Investitionen

Afrika-Startups erwarten trotz Corona Rekordjahr

Jihan Abbas, Gründerin von Kenia-Startup Lami Technologies © Lami Technologies
Jihan Abbas, Gründerin von Kenia-Startup Lami Technologies © Lami Technologies

Afrikas Wirtschaft hat durch die Corona-Pandemie schwere Schäden erlitten. Dennoch erlebt die Startup-Szene des Kontinents gerade einen starken Boom, der sich 2021 weiter verstärken dürfte. Alleine im vergangenen Jahr haben die Jungunternehmen ein Investitionsvolumen von 1,34 Milliarden Euro erreicht, was gegenüber 2019 einen Anstieg von knapp 350 Millionen Euro bedeutet. Im ersten Quartal 2021 lag das Volumen bei 550 Millionen Euro und damit fast doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Martin Sturmer, Gründer der auf Afrika spezialisierten Unternehmensberatung afrika.info, erwartet 2021 ein Rekordjahr.

„Pandemie hat Digitalisierung vorangetrieben“

„Es gibt in urbanen Räumen in Afrika heute deutlich mehr junge Akademiker als vor 20 Jahren. Vor allem die Länder Südafrika, Kenia und Nigeria verfügen über starke Startup-Szenen. Die Pandemie hat die Digitalisierung in diesen Räumen stark vorangetrieben. Das kommt den Jungfirmen sehr zugute“, erklärt Sturmer. Investoren aus unterschiedlichen Teilen der Welt seien an afrikanischen Startups interessiert, beispielsweise aus den USA, Japan und auch Österreich. So hat die Wiener Investmentgesellschaft RP Global im Dezember eine Finanzierungsrunde über 8,5 Millionen US-Dollar für die westafrikanische Solarfirma Oolu geleitet. Die Geldanlagen sind Sturmer zufolge im Vergleich zu europäischen Jungunternehmen noch relativ gering. Jedoch sei das Wachstum in Afrika sehr rasant.

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Besonders viel Potenzial haben laut Sturmer afrikanische Fintechs. „Es gibt Länder, in denen mehr Menschen mobile Konten haben als klassische Bankkonten. Startups füllen oft Lücken, die durch eine mangelnde Infrastruktur entstanden sind“, so Sturmer. Eine besondere Disruption habe die Einführung des mobilen Bezahldienstes M-Pesa im Jahr 2007 in Kenia ausgelöst. Der Service erlaubt Zahlungen per Handy von der Taxifahrt über die Stromrechnung bis hin zu Versicherungen. Auch in der Energiebranche, der Pharmaindustrie und der Mobilität sind viele Jungunternehmen tätig.

Afrika-„Big Three“ haben starke Startups

Als Beispiel für ein sehr vielversprechendes Startup nennt Sturmer Lami Technologies. Die Jungfirma aus Kenia macht Versicherungsprodukte über eine digitale Plattform für die breite Bevölkerung zugänglich. Anfang Mai hat das Startup einen Investorendeal über 1,8 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Startup-Szene von Kenias Hauptstadt Nairobi sei so prominent, dass sie als „Silicon Savannah“ bekannt ist. Der Staat sei auch ein Vorbild, was staatliche Förderungen angeht. Diese reichen von finanzieller Unterstützung bis hin zur Stärkung der Infrastruktur.

Startups und Firmenideen aus Österreich für Afrika gesucht

Sturmer gibt zu bedenken, dass ein Großteil der erfolgreichen Startups in den „Big Three“-Staaten sitzen – Kenia, Nigeria und Südafrika. Auch betreffe der Erfolg vor allem deren Großstädte Nairobi, Lagos und Kapstadt. Dennoch zeige sich auch in anderen Ländern schon teilweise hohes Potenzial, beispielsweise in Ruanda. Hier seien vor allem E-Bike-Startups wie Ampersand sehr erfolgreich. Zwischen den Big Three findet jedes Jahr ein starker Wettbewerb statt. Üblicherweise ist Kenia die Nummer eins beim Investitionsvolumen, allerdings hat Nigeria im ersten Quartal mit einer Summe von 217 Millionen Euro die Führung übernommen.  Deutlich abgeschlagen sind momentan Südafrika und Kenia mit 172 beziehungswiese 106 Millionen Euro.

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