WWDC

Apple im Messaging-Fieber: iMessage soll neben Facebook Messenger und Snapchat nicht mehr alt aussehen

Ordentlich aufgebohrt: iMessage von Apple. © Apple
Ordentlich aufgebohrt: iMessage von Apple. © Apple

iMessage, die 2011 eingeführte SMS-Alternative für iPhone-Nutzer, ist Apple zufolge die am meisten genutzte App auf den mobilen Geräten des Konzerns. Weil sie aber derzeit im Wesentlichen Text, Fotos, Videos oder Audioaufnahmen versenden lässt, sieht sie vor allem neben Snapchat und Facebook Messenger ziemlich alt aus.

Auf der Entwickler-Konferenz WWDC (und in der Presseaussendung) hat Apple iMessage deswegen Top-Priorität eingeräumt. Im Zuge der nächsten Version des iOS-Betriebssystems für iPhone und iPad bekommt die Nachrichten-App deswegen im Herbst ein riesiges Paket an neuen Funktionen. Nutzer sollen sich dann auch Animationen (Ballons zum Geburtstag, Feuerwerk zu Silvester, etc.), handgeschriebene Notizen, verdeckte Nachrichten zum Freirubbeln und Emoji-Reaktionen zusenden können.

Außerdem will auch Apple die beliebten Emojis in den Vordergrund rücken. Automatische Vorschläge erkennen Wörter im Text (z.B. „Liebe“), mit einem Tipper auf das Wort kann man es durch ein passendes Emoji („Herz“) ersetzen. Wenn man Links versendet, bekommt der Empfänger ein Vorschaubild und die Headline der Webseite, und wird ein Link zu einem Video geschickt (z.B. von YouTube), lässt sich der Clip direkt in iMessage abspielen.

iMessage Apps

Damit nicht nur die Apple-Ingenieure sich neue Funktionen für iMessage überlegen müssen, öffnet Apple die Nachrichten-App außerdem für Entwickler. Im App Store können Dritte künftig eigene Software für iMessage anbieten, damit Nutzer auch animierte GIFs oder Sticker versenden können. Mit diesem Schritt kommerzialisiert Apple die ursprünglich für Privatkonversationen gedachte App. Denn Developer können auch Payment-Funktionen oder Online-Shops in iMessage anbieten, damit sich Nutzer etwa Geld überweisen.

Geht der Plan auf, macht Apple eine neue Einnahmequelle auf. Zum einen partizipiert man an kostenpflichtigen Apps mit, die Entwickler für iMessage anbieten, zum anderen hat man mit Apple Pay gleich einen passenden Bezahl-Dienst für Transaktionen, die über iMessage ablaufen.

Mithalten mit den Jungen

All diese Funktionen sind keine Neuerfindungen, sondern erinnern in der einen oder anderen Art stark an Facebooks Messenger oder Snapchat. Bei ersterem gibt es seit April die „Bots for Messenger“, also Zusatzfunktionen für die Messaging-App, bei beiden können sich (vorerst in den USA) User Geld zusenden.

Ob der Plan aufgeht, bleibt abzuwarten. Drittentwickler stehen vor der Entscheidung für welche der vielen neuen Plattformen sie ihre Zusatz-Apps und Bots entwickeln sollen. Eine weitere Hürde gibt es auch noch: iMessage funktioniert nur auf iOS-Geräten, eine Android-Version fehlt weiterhin. Um diese gab es zwar Gerüchte, doch Apple hat sich bisher dafür entschieden, nur die eigenen Kunden mit der App zu beglücken.

Kniffelige Privatsphäre

Dass Apple bei iMessage Vorschläge zu passenden Emojis unterbreiten kann, bedeutet auch, dass Daten zur Auswertung an die Server des iKonzerns geschickt werden. In der jüngeren Vergangenheit hat Apple immer wieder betont, anders als Google und Facebook viel Wert auf die Privatsphäre des Nutzers zu legen. Doch um dem User als persönlicher digitaler Assistent dienen zu können, muss die Cloud mitlesen können.

Um eine Balance zwischen Big Data und Privatsphäre zu finden, führt Apple mit iOS 10 so genannte „Differential Privacy“ ein. Vereinfacht gesagt bedeutet sie, dass Nutzerdaten so anonymisiert werden, dass sie nicht einer echten Person zugeordnet werden können sollen. Ob Apple dieses Versprechen halten kann, werden Experten klären müssen.

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