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Kalter Tech-Krieg: Jetzt will auch Chip-Riese ARM seine Geschäfte mit Huawei einstellen

© ARM
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Der nächste Rückschlag für Huawei: Nachdem Google, Intel, Qualcomm, Broadcom und Xilinx die Lieferung von Software (Android!) und Chips an das chinesische Unternehmen Huawei stoppen wollen, folgt nun auch der Chip-Spezialist ARM. Das berichtet die BBC, die ein internes Memo der in Cambridge ansässigen Firma an Mitarbeiter zugespielt bekam. Das ist insofern bemerkenswert, weil ARM ein britisches Unternehmen im Besitz der japanischen Softbank ist.

ARM ist im Smartphone-Geschäft eine große Nummer. Sie liefert anderen Unternehmen wie Qualcomm, Samsung, Apple oder eben der Huawei-Tochter Hisilicon die Designs für deren Chips. Und Hisilicon ist für die Herstellung der Kirin-, und Kunpeng-Prozessoren verantwortlich, die in Huawei-Smartphones – und Server verbaut werden. In dem Memo an ARM-Mitarbeiter ist die Rede davon, dass alle „aktiven Verträge, Supportverpflichtungen und anstehende Kooperationen“ mit Huawei und dessen Unternehmenstöchtern gestoppt werden.

„Bedauerliche Situation“

„Wir schätzen unsere engen Beziehungen zu unseren Partnern, erkennen jedoch den Druck an, unter dem einige von ihnen infolge politisch motivierter Entscheidungen stehen“, heißt es in einem offiziellen Statement seitens Huawei. „Wir sind zuversichtlich, dass diese bedauerliche Situation gelöst werden kann, und unsere Priorität bleibt es, unseren Kunden auf der ganzen Welt weiterhin erstklassige Technologie und Produkte zu liefern.“

Für Huawei ist ein Stopp von ARM-Lieferungen sehr problematisch. Ohne die ARM-Designs kann das chinesische Unternehmen, das von US-Präsident Donald Trump auf eine Schwarze Liste gesetzt wurde, keine neuen Chips für seine Smartphones bauen. Alternativen zu ARM gibt es kaum, da etwa Intel die Entwicklung von Chips für Smartphones 2016 einstellte. Da ARM viele Büros in den USA betreibt und mit Qualcomm und Apple große Kunden hat, schien sich die britisch-japanische Firma offenbar gezwungen, auf die Order des US-Präsidenten reagieren zu müssen.

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Der 5G-Konflikt eskaliert

Angefangen hat der Konflikt rund um Huawei eigentlich erst, als australische Spezialisten begannen, Anfang 2018 vor Huawei, dessen Marktdominanz bei Netzwerken und mögliche Spionage zu warnen. In den USA stieß das dann im Laufe des vergangenen Jahres auf immer offenere Ohren bei Politikern, bis Huawei zuerst vom Ausbau der neuen 5G-Netze ausgeschlossen wurde. Meng Wanzhou, die Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei und CFO von Huawei, wurde in Kanada auf Verlangen der USA wegen angeblicher Verstöße gegen die Iran-Sanktionen festgenommen.

Bei einem Besuch von Trending Topics im April 2019 waren Huawei-Manager noch sehr selbstbewusst wegen der US-Sanktionen. „Einige Länder haben sich aus bestimmten Gründen dafür entschieden, nicht mit Huawei zusammenzuarbeiten, und ist das in Ordnung für uns“, sagte Huawei’s Deputy Chairman of the Board Guo Ping damals zu Trending Topics. In Europa, Asien, Südamerika und Afrika könne man mit 5G genug Geschäft machen.

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Große Abhängigkeiten von den USA

Doch der jüngste Schritt von US-Präsident Trump trifft jetzt auch direkt das Smartphone-Geschäft von Huawei mitten ins Herz. Ohne Android von Google und Chip-Designs von ARM stünde das chinesische Unternehmen ziemlich hilflos da. Was zeigt, wie abhängig viele Unternehmen von US-Technologie und entsprechenden politischen Entscheidungen sind.

In der jüngeren Vergangenheit spürte etwa auch die chinesische Firma ZTE, die ebenfalls Smartphones und Netzwerk-Technologie herstellt und im Westen verkauft, den Druck der USA: ZTE musste 2018 eine Strafe in Höhe von einer Milliarde Dollar zahlen und das Management neu besetzen. Zuvor musste ZTE „wichtige Geschäftsaktivitäten“ einstellen, der Handel der Aktie an der Hongkonger Börse wurde ausgesetzt, ein totaler Zusammenbruch stand im Raum. erst ein direktes Gespräch zwischen Trump und Chinas Präsident Xi Jinping brachte schließlich eine Lösung – und zwar in Form einer satten Strafzahlung für ZTE.

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