Analyse

Apple will den Erfolg des iPhone 6 weiter ausschlachten – mit stärkerem Fokus auf die Zielgruppe Frau

iPhone 6s und Apple Watch in Rosa, pardon, Roségold. © Apple
iPhone 6s und Apple Watch in Rosa, pardon, Roségold. © Apple

Mehr als zwei Stunden hat die Apple-Präsentation gestern Abend gedauert, und zu sehen gab es die übliche Beweihräucherung der neuen Produkte, mit denen der wertvollste börsennotierte Konzern der Welt ins Weihnachtsgeschäft geht. Wie erwartet gibt es als Highlight eine neue Version des iPhone, das 6s und das 6s Plus. Die Apple-Manager Tim Cook und Phil Schiller verbrachten viel Zeit damit, neue Funktionen wie „3D Touch“ (quasi ein rechter Mausklick für Zusatzfunktionen bei Apps), die Kamera mit 12 Megapixel und „Live Photos“ (zusätzlich zum Schnappschuss werden kurze Videos aufgenommen) zu erläutern. Doch was beim Konsumenten im Alltagsgespräch am Ende überbleiben wird: Das iPhone gibt es auch in Rosa (Apple nennt es Roségold). Passend dazu kommt die Apple Watch in der gleichen Farbgebung auf den Markt.

Diese Farbenspiele sind wichtig. Das iPhone trägt 63 Prozent zum Umsatz und 56 Prozent zum Gewinn von Apple bei, und das iPhone 6 ist das meist verkaufte Apple-Handy bis dato. Laut IDC konnte das iPhone 6 den Marktanteil von Apple weltweit auf 14,6 Prozent heben, während Samsung Prozente verloren hat und bei 219 Prozent liegt. Dem bisherigen Veröffentlichungsrhythmus treu bleibend, ist die neue 6s-Linie lediglich ein Update, das Besitzer der 6er-Variante nicht wirklich zum Upgrade zwingt – außer, man bzw. frau versteht das iPhone als wichtigstes Accessoire im Leben. Realistischerweise wird es kaum Männer geben, die sich rosa iPhone bzw. Apple Watch zulegen werden, doch Frauen, die die Farbe gerne mögen, soll so ein Kaufgrund gegeben werden. Damit entfernt sich Apple noch weiter vom einstigen Image, eine Marke für Fanboys zu sein.

Farbspiele

Studien zeigen ein interessantes Bild, welche Smartphone-Marken Frauen präferieren. In Deutschland etwa wurde Apple 2014 von Frauen unterdurchschnittlich oft als präferierte Handy-Marke genannt. Während Samsung, Nokia, Sony, HTC, Motorola oder LG bei Frauen wie Männern sehr ähnliche Beliebtheitswerte haben, ist das iPhone überproportional oft das präferierte Gerät bei Männern (15,9 Prozent vs. 11,4 Prozent). In den USA war Apple 2014 einer Untersuchung von Clean Master und TNS zufolge die beliebteste Smartphone-Marke bei Frauen, während Männer Samsung am öftesten als ihre Nummer 1 nannten.

Beides passt ins Bild: Dort, wo Frauen Apple noch nicht so gern mögen, gibt es mit dem rosa iPhone 6s einen neuen Grund, zu Apple zu wechseln, im Kernmarkt USA hofiert Apple die große weibliche Zielgruppe mit neuen, passenden Geräten. Dass die Farbe der Geräte sehr relevant ist, zeigt auch folgendes: Wer ein goldenes iPhone will, der muss künftig zum 6s bzw. 6s Plus greifen, weil die älteren iPhone-Reihen nicht mehr in dieser Farbe angeboten werden.

Mit Microsoft gegen Microsoft

Spannend ist auch, was Apple mit dem Erzrivalen Microsoft macht. Da präsentiert man zuerst das iPad Pro, das mit einem Stylus und einer anschließbaren Tastatur eindeutig gegen die Surface-Pro-Reihe von Microsoft positioniert ist. Und dann holt man sich ausgerechnet Microsoft-Manager Kirk Koenigsbauer auf die Bühne, der demonstriert, wie sich Microsofts Kernprodukte Word, Excel und Powerpoint auf dem Apple-Tablet bedienen lassen. Auf den ersten Blick ein krasser Widerspruch, macht das aber für beide Konzerne Sinn: Apple will das iPad Pro als Arbeitsgerät in Firmen positionieren, und dort ist Office eben nach wie vor ein wichtiger Faktor. Und Microsoft, das unter dem neuen CEO Satya Nadella eine immer Plattform-agnostischere Linie fährt, könnte mit dem Verkauf von Software-Lizenzen auf dem iPad gutes Geld machen. Zu bedenken ist dabei aber auch, dass Apple seine Office-Konkurrenten Keynote, Pages und Numbers mittlerweile Neukunden gratis am Gerät vorinstalliert.

Spott und Hohn erntete Apple für die Ankündigung des „Apple Pencil“, mit dem auf dem iPad Pro (13 Zoll) gearbeitet werden soll. Der Stylus ist nicht etwa im Kaufpreis (ab 800 US-Dollar) des Tablets enthalten, sondern kostet 100 US-Dollar. Eine anschließbare Tastatur schlägt mit weiteren 170 US-Dollar zu Buche. Wer das iPad Pro also samt Stylus und Tastatur haben möchte, muss mindestens 1070 US-Dollar einplanen. Zum Vergleich: Ein MacBook Air in der 13-Zoll-Variante ist ab 1000 US-Dollar erhältlich.

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