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Scott Dunlap

Runtastic-CEO: „Legen Fokus auf adidas Running und adidas Training“

Scott Dunlap, der neue CEO von Runtastic. © Runtastic
Scott Dunlap, der neue CEO von Runtastic. © Runtastic

Bis gestern war es ein Läufer auf blauem Grund – doch ab heute wird sich das Logo der Runtastic-App auf den Smartphone-Screens deutlich ändern. Statt dem bekannten Design wird es künftig prominent die Farben und Logos des Eigentümers adidas zu sehen geben.

Die beiden meist genutzten Apps der Paschinger Firma, die der deutsche Sportartikelhersteller 2015 um rund 220 Millionen Euro kaufte, heißen nun anders: Aus „Runtastic“ wird „adidas Running“, aus der „Runtastic Results wird „adidas Training“. Während sich bei den Abogebühren nichts ändert, wird das Vorteilsprogramm „Creators Club“ von adidas angeschlossen.

adidas Running und adidas Training „by Runtastic“

Damit noch erkennbar ist, woher die Apps stammen, ist jeweils ein „by Runtastic“ beigefügt. Diese Strategie kennt man bereits von Facebook, das den Apps seiner Töchter WhatsApp und Instagram ebenfalls den Vermerk „by Facebook“ verpasst hat. adidas jedenfalls will Runtastic und seine rund 140 Millionen registrierten Nutzer enger an seine Markenwelt binden. Dafür soll auch ein neues Vorteilsprogramm in den Apps (zuerst in USA, UK und Deutschland) sorgen: Wer mit den Apps sportelt, sammelt Punkte und kann diese gegen Goodies von adidas eintauschen.

© Runtastic/adidas, Montage Trending Topics
© Runtastic/adidas, Montage Trending Topics

Die neue Strategie bei Runtastic wird vor allem durch den neuen CEO Scott Dunlap, der Mitgründer Florian Gschwandtner Ende Mai nachfolgte, getragen. Der Silicon-Valley-Veteran „deutlich nach außen tragen“, dass die beiden Firmen zusammen gehören. Zuletzt sorgte Runtastic für einigen Unmut bei Nutzern, weil Apps und Funktionen der web-Versionen eingestellt wurden. „Wir mussten einige schwierige Entscheidungen treffen“, heißt es seitens der Firma gegenüber Trending Topics.

Im großen Interview mit Trending Topics spricht Dunlap über die Neuerungen in den Apps, über das integrierte Vorteilsprogramm, über die Nutzung von Marketing-Daten und über den Wert der Marke Runtastic.

Trending Topics: Herr Dunlap, Sie sind seit Ende Mai als neuer CEO von Runtastic im Einsatz. Mit welchen Zielvorgaben sind Sie von Eigentümer adidas ins Rennen geschickt worden?

Scott Dunlap: Das smarte und schnelle Team zu nutzen und neue Wege zu finden, um Menschen für Sport und Fitness zu begeistern. Ich wurde auch nach neuen Möglichkeiten gefragt, wie adidas zu diesem Ziel beitragen und einen größeren, globalen Impact haben kann. Zwei sehr spannende Herausforderungen für mich.

Unter Ihrer Leitung geht Runtastic in eine neue Phase: Die zwei populärsten Apps, Runtastic und Results, werden in ”adidas Running by Runtastic” und ”adidas Training by Runtastic” umbenannt. Warum rückt die Marke, die seit zehn Jahren aufgebaut wurde, nun in den Hintergrund?

Wir sind bereits seit 2015 Teil der adidas-Familie. Mit dem neuen Namen und dem geänderten Look & Feel der Apps und Channels möchten wir das nun auch deutlich nach außen tragen und unseren Usern in Zukunft neue Vorteile sowie eine bessere User Experience bieten. Gemeinsam mit adidas sind wir davon überzeugt, unsere Vision, durch Sport Leben zu verändern, umsetzen zu können.

Was ändert sich noch für die Nutzer der Apps? Bleibt die monatliche Abogebühr gleich?

Die Features und Funktionen der Apps ändern sich nicht und auch die Kosten für die Premium-Mitgliedschaft bleiben gleich. Neu ist der App-Name und das App-Icon, ebenso das Design und die Farben der Apps.

Welche Vorteile gibt’s für die User? Das kostenlose adidas-Vorteilsprogramm, mehr Fokus und Entwicklungspower und dadurch neue Features, und weitere, nachhaltige Projekte wie zum Beispiel „Run For the Oceans“. Durch die vereinte Expertise von zwei globalen Sportmarken können wir unseren Usern in Zukunft das beste Sporterlebnis bieten. Die neue Einheitlichkeit stellt zudem auch die beste User Experience sicher.

Runtastic hat noch einige andere Apps. Werden diese weiter betrieben oder eingestellt?

In diesem Jahr mussten wir bereits einige schwierige Entscheidungen treffen, unter anderem auch jene, einige unserer Apps nicht weiterzuentwickeln und aus den App Stores zu entfernen. Doch um unsere Vision, durch Sport Leben zu verändern, zu verwirklichen, legen wir den Fokus auf jene Apps und Funktionen, die am häufigsten genutzt werden, und werden diese kontinuierlich weiterentwickeln und verbessern: adidas Running & adidas Training.

Die beiden Apps sollen auch mit dem adidas Membership-Programm verknüpft werden, das auf den Namen “Creators Club” hört. Müssen Nutzer dieser Verknüpfung zustimmen, bzw. was ist mit jenen Usern, die nicht daran teilnehmen wollen?

Das Feature ist kostenlos und es ist den Usern freigestellt, ob sie die Vorteile möchten. Wer unsere Apps verwendet, ist automatisch beim adidas-Vorteilsprogramm dabei. Mit jedem gelaufenen Kilometer oder absolviertem Workout sammelt man Punkte und erhält spannende Vorteile.

Der Creators Club ist zuerst in USA, Großbritannien und Deutschland verfügbar. In welche anderen Ländern, etwa Österreich, wird er noch kommen?

Dazu können wir leider noch keine Details verraten, er wird aber in der Zukunft in weitere Länder ausgerollt, die Integration in unsere Apps wird nach und nach nachgezogen.

Ziel ist, dass es einen einzigen Account bei allen Apps und Plattformen im adidas-Universum geben soll. Werden also die Daten der Runtastic-Nutzer mit den Daten bei adidas zusammengeführt? Wird man Runtastic dann nur mehr so nutzen können?

Wir sind uns dessen bewusst, dass Nutzer-Daten ein sehr sensibles Thema sind. Mit adidas teilen wir Daten nur aus speziell definierten Zwecken, wie zum Beispiel in Bezug auf den All-in-one-adidas-Account, das adidas-Vorteilsprogramm oder zu Marketing-Zwecken. Alle Details sind transparent in unseren Datenschutzbedingungen zu finden. Ein Marketing-Opt-out ist jederzeit möglich. Warum machen wir das? Wir möchten unseren Usern das bestmögliche App-Erlebnis bieten, vor allem aber auch individualisierte Vorteile und Angebote.

Für jeden gelaufenen Kilometer und jedes absolvierte Workout sollen Nutzer Punkte bekommen, die sie wiederum gegen den früheren Zugang zu neuen adidas-Produkten, Spezialangeboten, Events und exklusive Reisen eintauschen können. Wie viele Punkte muss man etwa für ein Event sammeln?

Im adidas-Vorteilsprogramm gibt es unterschiedliche Levels und je nach Level auch verschiedene Vorteile für die User. Deshalb können wir hier keine detaillierte Info geben.

Im Creator Club soll es auch Rabatte geben. Wer also viel mit Runtastic läuft, bekommt künftig günstigere Laufschuhe?

Ja, ähnlich wie zuvor beschrieben, erhält man je nach Level unterschiedliche Vorteile.

Wie wird überhaupt überprüft, ob der Nutzer wirklich gesportelt ist? Haben Sie keine Angst, dass da einfach geschummelt werden kann, gerade bei den Workouts?

Für Aktivitäten mit der adidas Running-App braucht es eine GPS-Trace, im Hintergrund wird in beiden Apps gecheckt, ob die Aktivitäten plausibel sind, ähnlich wie bei der allgemeinen Betrugsprävention.

Mein Eindruck ist, dass die Apps künftig mehr zu Marketing-Kanälen für adidas-Produkte werden – wie sehen Sie das?

Unser Ziel ist es, unsere User dazu zu inspirieren, sich mehr zu bewegen und Freude am Sport zu haben, und nicht, Marketing für Produkte zu machen.

© Runtastic, Montage Trending Topics
© Runtastic, Montage Trending Topics

Im Jahresbericht 2018 von adidas werden die Markenrechte und sonstigen immateriellen Vermögenswerte an Runtastic mit 31 Millionen Euro beziffert (2017: ebenfalls 31 Mio. Euro). Wenn nun die Marke Runtastic in den Hintergrund rückt – was bedeutet das für den Wert der Markenrechte?

adidas wird die Bewertung aller Aktiva inklusive der Markenrechte und sonstiger immaterieller Vermögenswerte zum Stichtag 31.12.2019 in seinem Geschäftsbericht 2019 darstellen, der im März 2020 veröffentlicht wird.

Gemeinsam mit Partnern sondiert Runtastic das Thema ‚Connected Athlete‘. Welche Services und Produkte kann man sich darunter vorstellen? Vernetzte Sportbekleidung?

Die Kraft des „Connected Athlete” beruht auf zwei Dingen: einer tief greifenden Selbsterkenntnis und der Fähigkeit, sein Wissen und seine Energie gemeinsam anzuwenden. Indem man Daten, Insights und Feedback relativ leicht selbst sammeln kann und man vom ersten Tag an begleitet wird, lernt man sich selbst besser kennen. Daher sind wir ständig auf der Suche nach Partnern, neuen Features, neuen Konzepten, Trainingsplänen, oder ähnlichem, damit wir Athleten helfen können, sich selbst besser kennen zu lernen.

Dann können die User ihr Wissen an ihre Freunde, ihr Netzwerk, weitergeben – indem sie ihre Geschichte teilen, andere mit Features wie „LIVE Cheering” anfeuern, an einer lokalen Challenge teilnehmen oder indem wir Millionen von Menschen durch eine globale Kampagne wie „Run For The Oceans” vereinen. Der „Connected Athlete” ist nicht nur selbst ein besserer Athlet, er macht die Welt zu einer besseren.

Herr Dunlap, Sie waren zuvor bei Brilliant Home Technology in San Mateo tätig. Wie stark ist der Kontrast zwischen dem Silicon Valley und Pasching in Oberösterreich? Oder gibt es mehr Gemeinsamkeiten, als man denkt?

Nach mehr als 20 Jahren im Silicon Valley bin ich vor einigen Monaten nach Pasching übersiedelt. Die größte Gemeinsamkeit sind die smarten und passionierten Mitarbeiter. Sie sind offen, Neues auszuprobieren und wollen herausfinden, wie Technologie dabei helfen kann, das Leben zum Positiven zu verändern. Ich finde, das Team hier in Österreich arbeitet sehr wohlüberlegt und zielgerichtet im Vergleich zum Silicon Valley, wo man gerne mal Risiken eingeht. Und man weiß hier definitiv, wie man Erfolge feiert.

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