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Apple: In 21 Wochen um eine Billion Dollar gewachsen

Mann vor Apple-Logo. © Foto von Duophenom von Pexels
Mann vor Apple-Logo. © Foto von Duophenom von Pexels

„Normal“ ist im Jahr 2020 nicht viel. Während die Weltwirtschaft also ihren größten Absturz seit der „Great Depression“ erfährt und Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit fallen, profitieren die ohnehin schon Großen überdurchschnittlich. Apple hat dieses Jahr in 21 Wochen seine Börsenbewertung von einer Billion auf zwei Billionen Dollar erhöht. Für die erste Billion (erreicht 2018) hat es 42 Jahre gedauert.

Bedingt durch Corona ist der Aktienkurs im März unter die Marke von einer Billion Dollar gerutscht. 21 Wochen später ist das längst vergessen. Bei einem Kurs von 468 Dollar je Aktie ist AAPL am Mittwoch Abend erstmals über die Marke von 2 Billionen Dollar gewachsen.

Damit ist Apple das weiterhin wertvollste Unternehmen der Welt und weist selbst den Ölriesen Saudi Aramco in die Schranken. Nach dem Tod von Mastermind Steve Jobs 2011 hat der neue Steuermann Tim Cook das Unternehmen eine hocheffiziente globale Lieferkette verpasst, die auch in der Corona-Krise kaum zu Stottern beginnt. Und gezeigt: Man muss keine innovativen, sondern nur solide Produkte bringen, um erfolgreich zu sein.

© Bloomberg
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Rekordhoch ohne Innovationen

Was Tim Cook aber noch geschafft hat: Er hat Apples starke Abhängigkeit von iPhone-Verkäufen gelockert. Jedem ist klar: Ein 1.000-Euro-Smartphone kauft man sich nur alle paar Jahre. Aber mit einer Reihe von Services (Musik, Gaming, News, Filme, Serien) im Abonnement bekommt man die Kunden auch dazu, monatliche Gebühren zwischendurch abzudrücken. Diese „Services“ machen mittlerweile beträchtliche Teile des Umsatzes aus, und sie bringen mittlerweile mehr als die Hälfte des Gewinns.

Die aktuelle Börsenbewertung spitzt sich aus mehrerlei Gründen zu. Digitalisierung ist ein Gewinnerthema der Krise, und Apple sowohl im Consumer- als auch im Business-Bereich eine Premium-Marke, der vertraut wird. So wird trotz aller Leaks die Präsentation und der Start des iPhone 12 heiß erwartet – das wichtigste Apple-Gerät seit Jahren (mehr dazu hier).

Auch wenn Apple in den nächsten Jahren eine Augmented-Reality-Brille auf den Markt bringen wird, wird es vielen anderen Firmen hinterherhinken. Die Kraft der Marke liegt aber auch eher darin, solche Gadgets massentauglich zu machen. Auch Apple Watches und AirPods wurden einst belächelt, heute lacht niemand mehr über sie.

Mit dem Aus für Intel-Prozessoren zugunsten auf ARM-Architektur gebauten eigenen Chips (Apple Silicon) steigt die vertikale Integration bei Apple noch eine Stufe weiter. Vom Prozessor über das Betriebssystem und den App Store bis hin zum Musik-Streaming und den passenden Kopfhörern kommt alles aus dem selben Haus.

Kartellrecht wird zum Problem

Der Goliath aus Cupertino wird sich in den nächsten Monaten und Jahren aber auch mit seinen Kritikern auseinander setzen müssen. Der Rechtsstreit mit „Fortnite“-Macher Epic Games (Trending Topics berichtete) läuft bereits auf Hochtouren und dreht sich um die „Apple-Steuer“ von bis zu 30 Prozent, die App-Anbieter für digitale Services an den iKonzern abtreten müssen. Mit Spotify oder Tinder hat Epic Games Mitstreiter in dem Kampf gewonnen – doch verglichen mit Apple sind sie alle Zwerge.

Gefährlicher für Apple ist da, dass sich sowohl in Washington als auch in Brüssel die Wettbewerbshüter dem Thema App Store und dem Thema Apple Pay besonders intensiv widmen. Kartellstrafen könnten dem Konzern teuer zu stehen kommen – und die Regeln so ändern, dass vom Zukunftsgeschäft mit dem App Store und dem mobilen Bezahlen plötzlich nichts mehr über bleibt.

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