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add-e tuned dein Fahrrad – und macht es schneller als die Polizei erlaubt

Fabian Gutbrod und sein Bike mit add-e. © add-e
Fabian Gutbrod und sein Bike mit add-e. © add-e

Die Geschichte hinter add-e ist wie aus dem Bilderbuch für Startup-Investoren gegriffen. Gründer Fabian Gutbrod hat mit seiner Idee eine Lösung für ein Alltagsproblem gefunden, das viele Menschen haben. Als Student ist er täglich mit seinem Fahrrad zur FH gefahren und dort völlig verschwitzt angekommen. Ein Elektroantrieb hätte geholfen, Gutbrod hatte aber schon ein gutes Fahrrad und keine Lust umzusteigen. Deshalb hat er einige Teile eines E-Rollers ausgebaut und sein eigenes Fahrrad damit umgerüstet. Nach einigen Jahren Entwicklung wurde daraus eine Geschäftsidee. 2015 sammelte das Startup, das eigentlich GP Motion heißt, auf Kickstarter und Indiegogo fast eine halbe Million Euro durch Vorbestellungen ein und ging in die Serienproduktion.

Add-e ist nicht der einzige Nachrüstsatz für herkömmliche Fahrräder, aber in manchen Punkten besser als die Konkurrenz. Der Nachrüstsatz ist vergleichsweise leicht und einfach zu montieren. Es muss nicht gebohrt werden – die Komponenten werden einfach an vorhandenen Befestigungspunkten des Rahmens angeschraubt, der Akku wird wie eine Trinkflasche in die entsprechende Halterung gesteckt. Je nach Fahrrad dauert die Erst-Montage ein bis zwei Stunden. Der Rekord von Gutbrod liegt bei 14 Minuten.

add-e ist schneller als erlaubt

GP Motion bietet zwei Varianten an, eine „Lite“-Version, die 890 Euro kostet und mit 250 Watt Geschwindigkeiten bis 25 km/h ermöglicht. Und eine Sport-Version um 1.100 Euro, die mit 600 Watt bis zu 45 km/h möglich macht. „Das ist in den meisten Ländern in Europa eigentlich illegal“, erklärt Gutbrod im Gespräch mit Trending Topics. Es gibt deshalb ein Dongle, mit dem die Geschwindigkeit auf 25 km/h gedrosselt wird. Ob der Fahrer das auch wirklich tut oder nicht, liege in seiner eigenen Verantwortung, meint Gutbrod.

Hartes Marktumfeld

Der Fahrradmarkt ist ein schwieriges Pflaster und immer wieder schlittern kleine Firmen in die Insolvenz – zuletzt etwa das Wiener Nobel-E-Bike-Startup Freygeist. „Der Markt ist so schwierig, weil es einige sehr große Player gibt, die mit millionenschweren Marketingbudgets alles dominieren“, erklärt Gutbrod. Man müsse auch gut wirtschaften und auf Zeiten vorbereitet sein, in denen der Absatz nicht so stark ist. GP Motion kennt diese Probleme bisher nur aus der Theorie, denn die add-e-Bestellungen sind meistens höher als produziert werden kann. Letztes Jahr lag der Umsatz bereits knapp über einer Million Euro.

Herausforderung Einzelhandel

Heuer konzentriert sich das Startup auf den Aufbau eines Händlernetzwerks in Europa. Laut Gutbrod keine leichte Aufgabe. Einerseits ist es sehr kostenintensiv und gerade in Ländern abseits des DACH-Raumes mangels Netzwerk schwierig, an die richtigen Händler heranzukommen. Das Händlernetzwerk ist für GP Motion deshalb so wichtig, weil der Support für add-e sehr aufwändig ist. „In Wahrheit bräuchten wir in der Saison zehn ständige Support-Mitarbeiter und im Winter wiederum keine“, sagt der Gründer. Gut geschulte Partner könnten da besser helfen.

Auch an der Unternehmenskultur will Gutbrod noch arbeiten. Das Team ist mittlerweile auf acht Mitarbeiter angewachsen und die stecken viel ihrer Zeit in das Startup. Gutbrod will deshalb für möglichst angenehme Arbeitsbedingungen sorgen: „Wir wollen jetzt mehr Mitarbeiter-Events wie gemeinsames Grillen machen – wie im Silicon Valley“.

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