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Alibaba Group legt in Hongkong den größten Börsengang des Jahres hin

Gong!!! © Alibaba Group
Gong!!! © Alibaba Group

Eigentlich hätte es schon vor fünf Jahren so weit sein sollen, nun ist es doch 2019 geworden. Chinas führender Internet-Konzern Alibaba hat sein Debüt an der Hongkonger Börse (HKEX) erfolgreich hingelegt. Der Einstiegspreis je Aktie von 176 Hongkong-Dollar (ca. 20 Euro) wurde im Laufe des ersten Handelstages deutlich übertroffen, am Ende standen +6,6 Prozent hinter dem Ticker-Zeichen „9988“ (8 ist eine chinesische Glückszahl).

Insgesamt wurden 500 Millionen Anteilsscheine ausgegeben, die Alibaba Group konnte somit umgerechnet rund 11,3 Milliarden US-Dollar einnehmen. Damit hat der chinesische Konzern, der oft vereinfacht als das „Amazon Chinas“ bezeichnet wird, zwar seinen eigenen Rekord aus dem Jahr 2014 nicht schlagen können – denn damals listete Alibaba an der New York Stock Exchange (NYSE) und nahm rund 25 Milliarden Dollar ein. Nun können jedenfalls Alibaba-Aktien sowohl an der Wall Street als auch in Hongkong gehandelt werden.

Wie eine Heimkehr

„Ich möchte mich besonders bei Hongkong und der Hong Kong Stock Exchange bedanken. Durch die kontinuierliche Innovation und die Veränderungen am Kapitalmarkt in Hongkong können wir realisieren, was wir vor fünf Jahren leider verpasst haben. Heute haben wir verwirklicht, was wir damals gesagt haben: Wenn die Bedingungen es erlauben, werden wir nach Hongkong zurückkehren“, so Daniel Zhang, CEO der Alibaba Group, in einer Aussendung. Vor fünf Jahren wollte das Unternehmen schon an die HKEX, scheiterte aber an der Börsenaufsicht.

Alibaba-Konzernchef Daniel Zhang. © Alibaba Group
Alibaba-Konzernchef Daniel Zhang. © Alibaba Group

Dass Alibaba, neben Tencent, Baidu, Bytedance, Huawei oder Xiaomi eines der internationalen Aushängeschilder Chinas, in Hongkong an der Börse notiert, gilt es als Vertrauensbeweis und ist auch im Sinne der chinesischen Regierung. Diese ermuntert heimische Unternehmen, doch im eigenen Land an die Börse zu gehen und nicht nur in Übersee. Der Alibaba-IPO könnte Signalwirkung haben, denn auch der Uber-Rivale Didi und die TikTok-Mutter Bytedance drängen aufs Parkett. Außerdem will China ein Gegengewicht zur NASDAQ schaffen.

Ob der IPO der Alibaba Group der größte des Jahres bzw. der größte aller Zeiten bleiben wird, bleibt noch abzuwarten. Denn dieses Jahr noch soll der Börsengang des weltgrößten Erdölproduzenten, Saudi Aramco, erfolgen.

Mitten im Handelskonflikt

Außerdem: Wie bekannt toben in der chinesischen Sonderverwaltungszone seit vielen Monaten heftige Proteste. Viele Menschen in der asiatischen Metropole, die einst zu Großbritannien gehörte, fürchten sich vor einem immer festeren Griff der chinesischen Zentralregierung. Für Alibaba ist der IPO in Hongkong auch eine Absicherung im Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Alibaba, das 1999 von Jack Ma mitgegründet wurde, hat in 20 Jahren Firmengeschichte ein echtes Online-Imperium aufgebaut. Zu der Gruppe gehört nicht nur der bekannte Online-Marktplatz, sondern auch die Mobile-Payment-Lösung AliPay, der Finanzdienstleister Ant Financial, der Online-Marktplatz Taobao (ähnlich eBay), AliExpress oder Alibaba Cloud. Die Anleger sind derzeit gut gestimmt, die letzten Quartalszahlen von Alibaba zeigten satte Zuwächse beim Geschäft mit Marketplaces und Cloud-Diensten.

Seine ökonomische Power zeigte Alibaba erst kürzlich am chinesischen „Singles Day“, dem traditionell stärkstem Shopping-Tag Chinas. An einem einzigen Tag – quasi das chinesische Äquivalent zu „Cyber Monday“ oder „Black Friday“ – wurden über die Plattformen des E-Commerce-Giganten Güter im Wert von insgesamt 38,4 Milliarden Dollar abgesetzt – ein gutes Geschäft für Alibaba als Vermittlungs-Plattform zwischendrin.

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