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Big Bang? Apple glaubt, dass die TV-Zukunft Apps sind, doch lineares Fernsehen ist noch ziemlich stark

Big Bang? Apple TV will das Fernsehen revolutionieren. © Apple
Big Bang? Apple TV will das Fernsehen revolutionieren. © Apple

Die Zukunft des TVs sind Apps“, hat Apple-Chef Tim Cook vergangene Woche von der Bühne in San Francisco posaunt. Aus seiner Sicht ist klar: Mit dem baldigen Marktstart des neuen Apple TV hält ein App Store auf das Gerät Einzug, für dass Entwickler neue Software erfinden sollen. Basierend auf einem neuen Betriebssystem namens tvOS ist es Developern nun möglich, ihre Apps für Apple TV zu optimieren. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt: Neben den logischen Kandidaten Netflix, Hulu, HBO Now oder iTunes gibt es zum Start neben Games auch Apps von Airbnb oder Gilt. So soll man am Flat-TV seinen nächsten Urlaub buchen oder Kleidung shoppen können.

Wichtigstes Einsatzgebiet von Apple TV und seinen Konkurrenten (z.B. Fire TV von Amazon oder Nexus Player von Google) werden aber die bewegten Bilder bleiben. In den USA werden Menschen, die auf Kabel-TV verzichten und Serien und Filme ausschließlich nur mehr via Internet beziehen, bereits „Cord Cutters“ genannt.

Apps überholt TV-Nutzung – in den USA

Einer Studie der Yahoo-Tochter Flurry zufolge hat in den USA im zweiten Quartal 2015 ein interessanter Wechsel stattgefunden: In dem Quartal wurden erstmals mehr Minuten mit Apps auf Smartphones und Tablets verbracht als vor dem TV-Bildschirm. Das bedeutet natürlich nicht, dass US-Nutzer in Apps nur Videos sehen, und die TV-Nutzungszeiten sind deswegen nicht gesunken. Für Anbieter von TV-Apps ist aber eines interessant: Laut Flurry wurde 2015 erstmals mehr Geld für Apps ausgegeben als für Mobile-Werbung (33 vs. 31 Milliarde US-Dollar), und zwar nicht mehr nur für Games, sondern eben auch für Anbieter wie Netflix, Hulu, HBO Now, Spotify und Pandora. Apple als App-Store-Betreiber ist dabei teilweise in der schönen Position, 30 Prozent der Monatsgebühren als Provision einzustreichen.

Flurry_StudieDoch das Streaming-Dienste bald das reguläre TV ablösen, das glaubt nicht einmal der Netflix-Chef Reed Hastings. „Ja, klar habe ich noch Kabel-TV, damit ich mir so Dinge wie die Weltmeisterschaft, die Emmys oder die Oscars ansehen kann“, sagte er beim Österreich-Start von Netflix. „Wir sind sehr klar ein komplementärer Dienst. In den USA sind wir in 35 Millionen Haushalten, aber der Markt für Satelliten- und Kabel-TV ist stabil bei etwa 100 Millionen Haushalten geblieben.“

TV ist noch immer Medien-König

Zu glauben, dass Netflix & Co. dem klassischen TV bald den Rang ablaufen werden, wäre aber verkehrt. Schon allein, wenn es um Live-Übertragungen geht (z.B. Sport oder aktuelle Ereignisse), sind Fernsehsender natürlich ungeschlagen und bannen Millionen vor die Bildschirme. Netflix steht gerade im deutschsprachigen Raum vor der Herausforderung, genug lokalen Content zu bieten, um die Massen zu begeistern. „Jetzt ist aber Netflix als globaler Marktführer an der Reihe, in Österreich relevanten Content anzubieten“, sagte T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth kürzlich in einem Interview mit TrendingTopics.at.

In Deutschland und Österreich ist das TV weiter das dominierende Medium, dem die meisten Minuten pro Tag Aufmerksamkeit geschenkt wird – statt einer Delle sieht man, dass die TV-Nutzungszeit in Österreich noch nie so hoch war wie 2014 (im Schnitt 172 Minuten pro Tag pro Person). In Deutschland hält sich der Wert ebenfalls stabil hoch. Bildschirmfoto 2015-09-15 um 12.49.29

Die TV-Anstalten wissen aber auch, dass sie auf Internet-TV mit seinen Vorzügen (On Demand, auf allen Geräten, ortsunabhängig) reagieren müssen, um bei jungen Konsumenten relevant zu bleiben. Von der BBC über ARD und ZDF bis zum ORF finden sich überall Bestrebungen, immer mehr Inhalte via Internet zugänglich zu machen. Und da könnte Tim Cook letztendlich recht behalten – denn über kurz oder lang werden sich die Apps der europäischen TV-Sender auch am Apple TV finden.

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