Reality Check

10 Dinge, die „Zurück in die Zukunft II“ für heute vorausgesagt hat, die aber noch nicht Alltag sind

Einer der Helden der 1980er. © Universal Pictures
Einer der Helden der 1980er. © Universal Pictures

Der 21. Oktober 2015 – das ist der Tag, an dem Marty McFly und Emmett Lathrop „Doc“ Brown mit einem fliegenden DeLorean a.k.a. Zeitmaschine aus dem Jahr 1985 im Heute, Hier und Jetzt ankommen. So will es zumindest die trashig-kultige Sience-Fiction-Komödie „Zurück in die Zukunft II“ mit Michael J. Fox und Christopher Lloyd in den Hauptrollen (Kinostart war 1989), die als eine der gängigsten Zukunftsvisionen der Popkultur gilt. Sie hat Millionen Sehern ein Bild davon gezeichnet, wie die Zukunft im Jahr 2015 funktionieren könnte – doch hat sie recht behalten? Die Drehbuchschreiber Robert Zemeckis und Bob Gale, das muss man ihnen zugestehen, sind mit ihren Prognosen ganz gut gelegen – doch am Ende waren sie dem Jahr 2015 ein paar Schritte voraus.

1. Fliegende Autos

We may have electric cars, but we're still a little while away from ones that fly.

„Straßen? Dort, wo wir hingehen, brauchen wir keine Straßen!“ Naja. Mit einem DeLorean oder sonst einem Auto durch die Luft düsen statt sich am Boden durch den Verkehr zu quälen, dass ist im Jahr 2015 immer noch Zukunftsmusik. Zwar gibt es etwa in der Slowakei die Firma Aeromobil, die tatsächlich ein fliegendes Auto gebaut hat. Dieses soll aber frühestens 2017 auf den Markt kommen, wird mehrere 100.000 Euro kosten und muss erst einmal beweisen, ob es überhaupt für Luft und Straße zugelassen wird. Ein weiterer Wermutstropfen: Diesen Mai ist das Aeromobil bei einem Testflug abgestürzt und wurde schwer beschädigt – die Macher wollen trotzdem weiter an dem Fluggerät arbeiten.

2. Hoverboards

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Ja, Lexus hat im August diesen Jahres ein Hoverboard in einem Video gezeigt, das wirklich über dem Boden schwebt und sogar über eine Wasseroberfläche gleiten kann. Die Krux der Geschichte: Das Schwebebrett wurde extra für eine Marketing-Kampagne angefertigt, braucht eine extra mit Magneten präparierten Untergrund und muss ständig mit flüssigem Stickstoff seine Supraleiter auf minus 197 Grad kühlen. Damit ist das Hoverboard noch weit weg von dem, wie es in „Zurück in die Zukunft“ präsentiert wird – ein Flitzebrettl, das sich wie ein Skatebord mit Rollen verhält und über Wasser fahren kann.

3. Selbstschnürende Schuhe

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Eines der ersten Dinge, die Marty McFly im Jahr 2015 kennenlernt, sind (nebst einer Jacke, die sich selbst trocknen kann und seine Größe automatisch an den Träger anpassen kann) Nike-Schuhe, die sich dank „Power Laces“ selbst schnüren können. Nike hat bereits 2011 mit dem Schuhmodell Nike MAG ein Paar Schuhe auf den Markt gebracht, die genauso aussehen wie im Film, aber nicht über die legendäre Selbstschnür-Funktion verfügen. Anfang des Jahres hat der US-Schuhhersteller schließlich angekündigt, die Sneaker mit Selbstbinde-Feature tatsächlich auf den Markt bringen zu wollen, und zwar im Herbst. Gesehen hat man bisweilen aber nichts davon.

4. Smarte Brillen zum Telefonieren

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Die futuristischen Brillen, die in „Zurück in die Zukunft II“ von McFly, Doc Brown und Co. getragen werden, kommen den Datenbrillen, die es bereits am Markt gibt, doch ziemlich nahe. Mit ihnen kann man Videotelefonate führen, also etwas, was man der Google Glass oder Virtual-Reality-Brillen wie Oculus Rift heute durchaus zutrauen kann. Nur: Die smarten Brillen haben sich bisweilen am Massenmarkt noch überhaupt nicht durchgesetzt, vielmehr kassierte Google für seine Smartglass einen echten Flop. Was man in dem Film übrigens überhaupt nicht sieht, ist das Alltäglichste der heutigen Welt – ein Smartphone.

5. Hologramme

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Klar gibt es heute 3D-Kinos und 3D-taugliche Flat-TVs, die teilweise beeindruckende Effekte zaubern können – doch in der Regel muss man Spezialbrillen aufsetzen, um die dreidimensionale Tech-Zauberei auch sehen zu können. An echten Hologrammen, die dreidimensional im Raum stehen, wird emsig gearbeitet, doch eine massentaugliche Version ist noch nicht zu sehen gewesen. Insofern ist ein Alltag, in dem man riesigen 3D-Effekten auf der Straße sieht, die zum Anfassen echt wirken, noch ein Stück weit weg. Wer Lust hat, kann übrigens mit Hilfe dieser Video-Anleitung und seinem Smartphone ein kleines Hologram zaubern.

6. Dehydrierte Pizza

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Eine winzige Tiefkühlpizza in den „Hydrator“ von Black&Decker schieben und wenige Sekunden später die belegte Teigware in Familiengröße aus der Maschine ziehen können, das ist heute weiterhin Zukunftsmusik – Pizza-Service, Restaurant und Supermarkt sind weiter die Hauptquellen für die italienische Köstlichkeit. Im Alltag ist dehydriertes Essen hauptsächlich im Trekking-Bereich zu finden, wo es darum geht, möglichst wenig unnötiges Gewicht mit sich herumzuschleppen. Der Nahrung wird zuerst das Wasser entzogen, unterwegs erhält man durch einfache Wasserzugabe vollwertige Nahrung. Die Mikrowelle, die in den 1980ern aufkam, ist die letzte große Küchenrevolution gewesen, seither wartet man Jahr für Jahr auf vernetzte Kühlschränke und Herde.

7. Türen mit Fingerprint-Sensor

Das Smart Home, so wie es in „Zurück in die Zukunft II“ gezeigt wird, ist zwar machbar, aber bei weitem noch keine Realität. Sicher kann man sich Fingerabdrucksensoren zum Türöffnen verbauen lassen, aber das ist teuer und wird noch von vielen Konsumenten mit Misstrauen beäugt. Realität geworden ist der Fingerabdruck am ehesten am Smartphone, die neuesten iPhones und Android-Geräte lassen sich per Fingerprint vom Besitzer entsperren. Punkto Haussicherung gibt es aber mittlerweile andere Technologien, die als sicherer als der Fingerabdruck gelten. Handvenen-Scanner etwa versprechen eine eindeutigere Identifizierung einer Person, doch bis die an jeder Tür angebracht sind, werden noch viele Jahre und Datenschutzdiskussionen vergehen.

8. Tankstellen-Roboter

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Die automatisierte Zukunft, die der Film darstellt, ist noch lange keine Realität. Weder in Restaurants noch an Tankstellen gibt es Roboter, die die Kundschaft bedienen. Immerhin: Tesla hat vor kurzem einen Roboterarm vorgestellt, der den Stromstecker selbstständig in die zugehörige Buchse am Auto anbringen kann, doch dabei handelt es sich um einen Prototypen, der noch weit weg von der Marktreife ist. Beim Tanken heißt es deswegen für die breite Masse heute noch am ehesten: Selbstbedienung. Ob das jemals Roboter erledigen werden, ist offen. Billiger für die Betreiber ist, wenn die Kunden die Arbeit selber machen und sie nicht in teure Maschinen investieren müssen, die ein paar Handgriffe erledigen.

9. Smartwatches mit exakter Wetterprognose

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Ja, smarte Uhren sind 2015 tatsächlich in großer Vielfalt auf den Markt gekommen – allen voran die Apple Watch. Als Doc Brown und Marty McFly im Film im Jahr 2015 landen, verrät eine Smartwatch ihnen, wann exakt der strömende Regen aufhört. Tja, und soweit sind wir dann doch nicht. Zwar mag es Hightech-Uhren geben, doch die zugehörigen Apps können das Wetter sicher nicht so präzise vorhersagen wie der Film es darstellt. Wer eine Apple Watch (oder Wetter-Apps auf einem Smartphone oder einer anderen Smartwatch) ausprobiert hat, der weiß: Je nachdem, welche App man hat und welche Datenquellen sie anzapft, danach fällt auch der Wetterbericht aus – präzise kann man das noch nicht nennen.

10. Drohnen für Hunde

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Für die ganz faulen Haustierbesitzer haben sich die Drehbuchautoren von „Zurück in die Zukunft II“ eine Spezialität ausgedacht: Fliegende Drohnen, die eineinhalb Meter über dem Boden schweben und den Hund an die Leine nehmen. Tja, das entspricht natürlich nicht der Realität. Drohnen in den unterschiedlichsten Ausführungen gibt es, und sie können auch selbstständig bestimmte Strecken zurücklegen. Doch dass sie bald einmal automatisch durch unsere Straßen schweben, ist eher unrealistisch. Vielmehr denken Regierungen darüber nach, wie sich die Drohnennutzung künftig regulieren lassen kann. Wer wissen will, wo die lieben Vierbeiner draußen herumlaufen, ohne selber mitzugehen, der kann heute immerhin GPS-Sender wie jene des Start-ups Tractive verwenden, die die Position des Tieres in Echtzeit auf das eigene Smartphone übertragen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass „Zurück in die Zukunft II“ mit seinen Prognosen für das Jahr 2015 nicht schlecht gelegen ist. Größtes Manko: Das Smartphone wurde komplett vergessen, stattdessen wird die Kommunikation per Fax (!!) als große Utopie verkauft. Dinge wie Bezahlen per Fingerabdruck (Apple Pay), Digitalkameras mit starkem Zoom, Körperprothesen, Videotelefonie oder Flatscreens hat der Streifen aber ziemlich genau vorhergesagt. Bei anderen Entwicklungen ist er falsch gelegen – viele davon sind heute in einem frühen Entwicklungsstadium und für die breite Masse weiter Zukunftsmusik. Der Science-Fiction-Autor William Gibson hat das einmal in folgende schlauen Worte gefasst: „Die Zukunft ist bereits da, aber sie ist ungleich verteilt.“

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