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Ant Group: Chinesischer Fintech-Riese will bei IPO mit 200 Mrd. Dollar bewertet werden

Ant Financial CEO Eric Jing. © Ant Financial
Ant Financial CEO Eric Jing. © Ant Financial

Visa: 400 Milliarden. Mastercard: 345 Milliarden. PayPal: 233 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung. Und was kommt danach? Ziemlich bald die chinesische Ant Group. Sie ist das wertvollste private Fintech-Unternehmen der Welt und hat heute die Unterlagen für seinen Doppel-Börsengang an den Exchanges in Hongkong und Shanghai eingereicht. Das ist in doppelter Hinsicht eine Ansage. Zum einen könnte es der größte Börsengang aller Zeiten werden – und zum anderen wird dieser nicht in den USA stattfinden.

Ant Group, bis vor kurzem unter der Marke Ant Financial bekannt, ist eigentlich ein Spin-off von Alibaba. Dessen Mobile-Payment-System Alipay ist die Grundlage des Unternehmens, das 2014 aus Alibaba ausgegliedert wurde. 33 Prozent gehören immer noch dem Online-Riesen von Milliardär Jack Ma, außerdem sind Temasek (Staatsholding von Singapur), Sequoia Capital, Credit Suisse, General Atlantic oder Silverlake investiert – eine gute Möglichkeit für alle Beteiligten, Kasse zu machen.

Ausbau im Inland wie Ausland

Investoren haben bisher etwa 22 Milliarden Dollar in das Unternehmen gepumpt. Bei der letzten Finanzierungsrunde 2018 wurden 14 Milliarden Dollar aufgenommen, die Bewertung stieg damals auf mehr als 150 Milliarden Dollar. Heute, 2 Jahre später, soll sie bereits bei etwa 200 Milliarden Dollar liegen. Daran erkennt man schon, in welcher Größenordnung sich der IPO dieses Jahr abspielen wird. Manche Beobachter meinen gar, dass er alles bisherige schlagen könnte. Zum Vergleich: Der Ölriese Saudi-Aramco nahm 2019 bei seinem IPO 25,6 Milliarden Dollar ein, Alibaba (also die Mutter von Ant Financial) holte 25,03 Mrd. Dollar im Jahr 2014.

© Ant Financial
Ant Group-CEO Eric Jing. © Ant Financial

„Die Listings (in Shanghai und Hongkong, Anm.) wird dem Unternehmen helfen, sein Ziel der Digitalisierung der Dienstleistungsindustrie in China zu beschleunigen, die Inlandsnachfrage anzukurbeln sowie das Unternehmen in die Lage zu versetzen, mit Partnern globale Märkte zu erschließen und die Investitionen in Technologie und Innovation auszuweiten“, heißt es seitens des Unternehmens. Und wie CEO Eric Jing betont: „Die Umwandlung in ein börsennotiertes Unternehmen wird die Transparenz gegenüber unseren Stakeholdern, einschließlich Kunden, Geschäftspartnern, Mitarbeitern, Aktionären und Aufsichtsbehörden, erhöhen.“

Streit mit USA als großes Risiko

Bisher ist von Ant Group, zu der neben Alipay auch die digitale Vermögensverwaltung Ant Fortune, die Online-Bank, MYbank: Online-Bank, digitale Kreditdienstleistungen von Zhima Credit und Cloud-Services für Finanzunternehmen gehören, eher weniger bekannt. Die Umsätze und Gewinne im Jahr 2019 befinden sich auf Augenhöhe mit jenen von PayPal. Das erste Halbjahr 2020 soll noch viel besser gelaufen sein. Der Profit soll bei 3,2 Mrd. Dollar, der Umsatz bei 10,5 Mrd. Dollar liegen, wie im vorgelegten Börsenprospekt zu lesen ist.

Offen ist, wie gut die Erschließung globaler Märkte noch gelingen kann. So haben die USA und Indien eine Offensive gegen chinesische Anbieter von Online-Diensten gestartet und sind dazu übergegangen, Apps zu blockieren (Trending Topics berichtete). Bei Ant Group werden die geopolitischen Konflikte zwischen den USA und China als Risiko für das Geschäftsmodell genannt. Diese könnten das Unternehmen davon abhalten, technologische Infrastruktur bzw. Mitarbeiter in den USA zu gewinnen. Noch ist Ant Group mit Alipay nicht im Visier der USA. Doch das Shcicksal von Huawei, TikTok und WeChat ist den Führungskräften in Hangzhou sicher bekannt.

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