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Gastkommentar

2030: Wie werden sich Startups in der nächsten Dekade entwickeln, Franz Enzenhofer?

Franz Enzenhofer. © Christa Gaigg / Atelier Authentic
Franz Enzenhofer. © Christa Gaigg / Atelier Authentic

Voraussagen über die Zukunft sind meistens falsch, können aber interessant sein und zum Nachdenken anregen. Wie wird also das Startup im Jahr 2030 ausschauen? Ein subjektiver, provokanter Gastkommentar von SEO-Spezialist Franz Enzenhofer, der zuletzt beim britischen Fintech Curve tätig war und derzeit an www.securrr.app arbeitet, das im ersten Quartal 2020 gelauncht werden soll.

1. Kein Marketing

Die kreative Marketingabteilung, die kreative Marketingagentur wird nicht mehr existieren. Ok, vielleicht werden Abteilungen noch „Marketing“ heißen, aber die letzten Überbleibsel des „Mad Men“-Mindsets (man baut ein Produkt und vermarktet dieses dann) liegen jetzt schon im Sterben und werden 2030 tot sein. Ersetzt wird Marketing von schneller Iteration von kreativen Ideen, die von überall aus den Unternehmen kommen – segmentiert ausgerollt und datengetrieben verbessert.

An alle Marketing-Menschen: keine Angst! Kreativität und Kundenverständnis werden mehr denn je gefragt sein, und zwar gepaart mit massiven Daten-Verständnis. Aber das Kampagnen- und Werbeagentur-Denken, und damit auch die Abteilungen im Unternehmen, sind 2030 mehr als tot.

2. Automatisiertes Design

Ihr kennt www.remove.bg, die AI-Lösung aus Wien, die Hintergründe aus Fotos auf Knopfdruck entfernt? Dies ist nur die Spitze des kommenden Eisberges. Design – oder die tatsächliche Umsetzung von Design – wird via Tools erfolgen, welche ad hoc tausende Vorschläge präsentieren und man nur noch eines auswählt. Said that – Personen, die die Anforderungen formulieren können, die Richtung vorgeben und dann  auswählen, werden gebraucht. Wahrscheinlich werden sie noch Designer heißen, aber die Tools der letzten Jahrzehnte sind dann nur noch Ballast.

3. Nocode

Developer werden nur noch am Produkt des Startups arbeiten – dort, wo ihr Wert am größten ist. Alles drum herum wird automatisiert, mit Nocode- oder Software as a Service-Tools, die mit anderen Nocode-Tools integriert sind. Custom geschriebener Code wird noch existieren, aber der Fokus wird sich dort abspielen, wo der Wert am größten ist, und zwar direkt im Produkt, nicht drumherum. Dieser ist auch jetzt schon eine Liability für Unternehmen, braucht aber noch ein Jahrzehnt zum Aussterben. Auch alles, was innerhalb eines Produkts mit Nocode erledigt werden kann, wird ebenfalls mit Nocode erledigt.

4. Integratoren, Connectoren, Automatoren

Die Welt der Services, Tools und Software ist fragmentiert. Diese sind a priori nicht miteinander verbunden. Services, als auch spezielle Skills werden entstehen, diese miteinander zu verbinden und zu integrieren. Systeme sind immer an ihren Schnittstellen fragil. Automatoren, Integratoren, Connectoren (m/w/d) wird als eigene Berufsgruppe entstehen und sich drum kümmern.

5. Satelliten-Workforce

Die Zukunft ist remote! Die Zukunft ist das Face-2-Face Team! Ich meine: Die Zukunft ist beides. Jeder, wirklich jeder in einem Startup arbeitet jetzt schon remote, selbst wenn ein Office mit Anwesenheitspflicht existiert. Wir arbeiten am Handy, im Zug, im Flugzeug, beim Gehen, …. Remote hat Vorteile, F2F hat Vorteile. Die Zukunft werden Satelliten sein, Offices für F2F-Kommunikation in verschiedenen Ländern mit einer Remote-Arbeitskultur, bei der es egal ist, wo die handelnden Personen sitzen. Neue Tools (✝ Slack) und Arbeitsweisen werden entstehen, die dies reibungsloser ermöglichen. Und: Video-Calls werden immer noch in den ersten 5 Minuten Mist sein.

6. Das KMU und seine StartUps

Grosse Unternehmen sind träge. Einzelne Startups sind fragil, sie kommen und gehen. Die meisten Startups, die von großen Unternehmen gekauft werden, scheitern nach spätestens 2 Jahren, nachdem sie von eben diesen in die träge Masse integriert wurden. Der Trend zu Satelliten-Startups – „so gut wie“ gekaufte Startups, aber nicht komplett integriert – wird anhalten und zur Norm werden. Auch KMUs werden sich ein Mini-Ökosystem von Startups bauen, das sie integrieren – aber nicht so eng, dass die Trägheit als auch die Fragilität sich gegenseitig überträgt.

7. Unicorns und Cthulhus

Auch in diesem Setup werden manche Startups zu Unicorns (1 Milliarde plus Valuation) aufsteigen, und zwar öfters als heute, was aber keinerlei Aussage über ihren tatsächlichen Impact und ihre langfristigen Überlebenschancen zulässt. Facebook, Google und Amazon werden immer noch existieren und die Unicorns verschlingen, als die Cthulhus der Startup-Welt. Sie sind „too big to die“.

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