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bank99: „Positionieren uns nicht direkt gegen N26 und Revolut“

Florian Dangl, Vorstand der bank99. © bank99
Florian Dangl, Vorstand der bank99. © bank99

100.000 Kunden zu den mittlerweile fast 90.000 dazu: Durch die Übernahme des Privatkundengeschäfts der Direktbank ING wird sich die Post-Tochter bank99 (vorbehaltlich der Zustimmung der Regulierungsbehörden) bei den Nutzern fast verdoppeln. Bei der Übernahme geht es aber nicht nur um Kunden, sondern auch um Tech, Personal – und um die schnellere Einführung neuer Produkte.

„Produkte und Services, die wir ohnedies auf der Roadmap hatten, werden wir den Kunden nun früher anbieten können“, sagt bank99-Vorstand Florian Dangl im aktuellen Interview mit Trending Topics. Geplant ist nun, dass neben einer Lebensversicherung und der Konsumfinanzierung bis Ende des Jahres auch Veranlagung in ETFs möglich sein werden – und zwar entweder direkt über die App oder auch über ein Beratungsgespräch in den Post-Filialen.

Veranlagungen waren immer am Plan

Die ING, die sich ja wie berichtet im Privatkundengeschäft aus Österreich zurückzieht, hat diesbezüglich bereits ein seit längerem ein entsprechendes Angebot und lässt seine Kunden in Fonds-Ansparpläne investieren – etwa von Fidelity, BlockRock oder Amundi (siehe hier). „Wir haben immer schon vorgehabt, Veranlagungen in Form von Fonds-Sparplänen anzubieten. Die ING hat eine entsprechende Trading-Plattform, und dieses Angebot werden wir weiter ausbauen, und nicht nur im digitalen Kanal anbieten, sondern auch über die Betreuer in den Filialen“, so Dangl.

Mit der Verbreiterung des Angebots um Kredite und Veranlagungen wird bank99 wohl auch für eine breitere Nutzerschaft interessant, die mehr als bloß ein günstiges Girokonto suchen. Die Post-Tochter wird damit aber zu einem Mitbewerber für Neobanken und Neobroker, die angesichts der Negativzinsen sehr stark auf Investing-Angebote als Alternative zum Sparbuch setzen. Trade Republic, Bitpanda oder Revolut bieten ETF-Sparpläne bereits an, auch N26 könnte in das Geschäft einsteigen.

„Nicht direkt gegen N26 und Revolut positioniert“

„Das reine Thema der Digitalbanken oder Neobanken ist in Wahrheit nicht unser Spielfeld. Wir wollen ja ganz bewusst das Beste aus beiden Welten anbieten, ein Filial- und Betreuernetzwerks, aber auch die Vorteile der Technologie“, sagt Dangl. „Wir würden uns nicht direkt gegen N26 oder Revolut positionieren.“ Eher sind die traditionellen Banken und deren Kunden der Zielmarkt.

Auch soll ein Wohnbaukredit dazukommen, der digital abschlussfähig ist. Was ebenfals auf der Roadmap zu stehen scheint, ist ein Trend, der derzeit im Fintech-Sektor niemanden mehr kalt lässt: „Buy Now Pay Later“ (BNPL), also schnelle Konsumkredite, die direkt ins Online-Shopping-Erlebnis eingebettet werden. Klarna ist der Vorreiter in Europa, Affirm in den USA, sogar Apple soll an einem solchen Angebot, das an Apple Pay angedockt wird, arbeiten (Trending Topics berichtete).

Buy Now Pay Later im Zusammenspiel mit Shöpping

BNPL sei zwar „nicht in einem ersten Schritt“ ein Ziel, so Dangl, aber Fantasie gibt es in dem Bereich natürlich. „Solche Produkte im Ökosystem von E-Commerce zu integrieren wäre ein naheliegender Schritt. Wie Sie wissen, hat die Post mit Shöpping eine entsprechende Plattform, wo es naheliegend wäre, in einem zweiten Schritt, wenn wir die Integration der ING hinter uns gebracht haben, diese Produkte ins Spiel zu bringen.“ Eine Art „Post Pay Later by Shöpping“, warum nicht?

Zuerst gelte es aber, die Konsumfinanzierung so zu gestalten, dass man „relativ einfach aus der Banking-App einen Kredit beantragen“ könne, so Dangl weiter. Das solle Kunden „kurzfristige Liquidität für Sommerurlaub, Investitionen oder Konsumgüter“ bringen. Bei neuen Services sieht Dangl auch die Möglichkeit, Kooperationen mit Fntechs einzugehen. „Wir stellen uns bei jedem Produkt die Frage, ob es da draußen im Ökosystem gibt, der den Kunden-Need bereits gut bedient.“ Man führe immer wieder Gespräche mit Fintechs auch im Ausland. Nun bleibt aber erst abzuwarten, dass die Behörden dem ING-Kauf zustimmen und dann die Zusammenführung der Services klappt.

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