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Dolphin Technologies

Ab 2020 könnten hunderte Drohnen in Österreich selbstständig Bilder von Autounfällen schicken

Die Drohne von Dolphin Technologies © Dolphin
Die Drohne von Dolphin Technologies © Dolphin

Was ist an einem Unfallort genau los? Eine Antwort auf diese Frage zu haben, noch bevor Einsatzkräfte losfahren, könnte einen entscheidenden Zeitvorsprung bedeuten. Das Wiener Unternehmen Dolphin Technologies will dazu Drohnen einsetzen. Ein Netzwerk aus 400 bis 1.000 Drohnen soll dafür sorgen, dass spätestens zwei Minuten nach einem Notruf erste Bilder vom Unfallort geschickt werden können. Noch gibt es rechtliche Hürden – Drohnen dürfen nicht über bewohntem Gebiet fliegen – und auch haftungstechnisch offene Fragen. CEO Harald Trautsch rechnet damit, dass die bis 2020 ausgeräumt sein könnten. Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) will nächstes Jahr Drohnen auch als Flugtaxis einsetzen.

eCall-Pioniere aus Österreich

Dolphin Technologies entwickelt Telematik-Lösungen für Versicherer und Auto-Hersteller und zählt beispielsweise zu den Vorreitern bei eCall-Systemen. Etwa 60.000 Fahrzeuge wurden bereits mit dem System von Dolphin nachgerüstet und zwar schon länger als die Direktive der EU dazu in Kraft ist, so Trautsch. eCall-Systeme sorgen dafür, dass Fahrzeuginsassen direkt aus dem Auto einen Notruf per Knopfdruck absetzen können. Das Unternehmen, das 2014 von den Gründern und heimischen Investoren von der italienischen MetaSystem Group zurückgekauft wurde, macht mit seinen Services derzeit rund 6,5 Millionen Euro Umsatz. Zu den Kunden zählen unter anderem Uniqa, MunichRe, Porsche oder Volkswagen.

Dolphin hat nun ein System entwickelt, dass es Mitarbeitern in der Notrufzentrale ermöglicht, per Knopfdruck eine Drohne zum Unfallort zu schicken. Die Route wird automatisch an die Drohne geschickt, diese fliegt los und bleibt dann am Zielort um Fotos zu schicken. Die Rückreise tritt das Fluggerät automatisch an, wenn de Akku schwach wird. In Zukunft könnten Drohnen auch bei größeren Unfällen helfen, ist sich Trautsch sicher: „Bei Massenkarambolagen können sie eine Einschätzung liefern, in welchem Fahrzeug Hilfe am dringendsten notwendig ist“. Dolphin ist in ein internationales Projekt eingebunden, das sich genau dieser Herausforderung stellt.

Drei Haupverkehrsachsen, bis zu 1.000 Drohnen

Das System ist natürlich nur dann wertvoll, wenn die Drohnen schnell genug am Unfallort sein können. Um das zu gewährleisten, will Dolphin ein enges Netz solcher Drohnen spannen. „Im Grunde genommen bestehen lediglich 20 Prozent der Fläche in Österreich aus Straßen“, erklärt Trautsch. „Wir haben Österreich entlang von drei Hauptverkehrs-Achsen in Grids eingeteilt: eine Ost-West-Achse und zwei Nord-Süd-Achsen“. Ein Grid umfasse etwa fünf mal fünf Kilometer und werde bei der geplanten Vollabdeckung von einer Drohne besetzt, die dann in maximal zwei Minuten überall in diesem Areal sein kann. Um die neuralgischen Punkte entlang der Achsen abdecken zu können, schätzt Trautsch den Bedarf auf 400 Drohnen. Für eine Vollabdeckung bräuchte es 800 bis 1.000 Drohnen, auch, um zB Orte mit starker Thermik besser abzudecken.

Exekutive könnte zur Finanzierung beitragen

Derzeit ist Dolphin noch in der Testphase. Die Drohnen fliegen hauptsächlich in dem unbewohnten Gebiet rund um das Büro des Unternehmens bei der Wiener Krieau. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, um Dolphin seine Drohnen-Crew zu Einsätzen schicken kann, soll es auch Schnittstellen für Einsatzkräfte geben. Trautsch stellt sich das ähnlich vor wie bei ÖAMTC-Hubschraubern. Exekutive und Rettung können die Drohnen für Einsätze nutzen und tragen so zur Finanzierung bei.

Dass 2020 in Österreich tatsächlich Flugtaxis abheben, sieht Trautsch als absolut realistisch. „Flugtaxis sind einfacher umzusetzen als selbstfahrende Autos – es gibt weniger Hindernisse, weniger Verkehrsteilnehmer“, so der Experte.

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