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Artis: Können die Grazer Blockchain-Macher den bisher größten ICO Österreichs hinlegen?

Das Grazer lab10 collective. © Artis.eco
Das Grazer lab10 collective. © Artis.eco

ATS, daran kann man sich noch vage erinnern, stand bis Februar 2002 noch für den österreichischen Schilling, der dann vom Euro abgelöst wurde. 2018 schickt sich nun ein Grazer Projekt an, das Kürzel ATS wieder zu beleben. Mit ATS will das lab10 collective, eine Genossenschaft rund um Vorstand Thomas Zeinzinger, eine Kryptowährung schaffen, mit der man die Art des Bezahlens noch einmal revolutionieren will. Bevor die ATS-Coins aber dazu benutzt werden können, um digitales Geld einfach von A nach B streamen zu können, muss noch eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich absolviert werden.

Dazu startet am 31. Mai der Auftakt zum vielleicht bisher größten Initial Token Offering (ITO), den Österreich bisher erlebt hat. Für die Weiterenwicklung der Austro-Blockchain Artis will das lab10 collective fünf Millionen Euro einsammeln. Klappt das, wäre das der bisher größte ICO des Landes. Dazu muss das Kollektiv, das eine eigene Stiftung für das Projekt gründen will, aber noch einige Hürden nehmen und bis 26. Oktober (ja genau, der Nationalfeiertag) die angestrebte Menge Ether (ETH) im Gegenwert von 5 Millionen Euro einsammeln.

Finanzmarktaufsicht soll prüfen

„Mit Artis gehen wir die aktuell größten Probleme im Blockchain-Bereich an und versuchen diese nachhaltig zu lösen: Skalierbarkeit, Usability beziehungsweise Eintrittsbarrieren“, sagt Zeinzinger. Das Projekt stürzt sich dabei auf Geschäftsmodelle der „Sharing Economy“, die auf Abonnements basieren. So soll man etwa mit dem ATS-Token auf Carsharing-Plattformen Sekunden-genau abrechnen können Geld in Echtzeit vom Nutzer direkt an den Fahrzeughalter überweisen.

Auch im Bereich von kostenpflichtigen Online-Nachrichtenportalen oder Musik-Streaming-Diensten könnte die Technologie einmal zum Einsatz kommen. Möglich sein soll es dabei, dass Nutzer anonym zahlen, ohne sich einen Account beim Anbieter anlegen zu müssen. Mit wenigen Klicks ließe sich dann etwa für digitale Inhalte bezahlen.

Doch bis das einmal Realität ist, muss das lab10 collective noch einige Hürden nehmen. Eine davon ist die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA). Denn diese soll über den Sommer prüfen, ob es sich bei ATS um ein Zahlungsmittel handelt und nicht einfach nur um einen Gutschein-Token, den der Eigentümer gegen Dienstleistungen oder Produkte eintauscht wie etwa auch einen Amazon-Gutschein (Trending Topics berichtete). Mit der Anfrage bei der FMA wollen die Artis-Macher auf Nummer sicher gehen.

Kein einfacher Markt

ICOs als Alternative zu klassischem Crowdfunding waren bei Startups 2017 und Anfang 2018 sehr beliebt, um mit der Einnahme von Krypto-Assets ihre Projekte zu finanzieren. Doch nach einem Hoch um die Jahreswende ist der Hype mittlerweile wieder abgeflaut. Viele Startups gehen dazu über, sich wieder Geld bei klassischen Risikokapitalgebern zu besorgen (Trending Topics berichtete). International zeigt sich, dass die Summen, die pro Monat über ICOs aufgestellt werden, wieder schrumpfen. Kein Wunder, hat die Marktkapitalisierung von Krypto-Assets seit Anfang des Jahres auch mehr als 50 Prozent an Wert eingebüßt.

Trotzdem ist es der Wiener Firma BitPanda für ihr Blockchain-Projekt Pantos im April, das gemeinsam mit Forschern der Technischen Universität Wien, der Akademie der Wissenschaften sowie dem Research Institute for Future Cryptoeconomics (RIAT) umgesetzt wird, gelungen, den bisher größten österreichischen ICO durchzuführen. Verantwortlich für den Erfolg von Pantos war vor alle die große Community, die BitPanda über die Jahre aufgebaut hat.

Erfolgreiche ICOs heimischer Firmen waren bisher:

Projekt Volumen in € Token Enddatum Firma
Pantos ca. 4 Mio. PAN April 2018 BitPanda GmbH (Wien)
HydroMiner ca. 2,5 Mio. H2O November 2017 HydroMiner IT-Services GmbH (Wien)
Herosphere ca. 1,7 Mio. PLAY Oktober 2017 byte heroes GmbH (Wien)
Blocklancer ca. 250.000 LNC Februar 2018 Atlas3 GmbH (Innsbruck)

Weitere ICOs in den Startlöchern

Artis ist nicht das einzige Projekt, das aktuell Krypto-Assets für die Finanzierung neuer Blockchain-Projekte einsammeln möchte. Derzeit laufen etwa noch die Token-Sales von Bonkers.io und Cultural Places, weitere ICOs scharren bereits in den Startlöchern. Ab 4. Juni wird die Crowdinvesting-Plattform Conda beim Verkauf des CRWD-Token neben Ethereum und Euro auch Dash annehmen, und das Wiener Mining-Startup HydroMiner plant für das dritte Quartal 2018 ein Initial Coin Offering für seinen H30-Token. Das soll der erste Wertpapier-Token Europas werden und Käufern Firmenanteile sichern, die man später beim geplanten Börsengang gegen Aktien tauschen kann. Auch hier darf man gespannt sein, was die Behörden zu dem Vorhaben zu sagen haben.

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