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Am Ende ist Bitcoin eine Glaubensfrage

© Karolina Grabowska von Pexels
© Karolina Grabowska von Pexels

Alles begann mit dem Genesis-Block. Oder mit dem Heiligen Text, dem Whitepaper. Oder noch davor, mit dem Propheten Satoshi Nakamoto. Und es gibt eigene Feiertage, es gibt Jünger und Prediger, es gibt, Devotionalien, es gibt selbst eigene Diäten und gar eine Kirche, und wie in jeder guten Geschichte einer Religion gibt es sogar Schismen (Bitcoin Cash, Bitcoin SV, Bitcoin Gold).

Wer Aufmerksamkeit auf sich ziehen und es auf die Spitze treiben will, der sagt: Bitcoin ist die erste Religion des 21. Jahrhunderts. Ich finde das einen interessanten Gedanken, den man aber schnell wieder verwerfen muss. Es ist einige Jahre her, da wurde gerne Facebook mit dem Christentum verglichen, weil es einen Punkt gab, an der die Zahl der Facebook-Nutzer jene der Mitglieder der römisch-katholischen Kirche überstieg. Trotzdem ist Mark Zuckerberg immer noch CEO und nicht der Social-Media-Papst.

Und genauso wenig ist Bitcoin der Heilige Gral und wird von seiner Glaubensgemeinschaft angebetet. Bitcoin ist ein digitales Tool des Kapitalismus, in das investiert wird und mit dem gehandelt wird wie mit Gold oder Aktien. Was aber sicher stimmt, ist, dass man Bitcoin-Anhänger einer Art Kult angehören. Dieser Kult hat eine Technologie eines immer noch Unbekannten aufs Podest gehoben und spricht ihm mehr Wert zu als dem Papier und den Münzen, die aus staatlichen Druckereien kommen bzw. den Zahlen, die in Bankkonten stehen.

Grenzenloses Vertrauen

Mann könnte auch sagen: Nur weil ein paar Millionen Spezialrechner sehr viel Strom verbrauchen, viel heiße Luft in Server-Räume blasen und in einer dezentralen Datenbank Zahlen aneinander reihen, ist noch lange kein Wert entstanden. Wertloser Code entsteht permanent unter hohem Ressourcen-Aufwand. Doch wer das einem Bitcoin-Anhänger sagt, der erntet mindestens einen bösen Blick und einen Schwall an Gegenargumenten.

Nur wenige Menschen haben sich den Code von Bitcoin schon einmal zu Gemüte geführt, noch weniger haben ihn analysiert und für tauglich befunden. Viele dutzende Millionen anderer Menschen sehen lediglich Zahlen in ihren Apps und Wallets und verlassen sich darauf, dass sie für diese Daten von jemand anderen im Falle des Falles Dollar, Euro, Yen, bestimmte Waren oder gar Immobilien zurück bekommen würden.

Weil Geld (Wert) für Menschen eine wichtige Sache ist, über die man nicht gerne die Kontrolle abgibt, ist Bitcoin bei immer mehr Menschen beliebt, die meinen, sie würden sich von Staaten nicht vorschreiben lassen wollen, was mit ihrem Geld passiert (z.B. Steuern, Aufwertung, Entwertung). Dank Internet funktionieren die Bitcoin-Regeln an jedem Ort der Welt, an dem man online gehen kann, daruas ergibt sich potenziell maximale Verbreitung.

Bitcoin ist ein Netzwerk von Menschen

Der Wert von Bitcoin entsteht also nicht in irgendwelchen Rechenzentren, in denen auf wundersame Weise Energie in Daten umgewandelt werden, sondern in den Köpfen einer immer größeren Community an Menschen, die Teil eines Netzwerks sind, über das sich wertvoller Code von A nach B transferieren lässt und jeder den Spielregeln dieses Netzwerks zugestimmt hat. So wie eben auch Facebook ein Netzwerk ist und keine Religion.

Das Bemerkenswerte an Bitcoin ist deswegen, dass diese Regeln nicht Top Down von einer höheren Macht wie der Kirche bestimmt und verändert werden, sondern in Code festgeschrieben sind. Nur, wenn die Mehrheit von 51 Prozent des Netzwerks mitmacht, können diese Code-Regeln geändert werden. Bitcoin ist also keine Religion, sondern ziemlich kapitalistisch und demokratisch. Wer glaubt, dass Bitcoin etwas wert ist, kauft Bitcoin und wird damit Teil eines Netzwerks, das davon profitiert, dass immer mehr Menschen mitmachen.

Bitcoin ist also am Ende keine Religion, sondern eine Glaubensfrage.

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