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Alma Babycare: Wie eine Wiener Mutter Business mit Baby-Produkten macht

Alma Babycare-Gründerin Isabel Zinnagl. © Alma Babycare
Alma Babycare-Gründerin Isabel Zinnagl. © Alma Babycare

Eigentlich war Isabel Zinnagl nur auf der Suche nach einem guten Babyöl. Jetzt, drei Jahre später, ist sie erfolgreiche Jungunternehmerin: Alma Babycare hat eine Mitarbeiterin und verkauft Pflegeprodukte sogar in Hong Kong. Doch von Anfang an: 2014 ist Zinnagls Tochter Alma zur Welt gekommen.

„Ich habe mich  auf Instagram und Co. umgesehen und bemerkt, dass es keine Pflegeprodukte gibt, die mich von den Inhaltsstoffen und vom Packaging und Design her ansprechen“, erzählt die Unternehmerin. Den entscheidenden Anstoß, zur Unternehmerin zu werden, gab schließlich ihr Mann Lukas, der selbst das Pharma-Startup Diagnosia gegründet hat (Trending Topics berichtete).

Erfolgskonzept: schlichtes Design, hochwertige Kosmetik

Gemeinsam mit einer Biochemikerin vom Kosmetik-Anbieter „Less is more“ und der Designerin Laura Karasinski hat Zinnagl dann zunächst ein Babyöl entwickelt: „Wenn es um hochwertige Naturkosmetik geht, wollte ich nicht anfangen, zuhause selbst etwas zusammenmischen“. Wichtig ist Zinnagl auch die Verpackung: Glas statt Plastik und schlichtes Design statt Baby-Pastell.

Die Rechnung scheint aufzugehen: 2017 hat Alma Babycare nach eigenen Angaben rund 50.000 Ölfläschchen, Creme-Tiegel und Sprays abgesetzt. Das Produktportfolio umfasst mittlerweile auch Creme, Shampoo und Bodyspray. Schon seit Beginn betreibt Zinnagl außerdem den Baby-Blog „Salon Mama„, um die eigene Zielgruppe besser kennenzulernen und sich mit anderen Bloggern, die zum Thema Kinder schreiben, zu vernetzen.

Bisher ist Alma Babycare eigenfinanziert. Für eine Erweiterung der Produktpalette unter anderem um ein Gute-Nacht-Bad, einen Tee und eine weitere Creme ist Zinnagl nun aber auf der Suche nach frischem Kapital. In einem nächsten Schritt soll auch die Internationalisierung vorangetrieben werden. Zinnagl: „Ich glaube, dass Alma überall gut funktionieren kann“.

Isabel Zinnagl im Interview

Im Interview erzählt Isabel Zinnagl, wie schwer ihr der Abschied von ihrem Angestelltenjob gefallen ist und wo sich die Wiener „Mompreneurs“ treffen:

Wie ist Alma Babycare entstanden?

Isabel Zinnagl: 2014 ist meine Tochter Alma auf die Welt gekommen. Wie bei vielen Müttern, hat sich da sehr viel verändert für mich. Man beschäftigt sich mit vielen neuen Dingen und für mich war das besonders die Pflege. Das waren für mich die ersten ganz besonderen Momente, als ich meine Tochter eingeölt habe.  Mein Mann ist Unternehmer und hat selbst auch Startups gegründet. Er war dann die treibende Kraft und hat zu mir gesagt: „mach es halt selber“. Mir war dann gleich wichtig, dass ich gute Partner habe. Wenn es um hochwertige Naturkosmetik geht, wollte ich nicht anfangen zuhause selbst etwas zusammen zu mischen. Ich wollte, dass wir alle Zertifizierungen haben, dass es dermatologisch getestet ist.

Wann haben Sie dann das Unternehmen gegründet?

2016 habe ich dann die GmbH gegründet. Das war aber nicht von Anfang an klar. Zuerst wollte ich eigentlich nur ein Öl für mich. Der unternehmerische Gedanke kam dann eher über meinen Mann. Meine Familie hat mich bei der Gründung sehr stark unterstützt.

Was haben Sie vor Alma Babycare gemacht?

Ich bin eigentlich beim Film. Ich habe Kino und Fernsehen als Producer mitentwickelt und war bei Dor Film, einer der größten Filmproduktionsfirmen in Österreich, angestellt. Ich bin erst nach dem zweiten Kind – Vito ist jetzt ein Jahr alt – nicht mehr in die Fixanstellung zurückgegangen. Das ist für mich ein sehr großer Schritt, denn im Unterschied zu vielen anderen Mompreneurs war ich mit meinem Job sehr glücklich. Jetzt ist es mit zwei Kindern aber zu viel geworden und ich habe den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Wie gehen Sie mit dem starken Konkurrenzdruck bei Baby-Blogs und Babyprodukten um?

Den Blog, Salon Mama, habe ich 2014 gegründet. Da habe ich schon gewusst, dass ich eine Babypflege anbieten werde. Den Blog habe ich begonnen, um meine Zielgruppe zu erreichen. Das wichtigste beim Bloggen ist Beständigkeit und Hartnäckigkeit – viele Blogs kommen und gehen. Bei der Konkurrenz versuche ich möglichst locker zu bleiben und nicht zuviel links oder rechts zu schauen.

Kann man von einem Babyblog leben?

Wenn man sparsam lebt, wahrscheinlich schon. Ich mache nur die Kooperationen, die ich wirklich will. Ich sage sicher 80 Prozent der Anfragen ab. Gegengeschäfte mit Produkten mache ich fast gar nicht mehr – nur bei sehr kleinen Labels, die ich unterstützen will. Am Ende muss ich aber auch meine Rechnungen bezahlen.

Wie funktioniert der Vertrieb der Babyprodukte?

Wir sind bereits in sehr vielen Geschäften erhältlich. Auch international, etwa in Hong Kong. Wir brauchen den klassischen Einzelhandel, weil bei Babyprodukten Vertrauen in die Marke sehr wichtig ist. Das zweite Standbein ist der Online-Handel und den wollen wir jetzt auch ausbauen – quasi als „Mono-Brand“. Man kann online mit Storytelling, Instagram und Co. mit relativ wenigen Mitteln eine interessante Zielgruppe erreichen.

Gibt es in Österreich eine aktive Mompreneur-Community?

Über meinen Blog bin ich im deutschsprachigen Raum schon ganz gut vernetzt. Es gibt auch Events wie den Mini Markt, der zweimal jährlich stattfindet. Das ist schon ein bisschen zu einer Plattform für Mompreneurs geworden. Auf Facebook gibt es noch die Wiener Wunderweiber – eine Gruppe zum Austausch für Mompreneurs. Gegründet hat diese Gruppe Ulrike Lackner-Stauchner, mittlerweile gibt es 8.000 Mitglieder.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Geplant ist eine Sortimentserweiterung mit einem Gute-Nacht-Bad, einer leichteren Creme, einem Tee und hoffentlich einer Duftkerze. Außerdem möchte ich ein Travel-Kit anbieten. Und dann geht es um die Expansion.

Haben Sie konkrete Märkte im Auge?

Ich denke, dass Alma international gut funktionieren kann.

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