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Der Grazer Crypto-Schilling soll die Blockchain grüner machen

Wolfgang Bergthaler und Thomas Zeinzinger von lab10 collective. © lab10 collective
Wolfgang Bergthaler und Thomas Zeinzinger von lab10 collective. © lab10 collective

Kryptowährungen, insbesondere jene wie Bitcoin und Ethereum, die durch Mining entstehen, haben ein Problem. Sie gelten als enorme Stromfresser. Digiconomist zufolge verursacht der hohe Energieverbrauch von Bitcoin alleine pro Jahr einen CO2-Ausstoss von 34,73 Megatonnen pro Jahr (so viel wie ganz Dänemark) und verbraucht jährlich 73,12 Megawatt Strom (in etwa so viel wie Österreich). Insofern ist es eine heikle Angelegenheit, wenn man mit Blockchain-Technologien und gleichzeitig im Bereich von Nachhaltigkeit und Elektromobilität unterwegs ist.

Die Grazer Genossenschaft lab10 collective rund um Thomas Zeinzinger, die wir durch ihr Blockchain-Projekt Artis und einen gestoppten ICO 2018 kennen gelernt haben, will nun eine Lösung für energiehungrige Blockchains gefunden haben. „Den Klimawandel, und die damit einhergehende Notwendigkeit der Entkarbonisierung, sehen wir als dringliche Herausforderung, der wir uns nun radikal zuwenden“, so Zeinzinger. Die Artis-Blockchain soll künftig auf Energieeffizienz getrimmt werden, und zwar aus einem besonderen Grund: Sie soll im Bereich erneuerbarer Energien und Elektromobilität Anwendung finden.

Elektroauto laden

Die Sache ist sehr nach vorne gedacht: Denn wenn künftig Menschen oder selbstfahrende Autos an E-Ladestationen Strom laden, dann muss für die Energie automatisiert bezahlt werden. Menschen können das mit Kreditkarten oder Mobile Payment erledigen, doch wie macht das ein selbstfahrendes Auto? Wie berichtet, hat lab10 collective gemeinsam mit dem Innovationslabor act4.energy und dem steirischen Startup Easelink demonstriert, wie ein automatischer Ladevorgang mittels Blockchain abgerechnet werden kann.

Damit das alles möglichst ökologisch vonstatten geht, will lab10 collective mit einem Netzwerk-Upgrade die Artis-Blockchain noch dieses Jahr einen neuen Konsens-Algorithmus („Honey Badger BFT“) verpassen, der Ethereum in Sachen Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit um den Faktor 1.000 übertrifft. Neben Bitcoin gilt auch Ethereum als Stromfresser – auch deswegen will Ethereum-Mastermind die Blockchain der Kryptowährung weg vom energiehungrigen „Proof of Work“ hin zu einem schonenderen „Proof of Stake“ bringen. Artis soll aber mit Ethereum zusammenspielen.

Solarstrom-Trading im Visier

„Durch die Kompatibilität zu Ethereum kann Artis Mikrotransaktionen, wie sie bei Energie-Anwendungen nötig sind, sinnvoll auf der Blockchain abbilden – bei einem Bruchteil der Kosten“, sagt Wolfgang Bergthaler von lab10 collective. Nicht nur bei Elektroautos soll das funktionieren sondern auch im Bereich Photovoltaik. Auch dort wird wie berichtet daran gearbeitet, wie Bürger den Solarstrom, den sie mit eigenen PV-Anlagen erzeugen, mittels Blockchain etwa mit Nachbarn handeln können (Trending Topics berichtete). Das Grazer Kollektiv arbeitet derzeit mit dem AIT (Austrian Institute of Technology) und dem Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz am Projekt „SonnWende+“ mit – auch dort geht es darum, Solarstrom auf regionaler Ebene zu handeln.

Wenn das Abwickeln von Transaktionen im Bereich Elektromobilität und Solarenergie tatsächlich funktioniert, dann gibt es auf der Artis-Blockchain auch die passende Kryptowährung. Der „Crypto-Schilling“ (Kürzel: ATS) ist dabei natürlich eine Reminiszenz an die ehemalige österreichische Währung und soll nächstes Jahr zum Preis von 7,26 Cent (1 € = 13,7603) auf Exchanges gelistet werden.

Darf man den Crypto-Schilling Schilling nennen?

Darf man die Kryptowährung überhaupt so nennen? „Österreich hat seit der Einführung des Euro den Schilling als nationale Währung aufgegeben, was sich auch im alphabetischen Code der ISO 4217:2015 widerspiegelt. Es gibt ausserdem laut unseren Anwälten keine gesetzliche Grundlage, wonach ehemalige Währungsbezeichnungen (z.B. Schilling oder Kronen) nicht verwendet werden dürfen“, so Bergthaler. „Das zusätzliche Wort „Crypto“ würde ausreichen, um eine Verwechslungsgefahr zu vermeiden. „Zusätzlich überlegen wir auch bei „Schilling“ die englische Schreibweise „Shilling“ zu werden, um die Internationalität zu unterstreichen“, so Bergthaler.

Doch werden die Rechner, die die Artis-Blockchain betreiben, mit grünem Strom gefüttert? „Jeder, der über 750.000 ATS verfügt, kann einen Knoten betreiben. Es ist nicht im Sinne einer Permissionless Blockchain, Leuten vorzuschreiben, wo der Server steht oder mit welchen Strom er betrieben wird“, sagt Bergthaler dazu.

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