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10 Jahre Speedinvest: Mehr als zehn künftige Unicorns im Portfolio

Oliver Holle, CEO von Speedinvest. © Speedinvest
Oliver Holle, CEO von Speedinvest. © Speedinvest

Ein großes Jubiläum für die österreichische Investmentbranche: Das Wiener Venture Capital-Unternehmen Speedinvest ist heute zehn Jahre alt. Von einem bescheidenen Anfang mit zehn Millionen Euro Assets und einem kleinen Team hat sich die Firma heute zu einem der größten europäischen Frühphasen-Investoren gemausert. Im Portfolio befinden sich bereits vier Unicorns, Bitpanda und GoStudent aus Wien sowie Wefox und Tier aus Berlin. Diese Zahl werde aber schon sehr bald größer werden, kündigte Gründer Oliver Holle bei einer Veranstaltung zum Jubiläum am Freitag an.

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„Soonicorns“ könnten bald Milliarden-Marke knacken

„Wir haben momentan in unserem Portfolio mehr als zehn ‚Soonicorns‘, also Unternehmen, die eine gute Chance haben, bald selbst Unicorns zu werden. Mehr als die Hälfte von ihnen haben ihren Sitz in Österreich oder Deutschland“, so Holle. Besonders große Chancen auf eine baldige Bewertung von einer Milliarde Dollar räumt er dem Wiener Marketing-Scale-up Adverity ein, das erst im August bei einer Finanzierungsrunde satte 102 Millionen Euro eingesammelt hat (Trending Topics berichtete). Ebenfalls vielversprechend sei das Kärntner Videostreaming-Scale-up Bitmovin.

Es war für Speedinvest ein langer Weg zum Erfolg. „Als wir 2011 angefangen haben, galt unsere Idee als Experiment und uns wurde immer wieder davon abgeraten, in den Bereich Venture Capital (VC) einzusteigen. Wie alle guten Gründer haben wir es aber trotz der Warnungen getan“, erinnert sich Holle. Tatsächlich war der erste Fonds mit zehn Millionen Euro für heutige Verhältnisse winzig. Doch schon bald steigerte sich das Wachstum massiv. Der zweite Fonds aus dem Jahr 2015 betrug schon 91 Millionen Euro, im Jahr 2019 stellte Speedinvest 194 Millionen Euro auf die Beine. Insgesamt hat das Unternehmen seit der Gründung 450 Millionen Euro an Kapital aufgestellt, ein gewaltiger Anteil an den 680 Millionen Euro, die alle österreichischen VCs bislang gemeinsam erreicht haben.

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Speedinvest ist „pan-europäischer Investor“

Ein großer Erfolgsfaktor von Speedinvest ist laut Holle, dass es sich um einen „pan-europäischen Investor“ handelt. Zu Anfang lag der Fokus ausschließlich auf Österreich, allerdings ist das Portfolio heute deutlich breiter gestreut. Im Jahr 2019 hat die Firma 101 Investitionen durchgeführt. Davon fanden 16 in Österreich, 22 in Deutschland und 63 im Rest von Europa statt. Der Return on Investment kann sich mittlerweile auch sehen lassen. Die Fonds bringen jährlich durchschnittlich 20 Prozent Rendite ein, so Holle.

Auch wenn Speedinvest guten Grund zum Feiern hat, betonte Holle, dass in der österreichischen Investment- und Startup-Szene noch sehr viel Luft nach oben besteht. „Beim Venture Capital sind wir in Wien im Vergleich zu Berlin und London noch weit abgeschlagen. Es gab in Wien 2011 nur vier Venture Capital-Firmen, heute sind sie nur auf sechs gewachsen. Währenddessen gibt es in Berlin 112 VCs, in London sogar 656“, sagte der Speedinvest-Gründer.

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Viel Luft nach oben bei österreichischer VC-Szene

Holle sieht einige hartnäckige Mythen in der österreichischen Investment-Landschaft, die eine Weiterentwicklung bremsen. So sei Wien nicht, wie viele behaupten, das Tor nach Osteuropa, was Jungfirmen angeht. „Es ist für österreichische Startups aufgrund der vielen Bürokratie immer noch schwierig, Angestellte aus dem Ausland zu holen. Auch ausländische Gründer:innen haben es schwer, hier Fuß zu fassen. Sie gehen viel eher nach Berlin oder London. Außerdem sind wir bei der frühen Finanzierung im Europa-Vergleich nicht so stark wie viele denken. Wir müssten uns viel mehr auf Serie A- und sogar Serie B-Investments einstellen, um diesem Ruf gerecht zu werden.“

Weniger komplizierte Regulierung ist für Holle unerlässlich, um den VC-Bereich und damit auch die Startup-Szene anzutreiben. Dafür wäre das von der Regierung angekündigte Gründerpaket dringend nötig, das noch für Herbst angepeilt ist (Trending Topics berichtete). „Die neue Gesellschaftsform Austria Limited wäre sehr willkommen, wenn sie für weniger Bürokratie bei der Gründung sorgt. Auch die Möglichkeit der Mitarbeiterbeteiligung ist vielversprechend, vorausgesetzt sie wird nicht direkt besteuert. Bislang ist hier von Seiten der Regierung noch zu wenig passiert, deswegen ist zu hoffen, dass bald konkrete Maßnahmen kommen“, sagte Holle.

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Ein weiterer Fonds für Jahr 2022 geplant

Für das Wirtschaftswachstum sind Startups zunehmend wichtiger, vor allem weil laut Holle aus den bestehenden Erfolgsfirmen vermutlich bald neue Jungunternehmen mit hoher Qualität entstehen werden. Wagniskapital sei für neue Startups essenziell, um nachhaltigen Erfolg zu haben. Dem stimmte auch GoStudent-CEO Felix Ohswald bei der Jubiläumsveranstaltung zu. „Wir machten in den ersten drei Jahren nach der Gründung im Grunde null Umsatz. Dennoch hat Speedinvest an uns geglaubt und in uns investiert. Nur so konnten wir die Chance erhalten, zum Unicorn zu werden“, so Ohswald.

Ähnlich sieht es auch Christian Hülsewig, Gründer des deutschen Schotter-Startups Schüttflix, das ebenfalls im Speedinvest-Portfolio ist. „Zu viele Startups wählen den schnellen Exit und verschwinden dann einfach in Großunternehmen. Will man aber wirklich nachhaltig etwas in seiner Branche verändern und seine ursprüngliche Vision umsetzen, muss man am Ball bleiben. Doch das ist nur mit Venture Capital möglich“, erläuterte Hülsewig.

Speedinvest will laut Holle seine Investitionen in der Frühpase in Zukunft noch weiter ausbauen. Schon im Jahr 2022 soll ein neuer Fonds kommen, außerdem will das Unternehmen seine Sektor-Expertise ausbauen sowie stärker auf Pre-Seed- und Seed-Investitionen setzen. „Wir wollen im kommenden Jahr der führende Frühphaseninvestor in Europa werden“, kündigte Holle an.

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