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Anders Indset: „Die Zeit der Manager, wie wir sie kennen, ist vorbei“

Anders Indset beim T-Breakfast. © Magenta
Anders Indset beim T-Breakfast. © Magenta

Bereits zum zweiten Mal fand vergangene Woche das Eventformat „T-Breakfast“ von Magenta statt – aufgrund der Coronakrise in digitaler Form. Gast war Anders Indset, der „Rock’n’Roller“ unter den Wirtschaftsphilosophen, mit dem die Gastgeber Maria Zesch, CCO Business & Digitalization und CEO Andreas Bierwirth über die krisenbedingten Veränderungen im Arbeitsalltag diskutierten.

Anders Indset zählt zu den führenden Wirtschaftsphilosophen der Welt und gilt als einer der meist gefragten Keynote-Speaker in Europa mit seinen Ansätzen der praktischen Philosophie.  Thinkers50, die “Oskar-Verleihung” der Business-Vordenker, und das renommierteste Ranking der weltweit wichtigsten Management-Köpfe, hat 2018 Anders als einzigen Vertreter aus dem deutschsprachigen Raum in den globalen Kreis der 30 Köpfe der in Zukunft führenden Denker, die Organisationen und Leadership nachhaltig beeinflussen werden, aufgenommen. Der Mensch hat also etwas zu sagen.

Indset: Leadership und Gestalten statt Bürokratie und Verwalten

Wenig verwunderlich also, dass Anders Indset mit provokanten Thesen in seiner Keynote startete : „Die Zeit der Manager, wie wir sie kennen, ist vorbei – das Projekt ist der neue Chef. Hierarchie und Rollendenken werden verschwinden. Der Fokus liegt dann auf Leadership und Gestalten anstelle von Bürokratie und Verwalten.“ Dem stimmte auch Andreas Bierwirth zu: Führungskräfte müssten lernen, „loszulassen“. Bierwirth: „Wir stellen bereits immer wieder Teams speziell für Projekte zusammen, welche diese mit agilen Arbeitsweisen umsetzen und sehen hier große Erfolge.“

Was war die Frage?

Dominierendes Thema war aber natürlich auch beim T-Breakfast die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Folgen. Anders Indset geht nicht davon aus, dass sich die Gesellschaft nach Corona langfristig großartig ändern wird: „Diese Krise ist höchstens ein kurzer Wachrüttelmoment. Schließlich leben wir seit den 70er Jahren, seit dem Ende der Liebes-, Friedens- und Poprevolution, in einem 50-jährigen Nickerchen. Wir sind zu einer Reaktionsgesellschaft geworden, in der wir mit Hilfe von Technologien auf die Außenwelt reagieren und Fehler symptomatisch bekämpfen.“ Die Corona-Krise biete die Chance, dass wir uns endlich „tiefgründig mit den Fehlern im System und den gesellschaftlichen Herausforderungen beschäftigen“ können. Indest: „Bisher war Technologie die Antwort auf alles, aber was ist die Frage?“

Die Krise als Chance

Für Maria Zesch ist die „Krise insofern eine Chance, als dass wir uns fragen sollten, wo unseren wahren Stärken liegen und wie wir darauf aufbauen können, um gestärkt in die Zukunft zu gehen. Dazu müssen wir uns selber challengen und unsere Gewohnheiten hinterfragen.“ Auch bei Magenta würde man sich beispielsweise fragen, ob es überhaupt noch Sinn macht, fünf Tage die Woche im Büro zu sitzen und wie unser Arbeitsalltag zukünftig aussehen wird. Dem diametral gegenüber steht freilich die Position der WKÖ und der Politik – erst heute wurde der Einführung einer 30- oder 32-Stunden-Woche eine deutliche Absage erteilt. Mehr Home Office-Möglichkeiten bei gleicher Arbeitszeit sind allerdings den Unternehmen überlassen, hier fehlt „nur“ noch der rechtliche Rahmen. Der soll aber kommen.

Viele offene Fragen

Im Gespräch zeigte sich aber auch, dass sich viele Fragen wohl erst in näherer oder fernerer Zukunft beantworten lassen. Auch bei Magenta ist noch unklar, wie es ab Dezember weitergehen wird. „Was sich jedoch bereits jetzt schon abzeichnet ist, dass wir die gelernte Flexibilität beibehalten möchten und dass das Bedürfnis nach sozialen Kontakten für das Zusammengehörigkeitsgefühl und vor allem bei kreativen Arbeitsprozessen steigt“, so Zesch.

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