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123sonography: So eröffnet man als österreichisches Startup eine US-Niederlassung

123sonography in den USA: US-Produktmanager Ryan Crowder, CEO Klaus Müller und US-Geschäftsführer Chris Bene (von links). © 123sonography
123sonography in den USA: US-Produktmanager Ryan Crowder, CEO Klaus Müller und US-Geschäftsführer Chris Bene (von links). © 123sonography

Das Wiener Startup 123sonography bietet Ärzten digitale Fortbildungskurse an und ist damit international erfolgreich. Vergangenes Jahr kam bereits rund ein Viertel der 2,2 Millionen Euro Umsatz aus den USA. Und: „Die USA sind der größte Markt im Medizinbereich“, sagt CEO Klaus Müller im Gespräch mit Trending Topics. Die Entscheidung, dort die erste Niederlassung zu eröffnen lag auf der Hand. Weniger leicht war die Suche nach dem idealen Standort in dem großen Land.

Niederlassung oder gleich die ganze Firma übertragen?

Startups, die in die USA expandieren wollen, stehen vor einigen wichtigen Fragen. Zuerst gelte es zu klären, ob man die gesamte Firma in die USA übertragen will oder nur eine Niederlassung eröffnen will, meint Müller. US-Investoren würden die Übertragung der gesamten Firma bevorzugen, es gibt aber auch gute Argumente dagegen: „Wir wollten das als globaler Anbieter im medizinischen Bereich bewusst nicht, weil wir auch im arabischen und chinesischen Raum eine Rolle spielen wollen. Als US-Firma tut man sich da schwer“. 123sonography hat das Problem schließlich über die Gründung einer Tochterfirma, der 123sonography Inc., gelöst.

Silicon Valley für 123sonography nicht geeignet

Die nächste wichtige Frage, ist die nach dem konkreten Standort. „Die USA sind so groß, dass es den perfekten Standort nicht gibt“, sagt Müller. Für 123sonography waren das Silicon Valley, New York und Boston in der engeren Wahl. Bei der Entscheidung spielten vor allem zwei Faktoren eine wichtige Rolle: die Zeitverschiebung ist von Österreich aus betrachtet an der Ostküste geringer.

Ausschlaggebend war aber vor allem die Branche. „Das Silicon Valley ist der ideale Standort für Engineering Companies“, sagt Müller. Boston sei im EdTech- und MedTech-Bereich stark, also bei neuen Technologien für Bildung und Medizin. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich das Wiener Startup.

Finanzierung über Freemium-Modell

Gegründet wurde 123sonography bereits 2010 von dem Kardiologen Thomas Binder. Müller hat früher bei Google gearbeitet, ist 2015 zu dem Startup gestoßen und hat 26 Prozent der Anteile erworben. Das Startup bietet aktuell sieben englischsprachige Ultraschall-Diplomkurse an, die in den USA zertifiziert sind, und setzt zur Finanzierung auf ein Freemium-Modell. Will man einen Kurs vollständig nutzen werden zwischen 500 und 750 Euro fällig. 3.500 der rund 200.000 Nutzer haben sich vergangenes Jahr für die kostenpflichtige Version entschieden.

GoBoston-Programm der Außenwirtschaft Austria

Den letzten Anstoß, nach Boston zu gehen, hat die Außenwirtschaft Austria gegeben, erzählt Müller. Seit heuer gibt es neben beliebten Programmen wie „Go Silicon Valley“ auch eine „Go Boston“-Initiative und 123sonography ist das erste Startup, das daran teilnimmt. Die Außenwirtschaft hat in Boston den Accelerator Advise Connect Inspire (ACI) als Partner, der 123sonography mit einem Netzwerk, Anwälten und bei der Bürosuche unterstützt.

US-Mitarbeiter findet man auf LinkedIn

Das Büro des Wiener Startups liegt in einem Business Center direkt gegenüber des MIT. Ständigen Mitarbeiter gibt es dort aber keinen. Der Geschäftsführer der neuen Inc, Chris Bene, arbeitet in New York und Produktmanager Ryan Crowder in Seattle. Wie man für seine US-Niederlassung Mitarbeiter findet? „Wir haben es über Monster probiert“, erzählt Müller. Gefunden hat Müller die beiden Mitarbeiter – Bene war Director bei General Electric – aber schließlich über LinkedIn.

Gespräche mit Investoren

Jetzt ist das Startup auf Investorensuche und zwar das erste Mal in den acht Jahren seit der Gründung. „Wir sind bisher nur eigenfinanziert“, sagt Müller, was Investoren derzeit jedes Mal überrasche. 123sonography ist nun in Gesprächen mit potenziellen Geldgebern aus den USA, China und Saudi-Arabien. Bis Ende des Jahres sollen außerdem die Kurse von sieben auf zwölf aufgestockt werden. „Es wird dann auch Kurse von Drittanbietern geben“, verrät Müller. Und ebenfalls noch heuer will das Startup nach Ultraschall einen neuen medizinischen Bereich abdecken.

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