Startups

2 Minuten 2 Millionen: Zu nervös? „Geh, tua weita“!

Die Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“ ist auch in der sechsten Staffel noch für Überraschungen gut. Zum Beispiel, wenn ein Pitch so richtig in die Hose geht, Bau-Tycoon Hans-Peter Haselsteiner die Beschreibung des Produkts übernimmt und dann trotzdem ein Investment zustande kommt.

Martin Fritz eröffnet die Show mit seinem Infra-Chair. Eigentlich ein findiger Problemlöser: “Wer setzt sich schon gerne alleine in den Keller in seine Infrarotkabine”, sagt der Holzbau-Unternehmer. Sein Sessel verspricht die selbe Wirkung wie eine Kabine, kann aber überall hin mitgenommen werden. Aber Fritz ist zu nervös, um das kurz und knackig zu pitchen. Nach ein paar Sekunden knickt er ein: “Ich kann das nicht”. Leo Hillinger versucht ihn einfühlsam zu motivieren: “Geh, tua weita!” Es geht wieder schief.

„Wir sehen ja, was es ist“

Haselsteiner rettet die Situation: “Wir sehen ja, was es ist: ein klappbarer Stuhl mit einer Rückenlehne, wo es warm weggeht”. Fritz will 150.000 Euro für 20 Prozent. Bei der Fragenrunde wird der Tiroler Erfinder lockerer, das Interesse der Investoren ist merkbar. Leo Hillinger ist raus, er hat schon in Infrarot-Kabinen investiert. “In die alte Technologie”, wie er sich nun von Haselsteiner sagen lassen muss. Teleshopping-Profi Katharina Schneider will noch Details prüfen und kann sich dann ein Co-Investment mit Impact-Investor Martin Rohla und Haselsteiner vorstellen: jeweils 50.000 Euro für jeweils 10 Prozent. Fritz schlägt ein.

Instahelp: Kein Cash-Investment nach harten Verhandlungen

Fast jeder Zehnte leidet in Österreich an psychischen Problemen – eine große Chance für das zweite Startup des Abends, Instahelp. Das 2017 gegründete Startup hat bereits rund 20.000 Kunden und weiteren 20.000 Mitarbeitern von Unternehmenskunden psychologische Online-Beratung vermittelt. 2018 hat Instahelp etwa 600.000 Euro Umsatz gemacht.

CEO Bernadette Frech wünscht sich für die Expansion ein Investment von 500.000 Euro für 10 Prozent, das eine Ergänzung zu einem bereits versprochenen Investment von ebenfalls 500.000 Euro sein soll. Die Bewertung von 5 Millionen Euro ist sehr hoch, das erste Gegenangebot kommt in Form von Medienvolumen von 7Ventures: 1,5 Millionen Euro TV-Werbung für 10 Prozent. Das Angebot von Daniel Zech nimmt Frech gerne an. Die Investment-Angebote von Rohla und Florian Gschwandtner versucht sie nachzuverhandeln, am Ende kommt es aber zu keiner Einigung.

Doch im Nachzug stellte Instahelp dann doch ein Investment auf. Zu den 1,5 Millionen Euro Medienvolumen kam offenbar noch ein Millioneninvestment hinzu – Instahelp verrät nur die Gesamtsumme von 3 Millionen Euro, die aus Cash und Medienvolumen besteht. Das Geld kommt von den Runtastic-Gründern (8eyes), der Instahelp-Mutter Up To Eleven und den Up To Eleven-Gesellschaftern Toto Wolff und René Berger über deren Beteiligungsgesellschaft.

+++ Grazer Startup Instahelp stellt nach der Show Millioneninvestment auf +++

Ein hart umkämpfter Milliardenmarkt

Im deutschsprachigen Raum werden jährlich über eine Milliarde Euro für Pölster, Decken und Matratzen ausgegeben. Noch spielt das niederösterreichische Startup Quqon mit seinen individuellen Maß-Matratzen in dem hart umkämpften Markt eine kleine Rolle, das soll sich aber ändern. Gründer und Chef Markus Hössinger will für 250.000 Euro 15 Prozent seiner Firma abgeben.

Florian Gschwandtner will wissen, wieviel Hössinger an einer Matratze verdient, denn Matratzen kauft sich selbst der treueste Kunde nur etwa alle zehn Jahre. 60 Prozent des Verkaufspreises bleiben Quqon, meint Hössinger – das ergibt nach der Rechnung von Hillinger einen Umsatz in knapp über einem Jahr von 700.000 Euro. Katharina Schneider ist beeindruckt. Martin Rohla bietet 100.000 Euro für 10 Prozent. Katharina Schneider will prüfen, ob ihr Teleshopping-Matratzen-Engagement mit Quqon zusammenpassen und kann sich dann vorstellen mitzuziehen. Hössinger schlägt ein.

Proteine to go

Marco Perner und Andreas Fauster haben einen Protein-Shake entwickelt, der in einem kleinen Beutel mit Wasser gemischt werden kann. Kein umständliches Anmischen, Schleppen von Pulver-Dosen und weniger Plastik-Müll. Der Marktstart ist aber noch nicht gelungen. “Es ist ein Sieb eingebaut, das garantiert, dass der Shake nicht klumpt und schön cremig ist”, versprechen die Gründer im Pitch. Florian Gschwandtner schüttelt und gießt eine klumpige Flüssigkeit in ein Glas. Wenn man die Maximalfüll-Markierung beherzigt, passiert das nicht, meint Perner.

Es gibt über eine Crowdfunding-Kampagne 200 Vorbestellungen aus neun Ländern. Die beiden Gründer wollen 100.000 Euro für 10 Prozent. Leo Hillinger hat schon in ein Protein-Startup investiert. Für Gschwandtner ist es gefühlt zu viel Müll und ihn hat das tägliche Shaken noch nie gestört. Aber Bipa glaubt an das Produkt und will Protygo unter die Arme greifen und vielleicht listen.

Offenes Feuer in Holzhütten

Hannes Strobl und Patrick Nebois bieten Grillparties mit offenem Feuer in Holzhütten in Wien an. Ein Albtraum für Ämter, aber die Gründer konnten das Magistrat überzeugen. Seit drei Saisonen darf gegrillt werden und das bringt mittlerweile einen Jahresumsatz von mehr als einer Million Euro. Für das Feuerdorf am Wiener Donaukanal wollen die Unternehmer 400.000 Euro für 16,67 Prozent, um in weitere Städte expandieren zu können. Alle finden das Konzept gut, sagen aber ab.

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