Channel

Ecosystem

Langzeitstudie

3 Jahre monatlich 1.200 Euro: Deutschland erforscht das Bedingungslose Grundeinkommen

Berlin, Berlin. © Jeison Higuita on Unsplash
Berlin, Berlin. © Jeison Higuita on Unsplash

Werden Menschen freier, krisenfest und zukunftsfähiger in ihrer Entwicklung – oder werden sie faul? Diese Frage stellen sich viele jener, die sich mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) beschäftigen. Die Corona-Krise hat, wie mehrmals berichtet, das Konzept wieder in die Schlagzeilen gebracht – auch weil etwa der Papst oder das United Nations Development Programme (UNDP) es forderten, um von Armut bedrohten Menschen in der Krise zu helfen.

Nun wird das BGE auch in Deutschland ein großes Thema. Denn in den nächsten drei Jahren soll in einer Langzeitstudie herausgefunden werden, wie sich das Modell in der Praxis auswirkt. Dazu werden 120 Menschen über drei Jahre jeweils 1.200 Euro monatlich bekommen – bewerben kann sich dafür jeder Mensch über 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland. Sobald sich eine Million Menschen beworben haben, soll der Auslosungsprozess starten. Die Studie selbst soll im Frühjahr 2021 beginnen.

Wird die Gesellschaft krisenfest?

Durchgeführt wird die Studie vom Verein Mein Grundeinkommen, der, wie der Name schon verrät, ein Verfechter des BGE ist, gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Die Neugier an der Frage, wie ein Bedingungsloses Grundeinkommen wirkt, ist in die DNA unserer Organisation geschrieben. Deshalb gehen wir jetzt den nächsten Schritt und wollen wissen: Hat ein Bedingungsloses Grundeinkommen das Potenzial unsere Gesellschaft krisenfest und zukunftsfähig zu machen?“, so Maheba Goedeke Tort, Mitglied der Geschäftsführung von Mein Grundeinkommen.

1.200 Euro monatlich drei Jahre lang für 120 Personen – dafür braucht es etwa 5,2 Millionen Euro. Dieses Geld, heißt es seitens des Vereins, soll über 140.000 private Spender zusammenkommen.

Finanzierung als große Frage

Die Einführung eines BGE ist natürlich strittig. Neben den Auswirkungen auf die Empfänger ist vor allem die Finanzierung ein Knackpunkt. 1.200 Euro pro Monat für jeden deutschen Bürger würden Kosten von knapp 1,2 Billionen Euro bedeuten, das sind laut Zeit Online etwa 30 Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung.

In Finnland wurde das BGE bereits erprobt, hatte aber keine großen Erkenntnisse zu Tage gebracht (Trending Topics berichtete), in der Schweiz wurde es per Volksabstimmung abgelehnt. Doch in Deutschland soll es trotzdem die Studie benötigen. „Bisherige weltweite Experimente sind für die aktuelle Debatte in Deutschland weitgehend unbrauchbar“, so Jürgen Schupp vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag. „Diese Studie ist eine Riesenchance, um die uns seit Jahren begleitende theoretische Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen in die soziale Wirklichkeit überführen zu können.“

Springe zu:

Ganzen Artikel lesen