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Bird & Lime: Droht wegen E-Scooter-Sharing Chaos auf Wiens Straßen?

Bird- und Lime-Roller auf der Wiener Mariahilferstraße. © Jakob Steinschaden
Bird- und Lime-Roller auf der Wiener Mariahilferstraße. © Jakob Steinschaden

Die einen finden sie praktisch, um schnell von A nach B düsen zu können, die anderen ärgern sich über sie: Die neuen E-Scooter von den US-Startups Bird und Lime (Trending Topics berichtete). Man kann sie per App ausborgen, zahlt eine kleine Gebühr dafür und stellt sie dann wieder laut den Regeln wieder dort ab, wo man auch ein Fahrrad abstellen darf.

Das schmeckt nicht jedem. Wie heute.at berichtet, befürchtet Markus Figl (ÖVP), Bezirksvorsteher der Inneren Stadt a.k.a. 1. Bezirk, „Chaos“. „Wir erhalten Beschwerden über zu viele, störend abgestellte oder weggeworfene Leih-Roller dieser neuen Anbieter“, wird Figl zitiert. Der Bezirksvorstehung des 1. Bezirks zufolge sind es dutzende Beschwerden, die auch mit Fotos zur Dokumentation eintrudeln. Der Wiener Stadtverwaltung zufolge gebe es Beschwerden im einstelligen Bereich.

Die Stadtverwaltung hat allerdings ohnehin Strafen für falsch abgestellte E-Scooter vorgesehen. Werden “verkehrsbehindernd” abgestellte Scooter an Werktagen nicht innerhalb von vier Stunden und am Wochenende innerhalb von zwölf Stunden abgeholt, fällt eine Strafe von bis zu 700 Euro für die Betreiber an. Außerdem hat die Stadt Wien die E-Scooter den gleichen, neuen Regeln wie Leihfahrrädern unterworfen. Anbieter dürfen in ihrer Flotte maximal 1.500 Stück haben. Die Stadtverwaltung bekommt zudem Zugriff auf die aktuellen Standorte der E-Scooter.

Kritiker befürchten, dass es bei den E-Scootern von Lime und Bird zu ähnlichen Problemen kommen könnte wie bei den Sharing-Bikes von oBike und Ofo aus China. In den vergangenen zwei Monaten musste die MA 48 rund 1.000 herrenlose Fahrräder von den Straßen räumen, nachdem beide Firmen den Standort Wien kurzerhand aufgaben (Trending Topics berichtete). Mit den neuen strengeren Regeln will die Stadt Wien solchen Entwicklungen vorbeugen.

Stadt mit Rollern überschwemmen ist „keine Lösung“

Auch der Betreiber Bird selbst nimmt Abstand davon, die Stadt mit Rollern überfluten zu wollen. „Wir sind bewusst mit 100 Scootern gestartet, und werden die Flotte nur dann erweitern, wenn jeder Scooter mindestens drei Mal pro Tag gebucht wurde“, sagt Christian Geßner, General Manager von Bird in Wien, zu Trending Topics. „Mit diesem sanften Einstieg testen wir, wie sich die Scooter in das Gesamt-Mobilitätsgefüge der Stadt Wien einfügen und wie das Service von den Wienerinnen und Wienern genutzt wird. Unsere Erfahrungen in anderen Städten zeigen, es kann niemals die Lösung sein, die Stadt von einem auf den anderen Tag mit Rollern zu überschwemmen. Dabei verlieren alle.“

Bird würde über die App die Nutzer schulen, wie die Scooter abzustellen sind. Außerdem arbeite man mit so genannten Bird-Watchern zusammen. Diese würden darauf achten, dass es nicht zu falsch geparkten Birds kommt.

Bird und Lime im Vergleich

Lime Bird
Reichweite bei vollem Akku 50 km 20 km
Max. Geschwindigkeit 24 km/h 24 km/h
Mindestalter 16 18
Betriebsgebiet Bezirke 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 9 Bezirke 1, 4, 5, 6, 7, 8 und 9
Kosten 1 Euro pro Fahrt + 0,15 Euro pro Minute 1 Euro pro Fahrt + 0,15 Euro pro Minute
Marken der Roller Segway Xiaomi
Verfügbarkeit 7:00 bis 21:00 Uhr 7:00 bis 21:00 Uhr
Scooter-Zahl in Wien 300 100
Verdienst fürs Einsammeln und Aufladen pro Roller für “Charger” durchschnittlich 8 Euro 6 bis 9 Euro
Investoren Google Ventures, Andreessen Horowitz, Fifth Wall u.a. Sequoia Capital, Index Ventures, Craft Ventures u.a.
Gründungsjahr 2017 2017
Gründer Adam Zhang, Brad Bao, Toby Sun Travis VanderZanden
Herkunft der Firma San Mateo, CA Santa Monica, CA

Interessant ist übrigens, dass Bird (Xiaomi) und Lime (Segway) eigentlich mit Rollern des selben Herstellers fahren. Denn die chinesische Firma Ninebot hat Segway aus den USA vor einigen Jahren aufgekauft, und Ninebot hat wiederum Investment von Xiaomi erhalten.

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