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Apple macht Privatsphäre zum integrierten Service. Wird sie so zum Luxusgut?

Präsentation des Apple-Logins als Alternative zu Google und Facebook. © Apple
Präsentation des Apple-Logins als Alternative zu Google und Facebook. © Apple

Üblicherweise freuen und ärgern sich Apple-Fans über neue Software und Hardware, die der iKonzern ihnen bei der jährlichen WWDC-Konferenz in Kalifornien präsentiert. Doch dieses Jahr stand ein anderes großes Thema im Vordergrund und zieht sich durch nahezu alle neuen Produkte und Services, die Apple auf den Markt bringen will: Privatsphäre.

Ein „Daten-industrieller Komplex“, in dem Daten mit „militärischer Effizienz“ als Waffen gegen Nutzer und Bürger eingesetzt werden würden – so hat Apple-Chef Tim Cook das Online-Werbe-Duopol Facebook und Google bereits bezeichnet. „Wir könnten Tonnen von Geld machen, wenn wir unsere Nutzer monetarisieren würden, aber wir haben uns dagegen entschieden“, sagt Cook an anderer Stelle.

Apple-Login gegen Facebook und Google

Bei der WWDC hat Apple nun einen Großangriff gegen Facebook und Google eingeläutet. Mit „Sign in with Apple“ stellt man App-Entwicklern ein neues Tool bereit, das anders als die Logins von Facebook und Google sehr sparsam mit Nutzerdaten umgeht – und sogar erlaubt, dass Nutzer gar keine Daten, sondern nur eine randomisierte Mail-Adresse angeben müssen. App-Entwickler können so weiter Newsletter an ihre Nutzer schicken, aber deren echte Mail-Adresse nicht zum Tracking nutzen.

Der neue Apple-Login in der Fretello-App. © Apple
Der neue Apple-Login in der Fretello-App. © Apple

Auch bei anderen Diensten rückt Apple Privatsphäre-Funktionen in den Vordergrund. Bei Ortungsfunktionen können iPhone-Nutzer bestimmen, dass eine App nur dieses eine Mal die Location verwenden kann, aber nicht zukünftig. Bei der neuen Noise App der Apple Watch, die Nutzer vor langen Aufenthalten in sehr lauten Umgebungen warnt, werden keine Audioaufzeichnungen an Apple-Server geschickt.

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Wird Privacy zum Luxusgut?

Mit dem Fokus auf Privatsphäre versucht Apple, den Wert seiner teuren Geräte und Dienste zu argumentieren. seit Jahren steigen die Preise der iPhones und iPads. Man würde Smartphones und Dienste wie Musik-Streaming verkaufen, aber eben keine Nutzerdaten. Das hat Apple kürzlich herbe Kritik seitens Google eingebracht. „Privatsphäre kann kein Luxusgut sein, das nur Menschen geboten wird, die es sich leisten können, Premium-Produkte und -dienstleistungen zu kaufen“, schoss Google-Chef Sundar Pichai zwischen den Zeilen gegen Apple.

Apples Software-Chef Craig Federighi. © Apple
Apples Software-Chef Craig Federighi. © Apple

„Apple-Produkte sind sicherlich keine Luxusgüter“, konterte Apple-Software-Chef Craig Federighi. Die Bestrebungen von Google und facebook, künftig bei Produkten mehr auf Datenschutz zu achten, seien gut, aber mit Vorsicht zu genießen. Es brauche mehr als „ein paar Monate und ein paar Pressemitteilungen“, um die Geschäftsmodelle an die Anforderungen von echter digitaler Privatsphäre anzupassen.

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Die Strategie dahinter

Apple muss sich mit seiner Cashcow, dem iPhone, von anderen Herstellern abheben. Unternehmen aus Südkorea oder China haben längst bessere, innovativere und günstigere Konkurrenzmodelle am Markt. Der iKonzern will sich von diesen mit der Betonung der digitalen Privatsphäre abheben – und bei vielen Konsumenten könnte das Argument wirklich ziehen.

Zudem sind Apple, Google, Facebook und Amazon in den USA ins Visier der Behörden geraten. Das US-Justizministerium untersucht Google und Apple, die Handelsaufsicht FTC wird Facebook und Amazon kontrollieren. In dieser Situation versucht Apple, sich möglichst nutzerfreundlich darzustellen und auf die Fehler der anderen hinzuweisen. Denn gerade bei Facebook geht es in den USA mittlerweile auch stark um das Datenschutzthema. Nicht umsonst hat Apple-Chef Cook unlängst ein Datenschutzgesetz in den USA gefordert, das sich die DSGVO der EU zum Vorbild nehmen soll.

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