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Bird kauft Circ und leitet Konsolidierung des E-Scooter-Business ein

Bird in Berlin. © Bird
Bird in Berlin. © Bird

E-Scooter-Startups sind das schnelllebigste Startup-Geschäft, das man sich nur vorstellen kann. Bird aus Kalifornien, vor drei Jahren von Travis VanderZanden gegründet, hat in einem Millionen-Deal seinen europäischen Mitbewerber Circ, das erst 2018 startete, übernommen. Dass sich einer der US-Marktführer einen europäischen Dienst (in den Augen vieler als Copycats der US-Vorbilder aufgebaut) schnappt, war bisher schon offensichtlich. Von einer Konsolidierung des Marktes war schon länger die Rede (Trending Topics berichtete).

Circ wurde vom Seriengründer und -investor Lukasz Gadowski (u.a. Spreadshirt, StudiVZ, Delivery Hero) gegründet und ist derzeit in 43 Städten in 12 Ländern aktiv, unter anderem auch in Wien. Die Übernahme dürfte ordentlich Geld gekostet haben – so hat Bird noch einmal 75 Millionen Dollar von seinen Investoren (u.a. CDPQ und Sequoia Capital) zugeschossen bekommen, um seine vor drei Monaten begonnene Series D auf insgesamt 350 Millionen Dollar zu erhöhen. Für Bird ist es nach dem Kauf von Scoot aus den USA die zweite Übernahme.

„Finanzielle Aspekte des Kaufs kommunizieren wir nicht. Mit dem Kauf beginnt nun eine Übergangsphase und wir klären noch einige Details. Grundsätzlich ist unser Ziel, den Betrieb über beide Organisationen zu optimieren. Für eine absehbare Zeit bleiben jedenfalls beide Apps aktiv“, so ein Sprecher von Bird zu Trending Topics. Die Zusammenlegung der beiden Dienste (wohl unter der größeren Marke Bird) dürfte aber das Ziel sein.

„Weg Richtung Profitabilität“

Interessant dabei ist, dass in der E-Scooter-Branche mittlerweile viel die Rede von Profitabilität ist. So auch VanderZanden: „Investoren wünschen sich finanziell disziplinierte Unternehmen mit einem klaren Weg Richtung Profitabilität“, so der CEO von Bird. „Vor mehr als 12 Monaten haben wir unseren Fokus von Wachstum auf Profitabilität verlagert, was uns inzwischen zum weltweit wirtschaftlichsten Mikromobilitätsunternehmen mit den langlebigsten, maßgeschneiderten Fahrzeugen gemacht hat.“

Entscheidend sind für die E-Scooter-Anbieter die berühmten Unit Economics – wie lange hält ein Roller und wie viele Fahrten können in dieser Zeit absolviert werden? Während viele Investoren meinen, dass sich die Elektroroller zu fahrenden Gelddruckmaschinen entwickeln werden, meinen Kritiker, dass das E-Scooter-Geschäft ein Millionengrab und unnötiger Hype ist.

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Europäischer Marktführer?

Mit Circ will sich Bird nun jedenfalls den „europäischen Marktführer“ geschnappt haben. Woran die Marktführerschaft gemessen wird, ist fraglich. Zum Vergleich: Circ ist in 43 Städten verfügbar, sein Berliner Konkurrent Tier eigenen Angaben zufolge aber mittlerweile in rund 50 Städten (Trending Topics berichtete). Während Circ etwa 55 Millionen Dollar Risikokapital holte, hat Tier bis dato insgesamt mehr als 90 Mio. Dollar geholt, Voi aus Schweden sogar mehr als 160 Millionen Dollar. Insofern war Circ wohl noch verhältnismäßig günstig zu bekommen. Auch gut möglich, dass Circ mehr bzw. effizienter Nutzer sammeln konnte.

Im Zuge des Deals werden nun die rund 300 Mitarbeiter von Circ in das Team von Bird integriert. Dass nur mit Cash gezahlt wurde, ist wenig wahrscheinlich, da es auch heißt: „Durch den Zusammenschluss gehören nun auch Target Global, Team Europe, Idinvest Partners und Signals Venture Capital zu den bestehenden Investoren in Bird.“ So wurden die Circ-Shareholder demnach auch mit Bird-Anteilen bezahlt. Bird plant darüber hinaus, noch mehr Risikokapital aufzunehmen, um weiter wachsen zu können.

Spannend wird nun, welchen nächsten Move Birds Hauptkonkurrent Lime macht. Gut möglich, dass sich das Unternehmen, in das auch Google-Mutter Alphabet oder Andreessen Horowitz investierten, nun Tier Mobility oder Voi schnappt. Und: Zu beobachten bleibt auch, welche Sparmaßnahmen auf dem viel beschworenen Weg zur Profitabilität durchgeführt werden. Bei Bird, Lime und Circ kam es zuletzt zu Kündigungen. Lime zog sich außerdem aus 12 Städten, darunter Linz, zurück.

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