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Gastbeitrag

10 Dinge, die man am Kaufhaus Österreich sofort verbessern kann

© Wirtschaftskammer
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Jörg Wukonig betreibt eine Online-Marketing-Agentur in Graz mit dem Fokus auf Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Suchmaschinenwerbung. In diesem Gastbeitrag beschäftigt er sich mit Verbesserungen, die beim viel kritisierten Kaufhaus Österreich unbedingt vorgenommen werden sollten.

Das Kaufhaus Österreich ist aktuell in aller Munde und angetreten, heimischen Händlern zu mehr Sichtbarkeit und Verkäufen zu verhelfen. Der Konkurrenz aus Übersee wie Amazon soll endlich Paroli geboten werden, da österreichische Klein- und Mittelunternehmen (KMU) naturgemäß nicht über die üppigen Ressourcen verfügen wie steuerbegünstigte Großkonzerne. Die Initiative “Kaufhaus Österreich” vom Digitalministerium Wirtschaftskammer Österreich hat ambitionierte Pläne musste in den letzten Tagen vielerorts Kritik einstecken.

Ich stelle hier die 10 Quick Wins vor, die dafür sorgen könnten, dass das Kaufhaus Österreich besser funktioniert. Denn leider wurden in der Umsetzung einige Online-Marketing-Basics vergessen. Das Gute daran: Diese Quick Wins lassen sich nicht nur für die Website Kaufhaus-Oesterreich.at nutzen, sondern können allen österreichischen Firmen als Quick Win dienen, die zu mehr Sichtbarkeit im Internet führen.

1. Title & Description optimieren

Hinter jeder Suchanfrage bei Google bei steht ein Mensch mit einem konkreten Problem, das eine Lösung sucht. Titel und Beschreibungstexte in Google sorgen dafür, ob man auf den vorderen Rängen gefunden und angeklickt wird.

Wenige Österreicher suchen nach einem “Kaufhaus Österreich” – Der Titel Bsp. “Kaufhaus Österreich”  ist hochgradig relevant für die Positionierung  – sollte also durchaus die Schlagwörter beinhalten, die oft gesucht werden. 

Hier bieten sich z.B. für die Startseite Begriffe wie z.b. “Alle Online Shops in Österreich – Kaufhaus Österreich” an bzw. sollte man auf den Shop-Detailseiten, die Händler ja hoffentlich selbst ändern können, immer aus Sicht der Konsumenten denken.

In manchen Segmenten suchen Konsumenten nach dem Muster “Problem + Ort” z.B. “Lieferservice Ziersdorf. Dann ist statt “Shop: Gasthaus Stefanshof” besser der Title “Gasthaus Stefanshof- Lieferservice &  3710 Ziersdorf” besser geeignet. 

Oder: Kunden suchen nach “Problem  + online bestellen”, dann ist statt “Shop: Buzzidil Babytrage” besser “Babytrage & Tragetuch von Buzzidl online kaufen“ geeignet.  

Die Beschreibung „WILLKOMMEN IM KAUFHAUS ÖSTERREICH“ ist nicht für die Positionierung ausschlaggebend, sorgt aber dafür, ob man angeklickt wird oder nicht.

Hier sollten für jede Seite die besten drei Argumente stehen, warum man diese Angebot anklicken soll. z.B. “Kauft ein in Österreich, damit der Händer um’s Eck auch morgen noch aufsperrt & nicht zusperrt.” oder freundlicher formuliert “Online Shopping geht auch beim regionalen Händler um’s Eck – Kauf‘ regional & digital!“

Oder  statt “Gepflegtes Landgasthaus mit gutbürgerlicher Küche und angenehmer Atmosphäre. Für das leibliche Wohl unserer Gäste schwingt der Chef selbst den Kochlöffel und verwöhnt” – besser kurz & bündig 

Österreichische Hausmanskost Zustellservice von Mo-Sa ✓ Wir erfüllen auch Spezialwünsche – Jetzt einfach anrufen”

Der Title sollte ca.65 Zeichen lang sein, die Beschreibung maximal 145 Zeichen lang. 

2. SEO für Bilder

Einige Menschen nutzen die Bilder-Suche von Google. Google ist noch immer ein Suchsystem, welches zwar in der Theorie Bilder erkennen kann, aber sich über textliche Hinweise freut.

Das Kaufhaus Österreich hat die sogenannten Alt-Attribute bei Bildern, die dazu da sind, Bilder zu beschreiben, leider nicht befüllt.

Statt einem leeren alt=”” schreibt man besser” oder “Lösung” etc. dh. “Selbstbau Schwimmbecken von pooldoktor – Schwimmbad online bestellen ” 

Bonus: Man wird auch in den regulären Ergebnissen besser gefunden.

3. Überschriftenstruktur

Auch hier gilt: Google benötigt Informationen, um zu verstehen, worum es auf einer Seite geht.

Ein Beispiel: Auf der Detailseite von bricktore.at, einem Lego-Fachhändler sind diese Überschriften hinterlegt:

Die Überschrift 1 ist noch in Ordnung, es folgt fälschlicherweise eine Überschrift 4, die zu lange ist, dann eine Überschrift 2 , die nichtssagend ist, dann eine Überschrift 3, die sich wiederholt ,und die folgenden Überschriften haben nichts mehr mit dem tatsächlichen Händler zu tun. Hier erkennt man auf einen Blick, dass die Ausgabe der Informationen leider vollkommen misslungen ist. Besser wäre etwa:

H1 – Brickstore – Der Lego Fachhändler in Österreich 

H2 – Einer der größten Legohändler in Wien & Niederösterreich 

H3 – Lego online kaufen oder im Showroom ansehen

H4 – Persönliche Beratung von Lego Fans

H5 – Lego – Kaufen – Lego Bauen & Bauanleitungen und Ideen 

H6 –  Öffnungszeiten Lego-Stores & Lego Online Shop

4. Technische SEO: Alle relevanten Inhalte in den Google Index bringen

 Laut Eigenangabe sind schon 1.000 Händler online, im Google Index finden sich aber aktuell nur 64 (!) Seiten. Es scheint, als ob Google nicht alle Shops finden kann. Hier gilt es sicherzustellen, dass auf der Website auch alle Detailseiten einfach für Suchmaschinen auffindbar sind.

Wichtig: Suchmaschinen wie Google füllen per so nicht eine Suchschlitz auf einer Website aus. Das ist ein häufiges Missverständnis. Lösung: Man sollte alle Angebote bzw. Händler in Form von Kategorien intern verlinken. Es scheint, als ob das Kaufhaus Österreich aktuell noch einen Konstruktionsfehler aufweist, der verhindert, dass die Einzelhändler alle in den Google-Suchindex kommen. 

Tipp: Geben Sie in Google “site:domain.com” ein. Das Resultat sollte im besten Fall so hoch sein, wie das Angebot ihrer Produkte. Haben Sie 100 Produkte im Shop, sind 10 Resultate schlecht, weil Google ihren Inhalt nicht kennt. Bekommen sie 10.000 Treffer, haben sie vermutlich ein Problem mit zu vielen Duplikaten. Sprechen Sie ihren technischen Umsetzungspartner an. Eine Website soll nicht nur schön sein, sondern auch gefunden werden.

5. Informationsarchitektur – Navigation – interne Verlinkung

Suchmaschinen und Nutzer mögen Informationsarchitekturen, d.h. Sie wollen wissen, wo sie sind und wie es weiter geht.

Auf den ersten Blick tut man sich schwer zu sagen, wo man hier gelandet ist. Das Logo Kaufhaus Österreich sagt nicht aus, was mir hier geboten wird (z.b. „Alle Online-Shops in Österreich auf einen Klick”, die Brotkrumen-Navigation ist absolut generisch d.h statt Startseite, Shopsuche, Details kann und soll hier besser mit konkreten Begriffen gearbeitet werden, z.b. “Online Shops – Tiere – Hunde”

Zusätzlich gibt es keine (!) sinnvolle Hauptnavigation als Alternative. Der Zielgruppenzugang “Unternehmen” und “Konsumenten” bringt keine Mehrwert und eine Navigation über Kategorien wäre für Nutzer und Suchmaschinen beiderseits hilfreich. 

Es scheint ebenso, dass jede Händlerseite intern unzureichend oft verlinkt ist. Für Google ist das ein Qualitätskriterium. Nur Inhalte, die mehrfach verlinkt sind, werden besucht.

Denkfehler: Man kann und sollte nicht wirklich eine Suchmaschine (KHÖ) in eine Suchmaschine (Google) stecken. Das klappt so nicht. Ziel sollte es immer sein, die Frage zu beantworten: Wo bin ich hier und wie geht es weiter?

6. Thematische / Semantische Relevanz – Content is King

Auf vielen Detailseiten sind leider zu wenig Inhalte in Form von Texten vorhanden. Natürlich mag dies einerseits an den Händlern liegen, die noch zu wenig Inhalte eingepflegt haben, andererseits sollte das Kaufhaus Österreich schon die Daten, auf die es zurückgreifen kann (Öffnungszeiten, Adresse, Kontaktdaten) noch besser ausspielen. Hier ist noch sehr viel Luft nach oben. Google My Business und Co machen vor, welche Datenfelder relevant sind und gern gesucht werden. Es ist ganz einfach: Firmenname, Branche, Adresse, Ort, Telefonnummer, Öffnungszeiten & Rezensionen sind die Basisinformationen, die viele Konsumenten vor allem regional benötigen. 

Zusätzlich ergibt sich auf der Meta-Ebene die Frage für Google: Was ist ein „Kaufhaus Österreich“? Hier gibt es aktuell noch keine Hinweise in Kopf- und Fußbereich, welche das Kind eindeutig benennt, z.B. Kaufhaus Österreich – Alle Online-Shops aus Österreich auf einen Klick. usw. Tipp: In Google-Suchschlitz. cache:domain.com eingeben und in der Text-Variante prüfen, ob der Text Sinn ergibt.

Diese Seite für Google “leer” und auch nicht mit sinnvollen Texten bestückt.

7. Ladezeiten & User Signale

Google hat Ladezeiten als neuen Ranking-Faktor bestätigt und es ist auch ganz logisch: Inhalte, die nur schleppend beim Nutzer ankommen, sind frustrierend. Auf den ersten Blick mag das Kaufhaus-Österreich keine lange Wartezeit im Browser aufweisen, aber die offiziellen Test-Tools von Google (web.dev) zeigen Potenziale auf. Eine Performance von 42 (von 100 möglichen) lässt Luft nach oben. 

Dieser Punkt ist vor allem in sehr umkämpften Branchen das Tüpfelchen auf dem i! In den Top 5 in Google muss man sicherstellen, dass alle Besucher*innen die uns die Suchmaschine bringt, bei uns auf der Website bleiben und nicht zurück in die Suchresultate springen. Das ist ein Zeichen für Unzufriedenheit der Nutzer. Dieser Punkt lässt sich oft nur mit einem Umsetzungpartner optimieren. Wichtig: Schnelle Ladezeiten haben Vorrang. Ein Foto, dass hochauflösend 30 Sekunden lädt, ist manchmal kontrakproduktiv.

8. Call-To-Actions

Es muss nicht immer der Besuch des Webshops sein. Beim Wein- und Delikatessenhändler will man unter Umständen auch nur schnell die Adresse wissen, um ihm einen Besuch abzustatten oder benötigt eine Telefonnummer, um rasch eine Information zu erhalten. 

Das Kaufhaus-Österreich hat diese Szenarios nicht mitgedacht und verlinkt auf den Webshop. Aber dabei würden in vielen Fällen eine klickbare (!) Telefonnummer auch schon enorm hilfreich sein. Diese sucht man noch vergeblich im Kaufhaus Österreich. Tipp: Bieten Sie unterschiedliche Kontaktarten an. Oft wollen Kunden nur anrufen und nicht ein E-Mail schreiben oder einen komplizierten Bestellprozesse durchlaufen!

Wichtig: Google simuliert mittlerweile alle Besucher via Smartphone. Schauen Sie ihre Webpräsenz auch am Handy an und stellen Sie die Lesbarkeit und Bedienbarkeit dort sicher. 

9. Backlinks

Mit guten Inhalten allein ist es leider nicht getan, wenn man unter umkämpften Begriffen wie “Schuhe online kaufen” in die Top 10 gelangen will. Hier sind auch die sogenannten Backlinks für Google ein wichtiges Signal, d.h. wieviele relevante externe Websites von hoher Autorität auf einen verweisen und einen mit einem Link erwähnen. Das Kaufhaus Österreich ist ein Baby, das im Vergleich zu etablierten Online-Shopping-Angeboten zu wenige relevante Erwähnungen hat. Nur wenn die Meta-Suchmaschine kontinuierlich neue Erwähnungen im Web bekommt, werden alle Resultate insgesamt eine Chance haben, aufgefunden zu werden.

Das ist ein Marathon und kein Sprint. Eine langfristige Online-PR-Strategie ist hier das Mittel zum Erfolg. Amazon.at hat ein Domain-Rating von 72 von 100 möglichen Punkten, KHÖ erst eines von 16 Punkten. Wichtig in diesem Zusammenhang: Gute PR Arbeit & Verlinkung von Partnern, Lieferanten und Co. sind immer noch ein Stützpfeiler für die Auffindbarkeit. 

10. Strukturierte Daten: Fit für Voice Search & Die Zukunft der Suche

Suchmaschinen wie Google müssen künftig fit für neue Suchszenarien sein. Jetzt schon nutzen viele Menschen die sogenannte “Voice Search” und tippen ihre Suchanfrage nicht mehr in den Suchschlitz. Statt „Bäckerei Wien” wird einfach nach “Bäckerei in der Nähe” am Smartphone gesucht. Google versteht die Suchanfrage und gibt je nach Standort den besten Treffer aus, wenn es einen hat. Das Zauberwort sind strukturierte Daten, die Google noch besser helfen, zu verstehen worum es auf einer Website geht.

Die Umsetzung aus Sicht des Website-Betreibers ist relativ einfach. Das KHÖ nutzt diese Möglichkeit aber noch nicht. Ein Manko, da man hier sicherstellen könnte, dass auch kleine Händler die nicht das notwendige Kleingeld und Programmierer zur Hand haben, das hoch gesteckte Ziel der besseren Sichtbarkeit zu erreichen.

Fazit

Die Erwartungen an das KHÖ waren und sind hoch gesteckt. Das aktuelle Resultat überzeugt weder Konsumenten noch Händler, da vielerorts die interne Suche bemängelt wird. Das setzt aber voraus, dass das Kaufhaus Österreich in den Köpfen der Konsumenten Top-of-Mind ist. Davon ist leider nicht auszugehen, und daher ist die Online-Sichtbarkeit sicher der erste notwendige Schritt für den Erfolg einer Plattform. Leider wurden für eine gute Auffindbarkeit ein paar essentielle Schritte vergessen.

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