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Gastbeitrag

Markus Raunig: „Entrepreneurship soll den gleichen Stellenwert bekommen wie Skifahren“

Markus Raunig, Geschäftsführer von AustrianStartups. © AustrianStartups
Markus Raunig, Geschäftsführer von AustrianStartups. © AustrianStartups

Markus Raunig ist 27 Jahre alt und ein ziemlich echter Wiener. Markus hat einen Master-Abschluss von der WU (MSc in Strategy, Innovation & Management Control) und ist neben seinem Job bei AustrianStartups auch Gründer und Präsident von einem Fußballverein. Vor AustrianStartups hat er am eigenen Startup-Projekt gearbeitet (sponsor.bar – ein Marktplatz für intelligentes Sponsoring) und am Aufbau der Entrepreneurship Avenue hat er auch intensiv mitgearbeitet. Abseits vom Thema Entrepreneurship ist Markus ein begeisterter Hobbysportler (besonders Fußball, Eishockey, Tennis & Snowboarden).

AustrianStartups ist die Non-Profit-Plattform der österreichischen Startup-Community. Als Geschäftsführer leitet er ein Team von rund 50 Personen in ganz Österreich, die allesamt überzeugt sind, dass Entrepreneurship ein zentraler Faktor für positiven Wandel ist.

Was treibt dich im Leben an?

Puh. Spannendes Thema. Da spielt denk ich vieles zusammen. Einerseits habe ich gelernt, dass ich zum echten Glück immer ein Projekt brauche, bei dem ich nachhaltig was aufbauen und viel bewegen kann. Wenn ich diese langfristige Vision nicht habe, dann hänge ich schnell in der Luft und hab das Gefühl, dass was fehlt. Anderseits gibt´s da auch die großen und kleinen Momente im Leben, die einem laufend Kraft geben: Abenteuer-Roadtrips mit meiner Freundin, Lachkrämpfe mit den besten Freunden, Powder-Ausflüge mit dem Snowboard, Weihnachten mit der Familie, Team Buildings bei AustrianStartups, und viele, viele mehr.

Wann hast du die Leidenschaft für Entrepreneurship entdeckt?

Das ist eher eine ungewöhnliche Geschichte. Ich war schon als Kind immer ein großer Fußballfan, habe aber nie in einem Verein gespielt – zuerst haben es mir meine Eltern nicht erlaubt und dann fand ich den klassischen Umgang in Wiener Fußballvereinen selbst eher abstoßend. Irgendwann habe ich dann gemeinsam mit meinem besten Freund beschlossen, dass wir einfach selbst einen gründen. Mittlerweile haben wir rund 100 großartige Mitglieder, die in sechs verschiedenen Teams mit einer gesunden Mischung an Spaß und Ehrgeiz um Meistertitel kämpfen. Diese Entwicklung hat mir so viel Spaß gemacht, dass mir klar wurde – ich will auch im beruflichen Umfeld etwas von Grund auf aufbauen.

Was fasziniert dich am Unternehmertum?

Am Ende ist es eine grundwegs positive Herangehensweise an den Alltag. Die Geschichte mit dem Fußballverein war damals für mich eine Erleuchtung. Anstatt ständig über den Umgang in Fußballvereinen zu jammern, hätte ich auch ein paar Freunde fragen können, ob sie vielleicht ähnliche Probleme haben – und es hätte sich gezeigt, dass viele dankbar wären, wenn es einen Fußballverein gäbe, bei dem freundschaftliche Atmosphäre im Vordergrund steht. Meine eigene Erfahrung hat mir also gezeigt, dass das einzige was den Unternehmer vom Raunzer trennt, die Überzeugung ist, dass man selbst etwas am Status Quo ändern kann. Bei AustrianStartups setzen wir uns dafür ein, dass mehr Menschen in Österreich diese Überzeugung erlangen. Als Raunzerland Nr. 1 hätten wir ja einiges an Potenzial. ;)

Hat es einen bestimmten Auslöser für dieses Engagement bei und für AustrianStartups gegeben?

Das war damals eine ziemlich schwere Entscheidung für mich. Ich war gerade mitten in meinem eigenen Startup-Projekt und hatte definitiv nicht vor, nach 9 Monaten harter Arbeit das Handtuch zu werfen, als es gerade spannend wurde. Am Ende hatte ich aber bei AustrianStartups noch mal mehr das Gefühl, dass ich mit meinen bisherigen Erfahrungen wirklich helfen und was bewegen kann.

Was sind deine Ziele mit AustrianStartups?

Kurz und knackig: Entrepreneurship soll in Österreich den gleichen Stellenwert bekommen wie Skifahren. Das fängt beim Schulskikurs an und reicht bis zum wöchentlichen Mitfiebern mit Marcel Hirscher. Und ja, ich weiß, das ist ambitioniert. Und das ist gut so.

Was können sich junge, frische Startups von AustrianStartups erwarten?

Inspiration und Information durch unsere Social Media Kanäle, Newsletter und Website. Vernetzung & Austausch durch Events wie den Stammtisch & unsere Office Hours. Engagement für ein Startup-freundlicheres Österreich durch unsere Arbeit als Think Tank.

Wieviel Leidenschaft brauchen GründerInnen von Startups?

Ich bin überzeugt, dass Leidenschaft am Ende der wichtigste Faktor für den Erfolg von Gründern ist. Ein Startup ist immer eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Wenn Gründer glauben, sie können mit Startups das schnelle Geld machen, dann haben sie normalerweise nicht die notwendige Ausdauer um die Tiefen einer solchen Achterbahnfahrt zu durchtauchen. Dazu braucht es echte Leidenschaft für ein Problem und Überzeugung, dass das Startup hier die Lösung sein kann.

Welchen Stellenwert nimmt das Themenfeld Entrepreneurship bei dir persönlich ein?

Ich wäre nicht bei AustrianStartups, wenn ich nicht selbst erlebt hätte, wie unternehmerische Erfahrungen den Horizont erweitern und die eigene Persönlichkeit nachhaltig positiv verändern. Ob beim Fußballverein, der Entrepreneurship Avenue oder bei sponsor.bar – ich durfte jedes Mal viele Fehler machen, unglaublich viel lernen und mit den Herausforderungen wachsen.

Was treibt dich an, immer wieder neue Projekte zu starten?

Zumeist ein konkretes Problem, das mich nervt und eine Vision, wie man es lösen könnte.

Ganz allgemein, ist Österreich ein Startup-freundliches Land?

Es gibt viel Licht und Schatten. Wer die Leidenschaft aufbringt, ein Startup zu gründen, wird sich von den Schattenseiten nicht aufhalten lassen. Aber besonders wenns um internationale Wettbewerbsfähigkeit geht, gibts noch einiges an Verbesserungspotenzial.

Was braucht es an Unterstützung für vielfältiges Unternehmertum?

Ein komplettes Umdenken im Bildungsbereich wäre zum Beispiel dringend notwendig. Wenn wir wollen, dass unsere Kinder auch in Zeiten von fortschreitender künstlicher Intelligenz ihre Rolle in der Gesellschaft finden, dann brauchen wir hier einen ganz anderen Zugang: mehr individuelle Freiheit, mehr Förderung von selbstbestimmtem Denken, mehr Raum für Kreativität und mehr offene reale Problemstellungen ohne klare Lösung.

Seit kurzem gibt es eine neue Regierung in Österreich. Was erwartest Du Dir ihr?

Ich wünsche mir Zukunftsfreude, ein offenes Weltbild und keine Angst vor Veränderung.

Gibt´s da eine Wunschliste oder gar einen Forderungskatalog?

Na klar, in unserer Austrian Startup Agenda haben wir der neuen Regierung 36 Empfehlungen präsentiert. 12 davon finden sich auch schon im Regierungsprogramm wieder. Wir werden uns ganz genau anschauen, ob diese Punkte dann auch sinnvoll umgesetzt werden.

Was ist eigentlich das Schönste bei deiner Arbeit?

Dass ich mit unglaublich inspirierenden Menschen gemeinsam an etwas arbeiten kann, wofür wir wirklich alle brennen.

Wer sind deine wichtigsten und stärksten Unterstützer?

Das ist jetzt vermutlich keine große Überraschung: Meine Familie, meine Freundin und meine engsten Freunde. Ganz besondere Menschen, auf die ich mich immer voll verlassen kann.

Wohin wird dich deine Arbeit noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

Keine geheimen Projekte – immerhin sagt ja eine alte Startup-Weisheit, dass es nie hilfreich ist, Ideen geheim zu halten.

Was sagen eigentlich deine Freunde, dein Umfeld, deine Familien zu diesem Engagement?

Die finden das wunderbar, weil sie sehen wie glücklich ich bin.

Hast Du Tipps für unsere LeserInnen?

Das Leben ist deutlich schöner, wenn man erkennt, dass man nicht nur Passagier ist, sondern selbst was bewegen kann.

Way to Passion“ ist ein Projekt von Reinhard Herok und Thomas Peham. Ihr Ziel ist es, mit Interviews aufzuzeigen, wie leidenschaftliche Menschen einen Beitrag für eine bessere Welt leisten können. „Way to Passion“ stellt TrendingTopics.at ausgewählte Inhalte zur Zweitveröffentlichung zur Verfügung, vielen Dank dafür!

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