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Airbnb: Im Krisenjahr von 18 auf 100 Milliarden Dollar

Brian Chesky, Joe Gebbia und Nate Blecharczyk haben Airbnb 2008 gegründet. © Airbnb
Brian Chesky, Joe Gebbia und Nate Blecharczyk haben Airbnb 2008 gegründet. © Airbnb

Es ist ein unglaubliches Jahr, das Brian Chesky, Joe Gebbia und Nate Blecharczyk durchlebt haben. Im März mussten sie och um ihr Unternehmen bangen, dann 25 Prozent der Belegschaft kündigen und Milliardenkredite zu einer stark geschrumpften Unternehmensbewertung aufnehmen. Und dann stehen sie im Dezember plötzlich als die Helden des größten Börsenganges des Jahres da.

Ja, unter dem Eintrag „Achterbahn“ im Duden kann man künftig als Beispiel auch Airbnb anführen. Mit dem IPO am Donnerstag gelang dem Zimmervermittler ein Comeback, das seinesgleichen sucht. Im April musste sich das Unternehmen aus San Francisco Geld bei Investoren ausborgen – und denen bot man dafür Optionsscheine bei einer Bewertung von 18 Milliarden Dollar an. Wer jetzt, acht Monate später, Airbnb-Anteile möchte, muss das Vier- bis Fünffache zahlen.

Auf 144 Dollar

Am ersten Tag an der Börse hat Airbnb (für viele Beobachter) unglaubliche 47 Milliarden Dollar Unternehmensbewertung ausgerufen (Trending Topics berichtete). Doch das war den Anlegern noch viel zu wenig: Die Aktie stieg am ersten Handelstag von anfangs 68 Dollar auf satte 144 Dollar – und hob die Marktkapitalisierung von Airbnb auf mehr als 100 Milliarde Dollar.

„Unser Geschäftsmodell heilt sich selbst“, meint Airbnb-Mitgründer Nate Blecharczyk aktuell im Interview mit dem Handelsblatt. „Die Pandemie hat die Resilienz und Anpassungsfähigkeit unseres Geschäftsmodells bewiesen. Airbnb hat jede Menge Angebote in ländlichen Gegenden – in der Umgebung, wo viele Leute gerade lieber hinreisen. Und wenn die Pandemie ausgestanden ist, wird es einen Riesendrang geben, wieder zu reisen.“

Airbnb steht mittlerweile für die digitale Zukunft des Reisens. Wenn früher beliebte Städtetrips bis auf weiteres für viele ein No-go sind – warum nicht stattdessen aufs Land fahren? Airbnb als Marktplatz-Betreiber besitzt kein einziges Zimmer, sondern kann als Plattform Unterkünfte anbieten, wo immer sie gefragt sind. In kleinen Orten, die plötzlich gefragt sind, würde sich die Nachfrage organisch herumsprechen – man müsste nicht einmal viel Werbung machen, meint Blecharczyk.

Mehr Gastgeber als je zuvor

Dass das Geschäftsmodell 100 Milliarden Dollar wert ist, muss Airbnb noch beweisen. In den ersten neun Monaten des Jahres weitete sich der Verlust auf 700 Millionen Dollar aus (Vergleichszeitraum 2019: 322 Mio. Dollar), und der Umsatz sank im selben Zeitraum auf 2,5 Milliarden Dollar (Vergleichszeitraum 2019: 3,7 Milliarden Dollar). Immerhin macht das Unternehmen mehr Umsatz als Verlust, unken Beobachter – das sei ja nicht bei allen Tech-Aktien so.

Worauf Airbnb 2021 und danach wohl bauen kann, sind die Vermieter. Anbieter von Privatunterkünften leiden auch in Österreich stark unter Corona und werden um jeden Gast ringen. Airbnb zufolge zählt die Plattform mehr Gastgeber als vor COVID. Wenn zum Angebot dann wieder die Nachfrage dazukommt, dann kann der Marktplatz wieder so richtig brummen.

Airbnb: Der IPO wird zur großen Wette auf die Zukunft des Reisens

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