der begehrten Kryptowährung nun wirklich an Ressourcen benötigt, das kann heute niemand auch nur annähernd vernünftig schätzen. Selbst Branchenkenner und renommierte Universitäten scheitern an genauen Aussagen dazu, woher der Strom der Miner nun wirklich kommt und wie viel CO2 (oder auch nicht) die Energieproduzenten in die Atmosphäre pusten (mehr dazu hier).

Das CO2-Problem von Bitcoin kann man leider nach Belieben klein oder groß reden

Dass Bitcoin aber für zusätzliche Emissionen sorgt, ist unbestritten. BTC ist heute weder ein Ersatz für Bargeld, Gold, Aktien, das Finanzsystem noch irgend etwas anderes und kommt dementsprechend on top zu allen anderen Produkten, Diensten und Anwendungen dazu. Rund um den Earth Day, den Leaders Summit On Climate und die große Ankündigung von US-Präsident Joe Biden, den Treibhausgas-Ausstoß der USA bis 2030 um 50 Prozent senken zu wollen, sind auch große Bitcoin-Investoren auf den Plan getreten – und präsentierten ihre Vorschläge, wie man das CO2-Problem der Krypto-Industrie mindern könnte.

Die „Bitcoin Clean Energy Initiative“ (BCEI), im Wesentlichen gestützt von den beiden großen Bitcoin-Investoren Square von Jack Dorsey und ARK Invest von Kathie Woods, stellt die Kryptowährung in einem neuen Paper gar als Treiber für erneuerbare Energien dar, und zwar im Wesentlichen für Solar- und Windenergie. Bitcoin-Mining sei unabhängig vom Standort, flexibel beim Energieverbrauch und brauche nur einen Internetanschluss. „Der Bitcoin- und der Energiemarkt konvergieren
und wir glauben, dass die Besitzer von Energieanlagen von heute wahrscheinlich die Miner von morgen sein werden“, heißt es in dem Dokument. Bitcoin böte ihnen die Möglichkeit, den Ausbau von Solaranlagen zu finanzieren.

Problemgebiet Xinjiang

Was Square (hinter MicroStrategy und Tesla das Unternehmen mit den größten Bitcoin-Beständen weltweit) in dem Report nicht hineinschreibt: Bitcoin verursacht heute, glaubt man den Berechnungen von Digiconomist-Blogger Alex de Vries, pro Jahr so viel CO2 wie ganz Bulgarien. Die große Unbekannte, die die Berechnungen erschweren, ist derzeit China. Dort findet Provinzen Xinjiang und Sichuan das Gros des Bitcoin-Mining statt, und diese sind nicht eben für grüne Energie, sondern vielmehr für ihre Kohlekraftwerke bekannt, die sogar noch ausgebaut statt zurückgefahren werden.

Wie sich kürzlich zeigte, ist das Bitcoin-Netzwerk durchaus auf das Funktionieren der Mining-Anlagen in Xinjiang angewiesen. Kraftwerkabschaltungen wegen Sicherheitsinspektionen ließen Hashrate und anschließend den Bitcoin-Kurs einbrechen – und nährten jene Befürchtungen, dass Bitcoin zu stark an China und dessen Energiewesen und -politik hängt. Der Anteil an der Hashrate von Ländern sieht so aus:

© University of Cambridge
© University of Cambridge
© University of Cambridge

Bitcoin-Absturz nährt Bedenken an Dezentralisierung des Netzwerks

Weg von Proof of Work?

Der Vorstoß von Square und ARK Invest wurde auf Twitter auch gleich von Elon Musk, dessen Tesla bekanntermaßen gleichermaßen auf Energiewende als auch Bitcoin setzt, begrüßt. Andere Bitcoin-Investoren sprechen das CO2-Problem von Bitcoin direkter an: „Also gut, ich sage es jetzt einfach mal ganz offen. Bitcoin-Mining ist schlecht für die Umwelt“, so Mati Greenspan, CEO und Gründer von QuantumEconomics. „Die Vorteile einer freien und fairen Währung überwiegen meiner Meinung nach die Umweltauswirkungen.“

Chris Larsen, Mitgründer von Ripple (derzeit im Milliardenrechtsstreit mit der SEC), spricht das CO2-Problem von Bitcoin und anderen Proof-of-Work-Netzwerken direkt an. „Während viele neuere Kryptowährungen bereits wenig Energie verbrauchen oder sogar kohlenstoffneutral sind, verwenden frühe Protokolle wie Bitcoin eine Kerntechnologie namens Proof-of-Work (PoW), um Transaktionen zu validieren, was nicht nur eine riesige und wachsende Quelle von CO2-Emissionen ist, sondern auch massive Mengen an Energie verbraucht, sowohl aus fossilen Brennstoffen als auch aus „grünen“ Quellen“, schreibt Larsen.

Larsen plädiert dafür, von Proof-of-Work hin zu Proof-of-Stake zu wechseln – jener Prozess, den Ethereum bereits wie berichtet eingeleitet hat. Auch PoS-Netzwerke wie Cardano oder Polkadot schreiben sich auf die Fahnen, dass man sparsamer mit Energie umgehen würde – und sich auch deswegen beliebt bei immer mehr Investoren. „PoW’s Beziehung zwischen Preis und Energieverbrauch wirft ein Dilemma für Unternehmen auf, die in PoW-Krypto investieren und gleichzeitig den Klimawandel bekämpfen wollen. Im Gegensatz zu Investitionen in Exxon oder Aramco, die sich nicht direkt auf ihre Emissionen auswirken, erhöht die Investition in PoW-Kryptowährungen direkt den Energieverbrauch (vorausgesetzt, der Preis steigt mit der Investition)“, so Larsen. Als Beispiel führt er die Investition von Tesla in Bitcoin an, die zu einem Preisanstieg von über 5.000 Dollar pro Bitcoin führte.

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Staaten und Konsumenten ebenfalls in der Pflicht

Man sieht also am Markt, dass große Investoren und Persönlichkeiten der Krypto-Industrie das CO2-Problem von Bitcoin anerkennen und nach Lösungen suchen. Optimal wäre da natürlich, wenn BTC zu einem schnelleren Umstieg auf erneuerbare Energien beiträgt. „Bitcoin zählt sicher zu den effizientesten Infrastrukturprojekten der Menschheit und ist eine äußerst nützliche Technologie. Mittelfristig wird Bitcoin sogar den Ausbau CO2-neutraler Energiegewinnung vorantreiben, da die „Gestehungskosten“ von CO2-neutraler Elektrizität mittlerweile unter denen von Kohle liegen und weiter sinken. Miner sind örtlich höchst flexibel, können solche Projekte rascher wirtschaftlich machen und den Strom direkt am Ort der Erzeugung nutzen“, sagt Johannes Grill, Präsident des Vereins Bitcoin Austria. „Das Problem der CO2-Emissionen würde sich schneller lösen lassen, wenn die Staaten die Milliarden-Subventionen für Kohleverstromung und -Abbau einstellen würden. Selbst in der EU wird Kohlestrom noch bis 2025 mit Steuergeld künstlich billig gemacht.“

Und bis das passiert, können Bitcoin-Investoren auch ein paar einfache Dinge tun, um Strom zu sparen. Grill: „Der globale Stromverbrauch von Wäschetrocknern dürfte über dem von Bitcoin-Mining liegen. Die eigene Wäsche zum Trocknen einfach aufzuhängen wäre ein wirkungsvoller Beitrag, wenn man Energie „sparen“ möchte.“

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