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Account Analysis: Österreicher hilft, Propaganda-Bots auf Twitter zu erkennen

Luca Hammer, Macher von Account Analysis. © Tony Gigov
Luca Hammer, Macher von Account Analysis. © Tony Gigov

Der Österreicher Luca Hammer, seit mehreren Jahren in Deutschland verortet und dort als Social-Media-Analyst etwa fürs Öffentlich-rechtliche Fernsehen tätig, ist einer der Early Adopter des Kurznachrichtendienstes. Jetzt hat er seinen eigenen Web-Dienst geschaffen: Account Analysis. Der Analyse-Dienst soll Journalisten und Wissenschaftlern dabei helfen, Propaganda-Profile und Bots auf Twitter zu entdecken.

„Mit Account Analysis kann man schneller erkennen, ob es sich bei einem Konto um einen Bot handelt”, sagt Hammer zu Trending Topics. Sein neuer Dienst, der auf Product Hunt gelauncht ist, analysiert Accounts hinsichtlich Tweet-Rhythmus, Typen von Tweets (Retweets, Replys, Quote, usw.) oder den verwendeten Apps bzw. Web-Interfaces, mit denen Accounts auf Twitter zugreifen. Er wolle aber nicht automatisiert feststellen, ob man es mit einem Bot zu tun hat, sondern lediglich Hilfestellung geben. „Die Interpretation muss weiter der Mensch machen“, so Hammer.

Damit unterscheidet sich Account Analysis von anderen Tools wie Botometer. Dieses analysiert ebenfalls Twitter-Accounts und bewertet dann auf Basis unterschiedlicher Faktoren, wie wahrscheinlich es sich um einen Bot handelt. Eine solche Wertung will Hammer aber nicht liefern. Oft würden Accounts von echten Menschen deswegen für Bots gehalten werden. Somit ist Account Analysis ein Werkzeug, das sich an Spezialisten richtet, die sich mit der Materie auskennen.

Auffälliges Verhalten erkennen

Im Zuge von Propaganda-Kampagnen in Russland oder kürzlich in Hongkong ist der Bedarf, Twitter-Accounts schnell und einfach analysieren zu können, gestiegen, so Hammer. Sein Tool könne wichtige Hinweise auf eine solche Nutzung liefern. “Wenn Accounts zu Propaganda-Zecken eingesetzt werden, dann sind diese oft lange Zeit stillgelegt und werden dann plötzlich wieder aktiviert”, so Hammer. Ein weiteres Indiz: “Bots veröffentlichen oft jeden Tag eine ähnliche Menge an Tweets, kein Mensch macht so etwas.”

© Account Analysis
© Account Analysis

Mit Account Analysis könne man unnatürliches Verhalten einfach erkennen. Bots, die zu Propaganda-Zwecken genutzt werden, werden von den Hintermännern oft mit automatisierten Tools gesteuert. Doch dabei wird oft vergessen, einen Tag-Nacht-Rhythmus zu programmieren – ein wichtiger Hinweis auf nicht-menschliches Verhalten. Auch die Typen von Tweets, die ein Account verwendet, können verräterisch sein. “Die wenigsten Menschen machen nur Retweets”, sagt Hammer. Auch sei es für Menschen ungewöhnlich, nur einige wenige Hashtags zu verwenden.

„Twitter wird immer Nische bleiben“

Ist Twitter in der öffentlichen Kommunikation aber noch relevant? “Twitter war immer Nische und wird immer Nische bleiben“, sagt Hammer. Doch diese Nische sei eine wichtige – auch für jene, die versuchen, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen. “Die breite Masse erreicht man dort nicht, aber Personen mit größerem gesellschaftlichen Einfluss sehr wohl“, so der Social-Media-Analyst. In Österreich etwa würden 40 Prozent der Journalisten Twitter verwenden.

Mit Account Analysis gedenkt Hammer, nebenbei auch etwas Geld zu verdienen. Prinzipiell ist die Analyse von 600 Tweets pro Account kostenlos. Wer bis zu 3.200 Tweets pro Account checken lassen will, der bezahlt 15 Euro pro Monat. Künftig will Hammer wie Analyse nicht nur für Accounts ermöglichen, sondern auch Suchbegriffe überprüfen lassen.

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