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Allindex: Schweizer Startup arbeitet an der Disruption der großen Aktienindizes

© Dimitris on Unsplash
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Mit dem Aufstieg der Neobroker und vor allem ihrer Sparpläne wird ein Thema für geldbewusste Menschen immer wichtiger: Exchange Traded Funds (ETFs). Anstatt sich beim Investieren in Einzelaktien zu verirren, bieten Online-Broker wie Trade Republic, Bitpanda oder BUX die Möglichkeit, in ETFs zu investieren.

Die bekanntesten ETFs sind jene, die auf dem MSCI World basieren – dieser internationale Aktienindex bildet die Kursentwicklung von mehr als 1.500 Aktien von Unternehmen aus 23 Industrieländern ab. Ein anderer sehr bekannter Aktienindex ist der S&P500, der 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst. Der MSCI World wird vom US-Finanzdienstleister MSCI herausgegeben, der S&P500 von der Ratingagentur Standard & Poor’s.

Aber warum sollen Aktienindizes nur von diesen Größen in der Finanzbranche herausgegeben werden können und nicht von jedem? Auch Aktienindizes sind nicht gefeit vor Disruption. Denn in der Schweiz versucht sich derzeit das Startup Allindex an der Neuerfindung eben dieser und ermöglicht so genanntes „Direct Indexing“, das gerne mal salopp als das „Netflix oder Spotify des Investierens“ bezeichnet wird. Denn bei der Methode kann sich im Prinzip jeder seinen eigenen Index zusammenstellen.

Alternative zu MSCI und Standard & Poor’s

„Mittels Direct Indexing werden die Elemente eines Index direkt in ein Portfolio repliziert als Aktien, Teilaktien oder Zertifikate. Es fällt somit die Produktverpackung, in der Regel ein ETF, weg“, sagt Aladar Tepelea. „Dies ist ein wesentlicher Meilenstein im Asset-Management-Bereich. Denn FinTech-Plattformen können dadurch den Platz von Indexanbietern wie MSCI oder Standard & Poor’s einnehmen.“ Der Österreicher ist fürs Business Development bei Allindex zuständig. Er sieht das Startup, das von den Finanzprofis  Christian Kronseder (ehemaliger COO von STOXX) und Robert Bareder(vormals Royal Bank of Scotland) als Disruptor einer hochprofitablen Branche.

„Vermögensanlage ist eine produktzentrierte und nicht kundenzentrierte Industrie. Wir revolutionieren den Markt, indem wir den Kunden in den Mittelpunkt stellen und die direkte Abbildung seiner Investmentpräferenzen – im Gegensatz zu traditionellen Anbietern völlig unabhängig von vorstrukturierten Investmentprodukten – über unsere Plattform ermöglichen“, sagt Tepelea. „Wir gehen hierbei sogar noch einen Schritt weiter als bisherige Direct-Indexing-Anbieter, indem wir es ermöglichen, neue, thematische Investment-Universen selbst zu kreieren.“ So könnten Anleger innerhalb kürzester Zeit selbst ihren Aktienindex zusammenstellen und dann in Trendthemen wie Robotics, Elektromobilität oder nachhaltige Landwirtschaft investieren. Einen Index-Anbieter, der ihre Präferenzen abdeckt, brauchen sie dann nicht mehr suchen.

Für Privatanleger kann dieses maßgeschneiderte Indexieren künftig interessant werden. Je mehr Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzen und darauf schauen, was in ETFs eigentlich drinnen steckt, desto mehr werden sich für Direct Indexing interessieren. Der MSCI World etwa mag zwar sehr attraktiv sein – doch wer etwa den Aktienindex ohne die Ölfirmen möchte, kann sich dieses Portfolio dann selbst zusammenbauen, ohne auf einen Anbieter warten zu müssen.

Neobanken und Neobroker als Kunden

„Wir stellen den Endkunden und seine Präferenzen in den Mittelpunkt, indem wir – auf einer Netflix sehr ähnlichen Benutzeroberfläche – Investmentthemen wie etwa Industrien, Länder und Megatrends in unserer „Bibliothek“ anbieten, welche der Kunde betrachten, analysieren, (mit z.B. Nachhaltigkeitskriterien) modifizieren, zur regelmäßigen Verfolgung abspeichern und schlussendlich auch kaufen kann“, sagt Tepelea. Das Geschäftsmodell von Allindex: für Retail-Kunden ist die Nutzung kostenlos, Geld macht das Startup mit institutionellen Kunden.

„Die Index-Industrie ist bis heute hochprofitabel. Die Aktie von Branchenprimus MSCI ist in den letzten fünf Jahren beispielsweise doppelt so stark gestiegen wie jener von Google“, sagt Tepelea. „Dies hat mit der oligopolistischen Marktstruktur zu tun, welche zu Margen von 65 Prozent und mehr führten. Neue Anbieter wie Allindex brechen diese Strukturen auf und ermöglichen Kunden wesentlich günstigere Konditionen.“ Institutionelle Kunden bezahlen eine Mischung aus SaaS-Lizenzgebühren für die Nutzung der B2B-Softwaresuite und einer Partizipation der Indexerträge, die über die Plattform generiert werden. Kunden können unter anderem Neobanken oder digitale Vermögensverwalter sein.

Neben Aladar Tepelea ist mit Reinhard Stary noch ein weiterer Österreicher im Team von Allindex – er war früher bei BlackRock tätig. Auch bekannte Namen aus der Finanzbranche haben Gefallen an dem Schweizer Startup gefunden. Investiert hat etwa Béatrice Jacot von der UBS, und im Aufsichtsrat sind Investmentlegende Peter Knez, der ehemalige Chief Investment Officer von BlackRock.

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