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Series B

70 Millionen Euro für GoStudent aus Wien. Nächstes Ziel: die Börse.

Alfons Priessner, Chief of Staff, Felix Ohswald, CEO & Co-Founder, Laura Warnier, Chief Growth Officer, und Gregor Müller, COO Co-Founder von GoStudent. © GoStudent
Alfons Priessner, Chief of Staff, Felix Ohswald, CEO & Co-Founder, Laura Warnier, Chief Growth Officer, und Gregor Müller, COO Co-Founder von GoStudent. © GoStudent

Achtung, diesmal kein Unicorn-Alarm in Österreich, aber trotzdem darf die Startup-Szene heute wieder feiern. Die Helden heute: Felix Ohswald und Gregor Müller, die Gründer des Wiener EdTechs GoStudent, und ihr mittlerweile 320 Köpfe starkes Team. Denn in der Series B holt das junge Unternehmen, das über seinen Online-Marktplatz Nachhilfelehrer an Schüler bzw. ihre Eltern vermittelt, satte 70 Millionen Euro an Bord. „Wir konnten das Wachstum in den letzten sechs Monaten noch einmal so richtig ankurbeln“, sagt Ohswald zu Trending Topics. „Wir sind dem Unicorn-Status dicht auf den Fersen.“

70 Millionen Euro – das ist noch einmal ein Vielfaches der 13,3 Millionen Euro, die das Wiener Startup 2020 aufgenommen hat (Trending Topics berichtete). Das starke Wachstum, dass GoStudent 2020 hingelegt hat, hat schließlich auch den Neuinvestor Coatue aus New York auf den Plan gerufen, der die Runde anführt (auch Leftlane Capital und DN Capital sind mitgezogen). Coatue ist ein Hedge-Fonds aus New York, der bereits in Bildungsfirmen in den Riesenmärkten China und Indien investierte – jetzt rückt auch Europa in den Fokus.

Gregor Müller (COO) und Felix Ohswald (CEO) von GoStudent. © GoStudent
Gregor Müller (COO) und Felix Ohswald (CEO) von GoStudent. © GoStudent

Ein besonderes Ziel will Coatue bei GoStudent mittragen: einen Börsengang. „Absolut, da wollen wir hin. Da gibt es im Bildungsbereich für 6 bis 19-Jährige eine Riesenlücke“, bestätigt Ohswald. Mit Kahoot aus Oslo gibt es eine spielebasierte Lernplattform, aber sonst spielt sich in Sachen EdTech vieles in China oder Indien ab. GoStudent soll nun den Nachhilfemarkt in Europa auf digitalem Wege erobern. „Im europäischen Raum werden jährlich 30 Milliarden Euro für den privaten Nachhilfeunterricht ausgegeben“, sagt Ohswald. „Dieser Markt ist stark fragmentiert und bietet Platz für einen Player, der über mehrere Länder skalierbar eine hohe Qualität bringen kann.“

Dieser Player, der soll natürlich GoStudent sein. Man habe die Formel, wie man im Bildungsbereich am Alten Kontinent expandieren kann, geknackt. „Wir haben den Beweis, dass wir unser Geschäftsmodell internationalisieren können. Bildung war in der Vergangenheit immer ein sehr lokales Business, auch im Digitalen. Aber nach unserer Frankreich-Expansion sind wir sehr schnell in neue Märkte gegangen, und das hat den Investoren auch gefallen“, so Ohswald. Im vergangenen Jahr sei die Firma um knapp 1.000 Prozent beim Umsatz als auch bei den Mitarbeitern gewachsen, 2021 strebt man noch einmal Wachstum um das Fünf- oder Sechsfache an. Man habe das Team, das den „nötigen Drive“ für die weitere Internationalisierung mitbringe.

Geheimrezept „Managed Marketplace“

Aktuell sind es 15.000 Schüler auf der einen und mehr als 3.000 Lehrer auf der anderen Seite, die die Plattform zusammenbringt. „Das Spannende an unserem Modell ist, dass wir nicht wie ein klassischer Marktplatz agieren, sondern wir sind ein Managed Marketplace“, sagt Ohswald. Bedeutet: Eltern müssen den richtigen Nachhilfelehrer nicht auf eigene Faust suchen, sondern Mitarbeiter rufen die Eltern an, eruieren den Lernbedarf, suchen den Nachhilfelehrer aus und betreuen den Lernprozess mit. Das soll hohe Kundenzufriedenheit bringen. „Das Modell hat den Vorteil gegenüber klassischen Marktplätzen, dass der Lifetime Value der Kunden viel höher ist, weil man sie viel länger betreuen kann und sie dadurch viel mehr Geld ausgeben“, sagt Ohswald. „Man muss aber sicherstellen, dass man die Kunden individualisiert betreuen kann.“

Deswegen brauche es nicht nur viele Mitarbeiter, sondern auch die passende Technologie. Bis Ende des Jahres soll GoStudent auf 800 Mitarbeiter anwachsen, nach dem DACH-Raum, Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien, kommen Griechenland, Türkei, Niederlande und Russland als neue Märkte dazu. Bei der Expansion in einen neuen Markt braucht es zuerst das Personal und dann gute Nachhilfelehrer, um den Kunden etwas bieten zu können. „Es ist langfristig unser Anspruch, dass wir Nachhilfelehrer davon begeistern können, so einen Job auf Teilzeit oder sogar Vollzeit-Basis nachgehen zu können“, sagt Ohswald. „Die größte Herausforderung bei der Expansion ist, das Personal zu finden, also den Country Manager und die ersten Mitarbeiter.“

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Expansion in Europa

Generell rät Ohswald anderen Gründern zur Expansion in Europa. „Wenn man es schafft, eine starke Präsenz in Europa aufbauen zu können, dann gibt das einen Vorteil gegenüber US- oder asiatischen Playern. Ich kann europäischen Gründern nur raten, rasch in andere Länder zu expandieren, weil man so die Bewertung erhöht und man sich insgesamt viel attraktiver macht als wenn man einfach im Kernmarkt bleibt und dort versucht, 0,1 Prozent mehr Marktanteile zu sichern.“

Nach den europäischen Märkten sind auch Süd- und Lateinamerika und Asien interessant für die Firma – nur um China und Indien will man einen Bogen machen, da wäre der Mitbewerb bereits sehr stark. Und noch ein Gedanke ist aufgekommen: Warum alles im digitalen Raum belassen? Denkbar wäre schließlich auch, dass GoStudent zu einer Privatschule mit eigenen Schulgebäuden wird, in dem hybrides Lernen zwischen Offline und Online neu umgesetzt wird. Ohswald: „Vielleicht, es ist alles möglich.“

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