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Bitcoin-Absturz nährt Bedenken an Dezentralisierung des Netzwerks

GPU-Mining-Rigs von HydroMiner. © Jakob Steinschaden

Als am Wochenende der Krypto-Markt, angefangen oben bei Bitcoin, um mehr als zehn Prozent eingebrochen ist, sind die Spezialisten schnell au Ursachensuche gegangen. Zuerst wurden Marktgerüchte rund um geplante strengere Geldwäscheregeln in den USA ins Feld geführt, dann wendeten sich die Blicke nach China. Denn dort, so berichten lokale Beobachter, soll die Abschaltung von Kohlekraftwerken dafür gesorgt haben, dass das Bitcoin-Netzwerk kurzfristig in die Knie ging.

Dazu muss man wissen: Wo genau die Mining-Anlagen stehen, die für das Berechnen der Transaktionen zuständig sind, weiß niemand mit 100-prozentiger Genauigkeit. Allerdings gibt es Berechnungen und Schätzungen, dass sehr viele von ihnen in der westlichen chinesischen Provinz Xinjiang stehen, die vor allem für die Unterdrückung der ethnischen Minderheit der turksprachigen Uiguren in den letzten Jahren in die Medien gekommen ist. In Xinjiang gibt es aber auch günstigen Strom aus Kohlekraftwerken, der das Bitcoin-Mining besonders lukrativ macht.

Roter Sonntag: Harte Preiskorrektur bei Bitcoin und Co.

Problemgebiet Xinjiang

Dem bekannten chinesischen Krypto-Marktanalysten Willy Woo zufolge soll die Hashrate von einigen der größten Mining-Pools der Welt kurzfristig um bis zu 30 Prozent eingebrochen sein. „Der Grund ist, dass im Nordwesten Chinas ein kompletter Blackout für Sicherheitsinspektionen herrscht“, so Woo. Sicherheitsinspektionen nach dramatischen Überflutungen in der Provinz sollen es notwendig gemacht haben, die Kraftwerke kurzfristig abzuschalten – was dann auch den Strom für die Mining-Anlagen gekappt haben soll.

Auch andere Beobachter stützen Woos These, darunter auch Dovey Wan von PrimitiveCrypto oder Charles Edwards von Capriole Investments. Weil die Hashrate (sie gibt Auskunft über die Geschwindigkeit, wie schnell neue Blöcke gerechnet werden) bei AntPool, BTC.com, Poolin oder Binance Pool sehr plötzlich stark gefallen ist, ist die Blockchain vorübergehend beeinträchtigt worden – was wiederum offenbar zur Folge hatte, dass der Marktpreis von Bitcoin zeitweise um mehr als 10.000 Euro je Coin eingebrochen ist. Die Folge: Panikverkäufe auch am Altcoin-Markt. Nur Dogecoin, gerade Gegenstand eines massiven Pumps, schwamm weiter gegen den Strom.

Angst vor dem „Chinacoin“

Was festzuhalten ist: Das Bitcoin-Netzwerk ist am Wochenende nicht ausgefallen, auch wenn große Mining-Pools kurz teilweise stark verlangsamt wurden. Das aber hat die Frage in Social Networks, Online-Foren und Chat-Gruppen aufgeworfen, wie dezentralisiert Bitcoin wirklich ist. Manche nennen BTC hämisch „Chinacoin“. Denn tatsächlich ist sehr viel Mining-Power in China zentralisiert, wie etwa Daten der renommierten Universität Cambridge und dessen „Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index“ (CBECI) zeigen.

So kann man 65 Prozent der Hashrate Mining-Pools in China zurechnen, und dort wiederum 36 Prozent der Hashrate der Provinz Xinjiang. Vorkommnisse in dieser Gegend der Welt können also durchaus Konsequenzen auf die globale Bitcoin-Nutzung und -Bepreisung haben.

© University of Cambridge

 

© University of Cambridge
© University of Cambridge

„Auch wenn ich Pro-Krypto, Pro-Bitcoin-Maximalist bin, frage ich mich, ob man Bitcoin an diesem Punkt nicht auch teilweise als chinesische Finanzwaffe gegen die USA betrachten sollte“, sagte Starinvestor Peter Thiel, der mit dem Founders Fund, Mithril Capital oder Valar Ventures mehrere Investment-Vehikel für Tech- und Startup-Investments betreibt, kürzlich über Bitcoin und den Einfluss Chinas. „Es (Bitcoin, Anm.) bedroht Fiatwährungen, aber es bedroht vor allem den US-Dollar.“

Das CO2-Problem von Bitcoin kann man leider nach Belieben klein oder groß reden

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